Altersvorsoge: Rentenniveau droht abzurutschen

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Das fallende Rentenniveau sorgt für mehr und mehr Unruhe. Lediglich 41,6 % des Durchschnittsverdienst erwartet die Deutsche Rentenversicherung für Rentner, die ab dem Jahr 2045 in Ruhestand gehen. Nun plant Arbeitsministerin Nahles das Rentenniveau bei 46 % einzufrieren. Doch was bedeutet dies für Jung und Alt?

Altersvorsorge: Rentenniveau droht abzurutschen
Ein fallendes Rentenniveau betrifft alle Einkommensschichten. Betroffene sollten frühzeitig auf geeignete Gegenmaßnahmen setzen.

Das Existenzminimum rückt immer näher

Rund 860,- EUR, dieser Betrag gilt vielerorts als absolutes Existenzminimum. Künftig, so ist nach aktuellen Hochrechnungen der Deutschen Rentenversicherung zu erwarten, werden immer mehr Rentener mit diesem Existenzminimum konfrontiert sein. Schuld daran ist das stetig fallende Renteniveau. Die stückweise alternde Gesellschaft erzeugt jährlich zuverlässig steigende Ausgaben für das deutsche Rentensystem. Im Endergebnis schrumpfen die Auszahlungen.

Ein heutiger Rentner, der auf 45 Beitragsjahre zurückblicken kann, erhält rund 47,8 % seines Durchschnittseinkommens. Bis 2045 sinkt dieser Satz stetig bis auf 41,6 %, so Hochrechnungen der Deutschen Rentenversicherung. Ein im Durchschnitt unter 2.075,- EUR Monatsbrutto liegendes Einkommen führt dann bedingungslos zur Grundsicherung, dem Existenzminimum im Rentenalter. Damit sind heute insbesondere untere Einkommensschichten akut von Altersarmut betroffen. Doch auch Normal- und Großeinkommen bleiben vom fallenden Rentenniveau nicht unbetroffen. Ihnen droht eine immer größer werdende Lücke zwischen dem aktuellen Einkommen und der zu erwartenden Rentenhöhe. Im Bewusstsein dieser Tatsache wird unlängst auf die Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge gepocht.

Unterstützung hierbei plant nun die Regierung in Person von Arbeitsministerin Andrea Nahles. Das Rentenniveau soll künftig bei 46 % eingefroren, private Altersvorsorge wie die Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge gestärkt werden.

Private Altersvorsorge ist mehr als ein Vertrag

Künftig sollen Riester-Sparer von 11,- EUR mehr Zulage profitieren. Ein Nullsummenspiel für die Meisten der über 16 Millionen Einzahler. Die Anrechnung der Zulage dürfte dann nämlich eins zu eins von der zu erwartenden Steuerrückerstattung abgezogen werden. Günstigerprüfung nennt sich diese Methodik in der Sprache der Finanzbeamten. Wirklich profitieren dürften lediglich kinderreiche Einzahler, die so ihre später Rente um einige Cent oder wenige Euro monatlich aufbessern.

Vorsicht ist ebenso bei der betrieblichen Altersvorsorge geboten, die im ersten Schritt das Haftungsrisiko für Arbeitgeber künftig minimieren soll. Arbeitnehmer, die dann einen Teil ihres Einkommens für ihr Alter zur Seite legen, bekommen unter bestimmten Umständen lediglich eine Beitragsgarantie ausgesprochen. Für weitergehende Zusagen haftet dann der Arbeitgeber nicht mehr. Im Gegenzug erhält der Arbeitnehmer dafür die Sozialabgabenersparnis des Arbeitgebers. Geschaffen hat der Gesetzgeber hiermit eine weitere Verkomplizierung für sämtliche Einzahler. Diesen wird bereits heute durch komplexe steuerliche und sozialabgabenseitige Rahmenbedingungen die Möglichkeit genommen, ihre private Altersvorsorge von Anfang bis Ende nachvollziehen zu können. Damit haben Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe leichtes Spiel, sie können augenscheinlich attraktive Zulagen, Zuschüsse und Steuerersparnisse zu zweifelhaften Verkaufsargumenten machen. Arbeitnehmer, die derartige Angebote vorgelegt bekommen, sollten diese jedoch zwingend von einem Steuerberater, Lohnsteuerhilfeverein oder unabhängigen Finanzexperten bewerten lassen. Auch Verbraucherzentralen helfen Ratsuchenden, die tatsächlichen Auswirkungen eines solchen Vertragsabschlusses auszuloten.

Um adäquat für das Alter vorzusorgen sollten insbesondere jüngere Generationen über den Tellerrand von Versicherungen hinausschauen. Der sinnvolle Umgang mit Ersparnissen, beispielsweise für den Erwerb einer Immobilie, stellt vielfach die lukrativste Altersvorsorgeoption dar. Die aktive Kreditvermeidung sollte daher nicht durch unflexible Altersvorsorgeverträge genommen werden. Konservative Sparverträge sollten kurz- und mittelfristige Dispo-, Konsum- und Autokredite zu jeder Zeit abwenden. Weiterhin bietet beispielsweise das beliebte Tagesgeld die Option, es mit größtmöglichen Beträgen zu besparen. Im Falle eines Engpasses können dann bequem Auszahlungen vom Tagesgeld vorgenommen werden ohne das eine kostspielige Vertragskündigung im Raum steht, wie es bei einer Riester-Rente der Fall wäre. Im Falle einer betrieblichen Altersvorsorge wäre eine solche zwischenzeitliche Auszahlung gar undenkbar. Erst wenn größere Anschaffungen oder berufliche und private Veränderungen nahezu ausgeschlossen sind, können fixe Verträge zu einem problemlosen Begleiter werden. Doch auch in dieser Phase sollte die generelle Lukrativität kritisch hinterfragt werden. Als Fazit sollte daher gelten, dass nicht nur der heute abgeschlossene Vertrag sondern auch der heute zur Seite gelegte Euro den Weg in Richtung Altersvorsorge ebnet.

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