3 Fragen und Antworten: Anlegen in Krisenzeiten [Teil 4]

Aktuell, Geldanlagen

Die momentane Nachrichtenlage trägt zu massiver Verunsicherung bei. International sehen Notenbanken sich zu drastischen Eingriffen in das Geldsystem gezwungen, und immer neue Hiobsbotschafen bestimmen das Tagesgeschehen. Ein Gefühl von Krise liegt unumstritten in der Luft. Doch wie sollten Verbraucher in solchen Krisenzeiten mit Ersparnissen umgehen? Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Mit der Serie „3 Fragen und Antworten“ wollen wir dies ändern. Stellen Sie uns Ihre Fragen rund um die Themen Geldanlage, Immobilien und Altersvorsorge – und wir stehen Ihnen unabhängig Rede und Antwort.

3 Fragen und Antworten: Immobilien
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„Befinden wir uns nicht schon in einer gewaltigen Krise?“

Herr Tiemann (Wienhausen)

Die Frage lässt sich leider nicht mit einem pauschalen Nein beantworten, ein klares Ja wäre jedoch ebenso unseriös.

Der Löwenanteil der Deutschen spürt gegenwärtig weder die Auswirkungen des vorherrschenden Niedrigzinsniveaus noch die erschreckend anmutenden Schuldenstände zahlreicher Industriestaaten. Ebenso liegt eine Währungsreform, wie sie von einigen Krisenpropheten ins Feld geführt wird, in weiter Ferne. Allein die Tatsache, dass diese Szenarien am Tagesgeschehen teilhaben, trägt jedoch zur Verunsicherung bei. Ungeachtet der Tatsache, ob eine akute Gefahr von ihnen ausgeht, entsteht eine negative Grundstimmung.

Betrachtet man beispielsweise das vorherrschende Zinsniveau, so profitieren aktuell nämlich keineswegs nur Immobilienkäufer oder -besitzer. Im Umfeld einer minimalen Inflation von weniger als 1 % können Anleger mit gut ausgesuchtem Festgeld bequem oberhalb der gefürchteten Inflation anlegen. Ein Umstand, der seit Einführung des Euros vorherrscht und zu DM-Zeiten eher selten für sich beansprucht werden konnte. Kurzum, die vielkritisierte Politik der Notenbanken mag die Finanzwirtschaft unter nicht unerheblichen Druck setzen, diesem sollten sich Verbraucher jedoch nicht anschließen.

Einzelne Gruppen können aber sehr wohl von punktuellen Krisen betroffen sein. So müssen beispielsweise Mitarbeiter vieler Banken akut um ihre Jobs bangen. Der Großteil der Verbraucher ist aktuell von zu wenig Krise betroffen, um sich bereits mit außerordentlichen Maßnahmen gegen sie zu wappnen. Derartige Maßnahmen bergen nämlich ausnahmslos ein ganz eigenes und mitunter erhebliches Risiko.

„Sollte ich mein Geld zu Hause aufbewahren?“

Frau W.

Es gibt aktuell wenig bis gar keinen Anlass, Geld in den eigenen vier Wänden zu lagern. Im Kern beantwortet jedoch die persönliche Intention diese Frage.

Verbraucher, die Angst davor haben, ihre Bank könnte samt der eigenen Ersparnisse Pleite gehen, können beruhigt werden. Global liegt ein gesteigertes Augenmerk auf der Sicherheit des Bankensystems. Zahlreiche Netze und doppelte Böden tragen erheblich zur Stabilität bei. Viele der heutigen Sicherheitsstandards wurden erst im Anschluss an die vergangene Bankenkrise eingeführt und nun fortan überwacht. Selbst im Falle einer Bankenpleite würden Kunden europäischer Geldhäuser mit bis zu 100.000,- EUR pro Bank entschädigt werden. Für den Großteil der Verbraucher eine ausreichende Sicherheit. Im Falle eines Flächenbrands, der vorgenannte Sicherheitsvorkehrungen überflügelt, würden weit über die Bankenlandschaft hinausgehende Probleme vorherrschen.

Andernfalls wäre Geld in den eigenen vier Wänden vergleichsweise unsicher und vollkommen unverzinst aufgehoben. Eine Geldanlage innerhalb des Sparstrumpfs ist aktuell noch schlechter verzinst als zu 0,05 % auf einem Sparbuch einer örtlichen Bank.

„Macht es Sinn, Gold zu kaufen?“

Herr Schnier (Bad Gandersheim)

Gold galt lange Jahre als Alternativgeldanlage während unruhiger Zeiten. Doch auch wenn man unruhige Zeiten momentan durchaus unterstellen darf, kommt Gold aktuell nicht wie erwartet in Fahrt. Ganz im Gegenteil, der Kurs in Dollar ist binnen der vergangenen fünf Jahre um rund 25 % gefallen, in Euro entspricht der Verlust immer noch über 7 %.

In Summe somit alles andere als eine wünschenswerte Geldanlage. Der Grund hierfür liegt im Detail. Der Goldkurs lebt ebenso wie Aktien oder Fonds von Angebot und Nachfrage. Unternehmen und institutionelle Anleger tragen hierzu ebenso wie private Anleger ihren Teil bei. Es ist somit reine Analysearbeit, möchte man die künftige Entwicklung des Goldkurses prognostizieren. Zusätzlich muss ein Blick auf das Währungspaar Dollar/Euro geworfen werden, da Gold traditionell in Dollar gehandelt wird. Entwicklungen auf der Währungsseite können ebenfalls über Gewinner und Verlierer entscheiden. Hat man Gold als attraktive Geldanlage auserkoren, muss die Entscheidung zwischen Gold als Münze, Barren oder Wertpapier getroffen werden. Zwischen diesen Optionen stehen mitunter erhebliche Kosten und Gebühren, die Anleger bereits zu Beginn mit einem nicht unerheblichen Verlust konfrontieren können.

Es empfiehlt sich daher, Gold entweder als Schmuck oder aus der Perspektive eines versierten Anlegers zu kaufen. Alles andere würde eine Spekulation erheblichen Ausmaßes bedeuten, die allenfalls mit separiertem Spielgeld zu betreiben ist. Besondere Vorsicht ist bei Goldgeschäften mit Vermittlern am heimischen Küchentisch geboten. Die Kostenquote solcher Angebote liegt teils erheblich oberhalb des branchenüblichen Durchschnitts.

Wer sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen eine Zuspitzung der momentanen Krisenherde schützen möchte, kann dies weiterhin mit bekannten und/oder risikoarmen Geldanlagen tun. Wesentlicher Schutzmechanismus ist die Flexibilität. Im Falle einer sich abzeichnenden Gefahr sollten sämtliche Ersparnisse und Altersvorsorgen liquidierbar sein. Nur so können Anleger adäquat auf sich darstellende Risiken reagieren. Konservative Anleger sollten somit an Tages- und kurzlaufendem Festgeld festhalten.


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