Altersvorsorge: Sie müssen über 100 Jahre alt werden

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Unsere Altersvorsorge ist eng mit Versicherungen verbunden. Sie heißen Riester, Rürup oder betriebliche Altersvorsorge und sind ein Problem. Was mit vollmundigen Versprechen beginnt, endet regelmäßig in einem Desaster. Nicht selten wird uns ein biblisches Alter abverlangt, um zu profitieren.

Altersvorsorge: Sie müssen über 100 Jahre alt werden

Die Altersvorsorge ist zu intransparent

Unsere Eltern und Großeltern hatten es vergleichsweise leicht. Manch einem genügte bereits die gesetzliche Altersvorsorge, um einen annehmbaren Ruhestand zu fristen. War dem jedoch nicht so, wurde mit Hilfe von Lebens- und Rentenversicherungen aufgestockt. Noch vor etwas mehr als zehn Jahren konnte man mit diesen Versicherungen ein gutes Geschäft machen. Attraktiv verzinst, wurde wahlweise einmalig ausgezahlt oder lebenslang verrentet. Ob sich das Angebot lohnt, konnte bereits zum Zeitpunkt des Abschlusses festgestellt werden – die Auszahlung fand nämlich ohne komplizierte Besteuerung statt.

Wer heute nachvollziehen möchte, ob sich seine Riester-Rente lohnt, muss in Sachen Steuerrecht fit sein. Jedoch wird in den seltensten Fällen ein Steuerberater vor dem Abschluss der Altersvorsorge konsultiert. Im Raum stehen meist nur die Zulagen sowie Steuer- oder Sozialabgabenvorteile, die Vertreter von Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben ins Feld führen. Hört man von einer hohen zweistelligen Förderung, stellt man nicht zwangsläufig in Frage, ob diese Form der Altersvorsorge funktioniert. Außerdem wird sich der Staat bei der Einführung dieser Angebote etwas gedacht haben.

Kurz gesagt, kaum jemand kann noch nachvollziehen ob sich die abgeschlossene Altersvorsorge für ihn lohnt oder nicht. Das gute Bauchgefühl begründet sich vielmehr auf Zahlenspiele von Vertretern und Vertrauen gegenüber dem Staat. Vor diesem Hintergrund wirkt die uralte Empfehlung „Schließen Sie nur ab, was Sie auch nachvollziehen können“, wie blanker Hohn.

Ohne Kinder oder Arbeitgeberzuschüsse muss man ziemlich alt werden

Die Altersvorsorge, die uns heute begegnet, funktioniert nicht bedingungslos. Vielmehr handelt es sich um Nischenprodukte. Wer viele Kinder hat und somit der Nische Eltern angehört, kann von der Riester-Rente profitieren. Wer dieser Nische nicht angehört, profitiert im Regelfall nur, wenn er ein Alter von 100 Jahren und älter erreicht. Bei diesem Punkt macht es auch kaum einen Unterschied, ob man einen guten oder schlechten Tarif erwischt hat.

Noch dramatischer kann das Ergebnis bei der betrieblichen Altersvorsorge ausfallen. Wer ohne Arbeitgeberzuschüsse, als Richtgröße gelten mindestens 30 %, auskommen muss, ist auf gute Gene angewiesen. Zuschüsse in dieser Höhe werden jedoch immer seltener. Im Regelfall bedient der Arbeitnehmer seine betriebliche Altersvorsorge heute höchstselbst.

Man kann also von zwei Randgruppen sprechen. Einerseits die Randgruppe der Eltern mit mehreren Kindern, und andererseits diejenigen, deren Arbeitgeber die Altersvorsorge bezuschusst. Wer sich nicht zu einer dieser beiden Gruppen zählt, sollte um Riester und betriebliche Altersvorsorge potenziell einen Bogen machen.

Die Altersvorsorge ist ein Sparvertrag

„Die Altersvorsorge ist eine Versicherung.“ Diese Aussage ist in jeder Form falsch und mitunter sogar folgenschwer. Im Kern handelt es sich bei jeder Form der Altersvorsorge um Sparverträge. In allen Fällen werden regelmäßige Beiträge zu einer immer größer werdenden Summe, der Altersvorsorge. In manchen Fällen wird diese Summe nun um Steuern oder Sozialabgaben gemindert, in wieder anderen kommt man ungeschoren davon.

Exakt dies ist bereits einer von zwei wesentlichen Knackpunkten. Es zählt nämlich nicht, wie viel Altersvorsorge zum Rentenbeginn angespart wurde. Einzig und allein zählt, wie viel nach Steuern oder Sozialabgaben übrig bleibt. Wer sich diese Frage in Eigenregie beantworten möchte, sollte im Regelfall Steuerberater sein.

Noch viel entscheidender ist jedoch der sogenannte Rentenfaktor. Mit ihm arbeiten insbesondere Versicherungen, um die Höhe der auszuzahlenden Renten zu ermitteln. Je älter die Kunden werden, desto länger muss die angesparte Altersvorsorge für die Verrentung herhalten. Kostspielig für Versicherungen wird es dann, wenn die Ersparnisse der Kunden aufgebraucht und das Ende des Lebens noch nicht in Sicht ist. Die im Regelfall lebenslang auszuzahlenden Renten müssen dann aus den Kriegskassen der Versicherung bedient werden. Um sich vor diesem Schreckensszenario zu schützen, hält man sich nicht an die vom Statistischen Bundesamt ermittelte durchschnittliche Lebenserwartung. Versicherungen legen auf diese Werte mitunter über 10 Jahre drauf. Ein Kunde muss dann rund 10 Jahre älter als der eigentliche Durchschnitt werden. Wird er es jedoch nicht, wurde ihm schlicht ein Teil seiner Ersparnisse nicht ausgezahlt. Versicherungen abzuschließen und verrenten zu lassen, ist also nicht mehr oder weniger als eine Spekulation mit der eigenen Lebenserwartung.

Im Ergebnis sollte man sich kritisch mit der Altersvorsorge auseinandersetzen. Im Zweifelsfall sollte eine Entscheidung lieber verschoben als über’s Knie gebrochen werden. Welche Altersvorsorge zu wem passt, hängt von vielen Faktoren ab – wer in dieser Frage nach unabhängiger Unterstützung sucht, sollte beispielsweise eine Verbraucherzentrale in die Planung einbeziehen.

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