3 Fragen und Antworten: Banken und Verbraucher [Teil 8]

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Banken wurden lange Zeit als verlässliche Partner betrachtet. Auf das sensible Thema, die privaten Finanzen, hatten sie nahezu ein Monopol. Zunehmender Konkurrenzdruck und das Streben nach immer höheren Gewinnen hat das Verhältnis nachhaltig belastet. Doch müssen und können Verbraucher künftig auf den Rat von Banken verzichten? Diese und weitere Fragen beantworten wir in der Serie 3 Fragen und Antworten.

3 Fragen und Antworten: Banken und Verbraucher
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Wie ist die Beratung durch Banken einzuordnen?

Joachim Schütte (Bielefeld)

Die Beratung durch Sparkassen und Banken genoss lange Zeit höchstmögliches Ansehen. Empfehlungen der Berater wurde ohne größeres Zögern gefolgt, unabhängig ob es um Geldanlagen, die Altersvorsorge oder andere Finanzthemen ging.

Tragischerweise scheinen diese Zeiten seit geraumer Zeit zu Ende zu sein. Innerhalb der Bankenbranche ist der Wettbewerb innerhalb weniger Jahre schier explodiert. Eine neue Größe, der klassische Banken kaum etwas entgegenzusetzen haben, sind Direktbanken. Allein die geringere Kostenstruktur dieser Institute, bedingt durch das fehlende Filialnetz und geringere Mitarbeiterzahlen, lässt sie viele direkte Vergleiche mit großem Vorsprung gewinnen.

Klassische Banken, zu denen auch heute noch der überwiegende Teil der Verbraucher ihre Hausbankverbindung unterhält, stehen hierdurch unter einem neuen und nicht unerheblichen Druck. Mehr denn je ist der Absatz provisionsstarker Finanzprodukte gefragt, was in eine immer weiter steigende Zahl von Schlecht- und Falschberatungen mündet. Es wird also immer häufiger das Interesse der Banken vor das Interesse der Kunden gestellt.

Ein Umstand dessen Verbraucher sich bewusst sein sollten. Banken sind wirtschaftende Unternehmen mit dem Streben nach Gewinn. Dieses Ziel korrespondiert in den seltensten Fällen mit denen der Kunden. Ein optimaler Umgang sähe daher vor, bereits mit konkreten Produktvorstellungen die Konditionen bei Hausbank und Wettbewerb anzufragen und zu vergleichen. Die Regie über Geldanlage, Altersvorsorge und Co. gehört jedoch mehr denn je in die Hände jedes einzelnen Verbrauchers.

Wie kann ich mich gegen schlechte oder falsche Beratung schützen?

Annette Findeis (Goslar)

Eine schlechte oder falsche Beratung zu erkennen, ist für Laien bereits alles andere als einfach. An genau diesem Punkt fängt jedoch der Schutz gegen unpassende bis nachteilige Finanzempfehlungen an.

Verbraucher können bereits mit wenig Handwerkszeug ihrer privaten Finanzen Herr werden. Dieses Handwerkszeug ist seit Jahrhunderten bekannt und bewährt. Doch es wird leider nicht während der schulischen oder beruflichen Ausbildung, selbst eines Bankkaufmannes, vermittelt. Wer diese Grundlagen jedoch beherrscht, kann ab einer bis zwei Stunden jährlichem Engagement seine privaten Finanzen selbstständig managen. An diesem Punkt werden von Banken und Versicherungen lediglich die benötigten Produkte abgerufen ohne durch Beratungen, die tatsächlich jedoch Verkaufsgespräche sind, Interessenskonflikte entstehen zu lassen.

Daher ist der beste Schutz gegen schlechte und falsche Beratung die Information. Verbraucher können sich durch Coachings oder einschlägige Lektüre das besagte Handwerkszeug aneignen. Tiefergehendes Verständnis von Finanzen ist nicht hinderlich, jedoch keineswegs nötig.

Wie werden private Finanzen in Zukunft betreut?

Tim Hellmann (Berlin)

Die Beratung durch Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben wird schon lange nicht mehr als solche wahrgenommen. Mehr und mehr Verbraucher sind sich bewusst, dass Berater unlängst Verkäufer und Beratungen bereits seit längerem Verkaufsgespräche sind. Diese Tatsache muss jedoch keine Nachteile für Verbraucher mit sich bringen. Im Bewusstsein einem Verkäufer zu begegnen, begeben sich Jahr für Jahr unzählige Verbraucher in Autohäuser und den Einzelhandel.

Banken werden meines Erachtens mit dieser Tatsache jedoch kein flächendeckendes Beratungsangebot mehr anbieten können. Ich sehe daher ein sich weiter zuspitzendes Filialsterben und einen deutlichen Rückgang des Personals.

Künftig werden voraussichtlich digitale Lösungen mittels Smartphone und Tablet den Filialbesuch weitenteils ersetzen. Allgemeingültige Standards, die auch dem Verbraucherschutz entsprechen, werden digital umgesetzt und begleiten dann Jung und Alt durch Geldanlage, Altersvorsorge und bis hin zum persönlichen Lebensziel. Die Möglichkeiten hierzu bestehen bereits heute, die Akzeptanz nimmt sprunghaft zu und die Notwendigkeit besteht mehr denn je. Der Großteil der Finanzgeschäfte kann dann bequem vom heimischen Sofa geregelt werden ohne Interessenskonflikte bei maximaler Transparenz.

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