Altersvorsorge: Garantien auf dem Rückzug

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In Sachen Altersvorsorge setzt der Großteil der Deutschen ungebrochen auf Versicherungen. Im Durchschnitt befindet sich mehr als eine solche Police in jedem Versicherungsordner. Besonders glücklich schätzen können sich jene, die vor langen Jahren einen Vertrag abgeschlossen haben. Entsprechende Garantien sorgen mitunter für mehr als 2 % Zinsen. Von solch kostspieligen Versprechen nehmen Versicherungen heute großen Abstand. Anstatt Garantien setzen sie heute vielmehr auf Prognosen und neuartige Anlagekonzepte.

Altersvorsorge: Garantien auf dem Rückzug
Versicherungen versuchen verstärkt durch neuartige Anlagekonzepte zu punkten. Die gewohnten Garantien suchen Verbraucher immer öfter vergebens.

Altersvorsorge mit Versicherungen

Finanzen und insbesondere die private Altersvorsorge muten mehr als kompliziert an. Umso nachvollziehbar, dass Verbraucher in diesen Punkten nur zu gern auf Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe vertrauen. Ein Blick hinter die Kulissen dieser Produkte offenbart schnell, worum es sich im Kern handelt: Um Sparpläne.

Diese Sparpläne sollen, nach meist jahrzehntelanger Besparung, den Grundstock für eine auskömmliche monatliche Rente bilden. Lange Zeit wurden Lebens- und Rentenversicherung trotz der Tatsache, dass die einstigen Versprechungen vielfach bei weitem verfehlt wurden, dem Ruf einer lukrativen und bequemen Altersvorsorge gerecht. Attraktive Garantien, die trotz stetig fallendem Zinsniveau einzuhalten waren, haben hierfür Sorge getragen. Heute hingegen bleibt Verbrauchern nicht mehr als die einstige Bequemlichkeit eines regelmäßig abbuchenden Vertrags. Sowohl die Zinsen als auch die später zu erwartende Rentenhöhe rangieren bei Neuabschlüssen zumeist auf dem Niveau löchriger Sparstrümpfe.

Grund hierfür ist der Umstand, dass die wehklagende Versicherungswirtschaft sich mehr und mehr von ihren Garantien verabschiedet und fortan zunehmend auf Prognosen setzt. Verbraucher können sich so, wenn überhaupt, nur noch an das Versprechen klammern, die eingezahlten Beiträge vertraglich zugesagt zu bekommen. Um ihre Kunden dennoch bei Laune zu halten und die zusehends fallenden Absatzzahlen zu stoppen, lassen sich Versicherungen immer neue Anlagekonzepte einfallen.

Verbraucher zwischen Unsicherheit und Intransparenz

Um heute noch Versicherungen zur Altersvorsorge abzuschließen, müssen Verbraucher starke Nerven beweisen. Zahlreiche in Aussicht stehende Kinderzulagen (Riester-Rente) oder hohe im Raum stehende Arbeitgeberzuschüsse (betriebliche Altersvorsorge) gehören zu den besseren Argumenten. Andernfalls müssen Verbraucher sich vielerorts mit Zinsen arrangieren, die sich spürbar unterhalb gut ausgesuchter Tages- und Festgelder bewegen und ihnen zusätzlich großes Vertrauen abverlangen.

Der Blick hinter die Kulissen vieler Policen stellt sich nämlich regelmäßig als kompliziert bis unmöglich heraus. Der Großteil der Verbraucher vertraut daher blind auf den Rat des Vermittlers, der gleichzeitig vom Abschluss dieser Verträge in Form einer nicht unerheblichen Provision verdient.

Darüber hinweg soll die Vorstellung trösten, dass die investierten Gelder durch die Versicherung attraktiver angelegt werden und zu einem entsprechenden Ergebnis führen. In vielen Fällen setzen Versicherer hierzu auf unterschiedlichste Wertpapiere und Strategien. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich sogenannte Indexfonds, kurz ETF. Sie erfahren in den Medien einen regelrechten Hype und sollen für niedrige Kosten und attraktive Renditen bürgen. Das von diesen Versprechen im Rahmen einer Versicherung nur wenig übrig bleibt, was den zumeist hohen Abschluss- und Verwaltungskosten der Verträge geschuldet ist, kann vom Verbraucher nur schwer nachvollzogen werden. Einzelne Versicherer gehen dann gar so weit, über 4 % hinausgehende Gewinne gar nicht erst an den Versicherungsnehmer auszuzahlen. So wird auch das Potenzial gut ausgesuchter Wertpapiere frühzeitig beschnitten. In Summe haben Verbraucher nur wenig gute Argumente in der Hand, zur heutigen Zeit zu derartigen Altersvorsorgeprodukten zu greifen.

Keine Altersvorsorge ist keine Lösung

In dem Wissen, dass sich die Altersvorsorge mit Versicherungen in vielen Fällen unlukrativ darstellt, verzichten zahlreiche Verbraucher vollständig auf Vorsorge. Dieser Weg ist jedoch keine nachhaltige Lösung.

Vielmehr sollten Verbraucher sich vor Augen führen, dass unlukrative Sparverträge, wie sich viele Versicherungsprodukte momentan darstellen, durch lukrativere Sparverträge zu ersetzen sind. So kann die Ansparphase beispielsweise auf klassische Bankprodukte ausgelagert werden. Wer zum Zeitpunkt des Rentenbeginns die Sicherheit einer lebenslangen Rente wünscht und die ratierliche Auszahlung in fremde Hände legen möchte, kann zu diesem Zeitpunkt immer noch auf Versicherungsprodukte, sogenannte Sofortrenten, zurückgreifen.

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