Aktien: Alternativlos trotz massiver Schwankungen?

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Die Finanzwirtschaft und Medien empfehlen, vor dem Hintergrund anhaltend niedriger Zinsen, insbesondere Aktien. Sie sollen über langfristige Anlagezeiträume bei überschaubarem Risiko zu einträglichen Renditen beitragen. Verbraucher sollten derartigen Empfehlungen jedoch mit gesunder Skepsis begegnen.

Aktien: Alternativlos trotz massiver Schwankungen
Die Empfehlung zu Aktien und Aktienindexfonds fällt vielerorts und trotz erheblicher Risiken vergleichsweise leicht.

Erhebliche Schwankungen

Zwischen niedrigverzinstem Tages- und Festgeld stellt sich mehr und mehr die Frage nach ertragreicheren Alternativen. Banken, Versicherungen und Medien sind sich bei der Antwort auf diese Problemstellung nahezu einig. Wer dem Niedrigzinsdesaster entfliehen möchte, ist langfristig mit Aktien und Aktienindexfonds am besten beraten.

Statistisch gesehen bot diese Anlageform, insbesondere bei jahrzehntelanger Haltedauer, die attraktivsten Renditen. Bei derartigen Aussichten werden nur zu gern die vorherrschenden Marktgegebenheiten ausgeblendet. Zwischen expansiver Geldpolitik vieler Notenbanken, nicht zu leugnenden globalen Schuldenproblemen und weiterer ungezählter Brandherde müssen handfeste Gründe vorliegen, eine Investition dennoch zu tätigen. Als beliebtester Grund wird vielerorts das historische Niedrigzinsumfeld angeführt. Ob das Risiko niedriger aber dafür sicherer Zinsen mit dem stark schwankender Märkte korrespondieren kann, bleibt jedoch fraglich. Tatsächlich müssen Anleger, die unbedarft den Schritt in Aktienanlagen wagen, starke Nerven beweisen. Zumindest kurz- bis mittelfristig ist mit erheblichen Verwerfungen zu rechnen, die schlussendlich Teile des Anlagekapitals kosten könnten.

Anleger sollten sich vor diesem Hintergrund vor Augen führen, dass auch kurz- bis mittelfristig entstandene Verlust erst aufzuholen sind, bevor sich langfristig attraktive Renditen einstellen können. Es gilt daher mehr denn je die kaufmännische Regel, der Gewinn liegt im Einkauf – keineswegs aber in einer pauschalen langfristigen Anlage.

Empfehlung basiert auf Statistik

Sogleich stellt sich die Frage, wie allerorts mit größtmöglicher Einigkeit zu einer gleichlautenden Empfehlung gefunden werden. Der Grund hierfür findet sich in einer statistischen Eigenart.

Wirft man beispielsweise den Blick auf die historische Entwicklung des DAX (Link: DAX seit 1959) fällt auf, dass der Großteil der Rendite, die heute Teil der attraktiv anmutenden Durchschnittswerte sind, sich seit Mitte der 1990er Jahre einstellten. Die zu erkennende Entwicklung sorgte jedoch nicht allein für besagte Durchschnittsrenditen, sie trug zugleich erhebliche Kursschwankungen mit sich. So waren die Phasen astronomischer Renditen zugleich die Phasen, die zahlreiche Verlierer hinterließen. Insbesondere Kleinanleger verbuchten seit 2000 immer wieder teils erhebliche Verluste.

Anleger sollte sich dieser Rahmenbedingungen bewusst sein. Insbesondere zu Zeiten hoher Kurse oder inmitten größter Unsicherheit stellen Aktienmärkte nicht den vielgeprisenen sicheren Hort mit attraktiven Renditeaussichten dar. Hieran ändern auch langfristige Anlegehorizonte nur wenig. So ist heute eine Anlegerschaft gefragt, die bewusst Entscheidungen über sinnvolle Ein- und Ausstiegsmomente treffen kann. Auf diesem Fundament bauen zum jetzigen Zeitpunkt die künftigen Renditen auf. Anleger die sich eine solche Arbeitsweise aus zeitlichen oder fachlichen Gründen nicht vorstellen können, sollten sich hingegen den Risiken der Aktienmärkte nicht zwingend aussetzen – sondern größtmögliche Sicherheit bereitwillig durch niedrigere Zinsen zwischen Tages- und Festgeld bezahlen.

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