Abschaffung: 500-Euro-Schein geht vom Markt

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Mit dem 500-Euro-Schein verschwindet die größte europäische Note vom Markt. Ihre Abschaffung beschloss die Europäische Zentralbank am vergangenen Mittwoch. Die Hintergründe sind, ebenso wie die Folgen für Verbraucher, in weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt. So wächst die Furcht, dass mit dem Ende des 500-Euro-Scheins auch das Ende des Bargelds eingeläutet wurde.

Abschaffung: 500-Euro-Schein geht vom Markt
Die Abschaffung großer Noten soll der organisierten Kriminalität schaden.

Organisierte Kriminalität setzt auf große Noten

Der Terrorismus setzt auf Bargeld. Nicht zuletzt die Anschläge von Paris haben gezeigt, dass sich auch Europa in seinem Fadenkreuz befindet. Neben dem Terrorismus setzen auch andere Facetten der organisierten Kriminalität auf Bargeldverkehr. Je größer der Nennwert der Scheine, desto geringer der logistische Aufwand. Um eine Summe von einer Million Euro zu verschieben, müssten Kriminelle rund 20 Kg 50-Euro-Scheine transportieren. Demgegenüber stehen lediglich 2,5 Kg in 500-Euro-Scheinen. Im Rahmen der Terrorfinanzierung wird ein Vielfaches dieser Summen bewegt.

Um die finanzielle Arbeit solcher Gruppierungen und Organisationen zu erschweren, möchte man Noten wie den 500-, 200- und 100-Euro-Schein abschaffen. Dies stellt, laut Ansicht der Europäischen Zentralbank, keine Einschränkung des Verbrauchs dar. Im normalen Bargeldverkehr tauchen diese Scheine tatsächlich nur selten auf, weite Teile des Handels verweigern gar ihre Annahme.

Dennoch werden Befrüchtungen laut. Einige Verbraucher vermuten hinter der Abschaffung einzelner Scheine, die stückweise Abschaffung des gesamten Bargelds.

Verbraucher fürchten weitreichende Folgen

Die Europäische Zentralbank plant, den 500-Euro-Schein bis Ende 2018 vom Markt zu nehmen. Verbrauchern bleibt damit ausreichend Zeit, um diese Scheine umzutauschen. Übergangsfristen, die einen Umtausch über diesen Stichtag hinaus regeln, sind bislang nicht bekannt. Doch auch wenn die Abschaffung des 500-Euro-Scheins vom Verbraucher kaum wahrgenommen werden dürfte, bleibt ein fader Beigeschmack zurück.

Die Furcht, dies könne den ersten Schritt vom Endes des Bargelds markieren, ist groß. Dies würde für Verbraucher zwei Kernprobleme mit sich bringen. Einerseits wäre so der gesamte private Zahlungsverkehr gläsern. Finanzieller Datenschutz würde, mit der Abschaffung des Bargelds, eine wichtige Säule verlieren. Auf der anderen Seite gewinnt die Angst vor Negativzinsen zunehmend an Fahrt. In einer bargeldlosen Gesellschaft könnten diese Negativzinsen auf sämtliche Einlagen, vom Girokonto bis zum Festgeld, einwirken. Bargeld wäre gegen diesen Effekt vergleichsweise immun.

Die Angst vor Negativzinsen kann, trotz anhaltender Niedrigzinspolitik der EZB, beschwichtigt werden. Grund hierfür sind unter anderem die Margen, die insbesondere bei Direktbanken einen respektablen Abstand zu Negativzinsen halten, aber auch weitere Alternativen, die neben Bargeld einen adäquaten Schutz darstellen. Doch unlängst ist zu beobachten, dass Bargeld mehr und mehr an Bedeutung verliert. Die Stellschraube hierfür dreht jedoch weniger die Europäische Zentralbank, als vielmehr der Handel und die Finanzbranche. Hier stellt Bargeld einen erheblichen Verwaltungs- und Kostenaufwand dar. Vor allem ländliche Gegenden stellen, infolge von Filialschließungen, eine verschlechterte Bargeldversorgung fest. Parallel steigt die Akzeptanz von Bank- und Kreditkarten, die inzwischen selbst für Kleinstbeträge regelmäßig zum Einsatz kommen.

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