Anlagefehler: Ihr Berater berät Sie

Aktien, Aktuell, Anleihen, Edelmetalle, Fonds, Geldanlagen

Geldanlagen sind kompliziert! Mit diesem Glauben wenden sich zahllose Anleger an vermeintliche Experten. Insbesondere Banken und Finanzvertriebe profitieren von dem Umstand, als Berater wahrgenommen zu werden. In der Praxis zeigt sich jedoch: Die wenigsten Berater verdienen es, als Berater bezeichnet zu werden – sie sorgen sogar regelmäßig für beträchtliche Verluste.

Der Unterschied zwischen Verkäufern und Beratern

Nicht jeder Verkäufer ist auch ein Berater. Umgekehrt führen zahlreiche Berater die Bezeichnung Vermittler in ihrer Berufsbezeichnung. Für mangelhafte Trennschärfe sorgt der Gesetzgeber selbst!

Hier eine Übersicht:

Banken – Banken arbeiten zum überwiegenden Teil auf Basis von Provisionen und Rückvergütungen. Auf diese Weise entsteht ein Interessenskonflikt, die Rede müsste also vielmehr von einem Verkaufsgespräch als von einer Beratung sein. Eine der wenigen Ausnahmen bildet die Quirin Bank, die auf Basis eines Honorars frei von Interessenskonflikten berät.

Finanzanlagenvermittler – Finanzanlagenvermittler stellen das Bindeglied zwischen Kunden und Anbietern dar. Den nach § 34f (Gewerbeordnung) registrierten Finanzanlagenvermittler ist es gestattet, Provisionen für die erfolgreiche Vermittlung entgegenzunehmen. In der Praxis berät der überwiegende Teil aller Finanzanlagenvermittler auf Basis dieser Vergütungsform. Im § 34f ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass Provisionen an den Kunden weitergereicht werden und auf Basis eines Honorars beraten wird. So finden sich zahlreiche sogenannte Honorarberater am Markt, die trotz eines eigenen Berufsbilds, dem Honorar-Finanzanlagenberater nach § 34h, als Finanzanlagenvermittler registriert sind. Den Unterschied für Anleger macht daher die Vergütungsform.

Honorar-Finanzanlagenberater – Honorar-Finanzanlagenberater sind nach dem § 34h (Gewerbeordnung) registriert. Das Berufsbild besteht seit August 2014 und soll eine stärkere Abgrenzung zwischen Vermittlern und Beratern ermöglichen. Während der Finanzanlagenvermittler durch die Annahme von Provisionen demselben Interessenskonflikt gegenübersteht wie auch Banken, besteht für Honorar-Finanzanlagenberater ein Annahmeverbot für Provisionen. Sämtliche Provisionen und Rückvergütungen müssen an den Anleger weitergereicht werden, die Vergütung erfolg auf Basis eines Honorars. Die von Honorar-Finanzanlagenberatern veranschlagten Honorare liegen im Durchschnitt zwischen 150,- und 400,- EUR pro Stunde. Was auf den ersten Blick kostspielig anmutet, ist unter dem Strich vielfach dennoch die günstigere Alternative gegenüber einem Finanzanlagenvermittler.

VerbraucherzentralenVerbraucherzentralen stellen eine weitere Alternative zur provisionsgetragenen Beratung durch Banken und Finanzanlagenvermittler dar. Die Beratung basiert, ähnlich wie bei der Beratung durch Honorar-Finanzanlagenberater, auf Basis eines Honorars. Der Hauptunterschied liegt darin, dass Verbraucherzentralen keine konkreten Produkte empfehlen und abschließen. Der Anleger erhält vielmehr eine allgemeine Empfehlung, die anschließend durch den Anleger in Eigenregie umgesetzt werden kann. Ein Beispiel für eine solche Empfehlung kann der Wechsel eines renditeschwachen und kostspieligen Aktienfonds in einen renditestärkeren und kostengünstigeren Indexfonds sein.

Eine Beratung sollte frei von Interessenskonflikten sein! Um diese Maßgabe zu erfüllen, dürfen Provisionen und Rückvergütungen keine Rolle spielen.

Banken und ein Großteil aller Finanzanlagenvermittler können dieses Kriterium nicht erfüllen.

Honorar-Finanzanlagenberater und Verbraucherzentralen hingegen arbeiten ausnahmslos auf Basis eines Honorars. Der Anleger steht jedoch vor der Entscheidung, ob eine Beratung bis zum Abschluss eines konkreten Produkts gewünscht ist oder eine selbstständig umzusetzende Handlungsempfehlung das Ziel darstellt. Erstere Option spricht für die Beauftragung eines Honorar-Finanzanlagenberaters, zweitere für die Beratung innerhalb einer Verbraucherzentrale.

Anlagefehler

Das Statement: Berater sind das Problem, nicht die Lösung!

Mein beruflicher Alltag hat mich bereits früh gelehrt: Wenn von einer Beratung die Rede ist, entspricht das Ergebnis nur selten den Vorstellungen des Anlegers.

Bereits an der Kernfrage scheitern zahllose Angebote. Sie lautet: Wer trägt fortlaufend Sorge für die Entwicklung der Geldanlage? Während Anleger vielfach den Berater in der Pflicht sehen, schieben diese den schwarzen Peter meist einem Fondsmanagement oder Verwalter zu. Die Leistung von diesen Fondsmanagements und Verwaltern steht allerdings seit geraumer Zeit in der Kritik – sie sind keineswegs Garanten für gesteigerte Sicherheit, viel häufiger sind sie der Auslöser für schwache Renditen und hohe Kosten.

Fällt die Arbeit nun auf den Berater zurück? Nein, denn rechtlich sind Berater von Banken ebenso wie Finanzanlagenvermittler kaum angreifbar. Sie sind verpflichtet, Anleger noch vor dem Abschluss über sämtliche Risiken in Kenntnis zu setzen. Festgehalten wird dies im allgegenwärtigen Beratungsprotokoll. Kommen diese Risiken nun zum Tragen, können Banken und Finanzanlagenvermittler sich auf die Inhalte des Beratungsprotokolls berufen. Für Risiken, die im Vorfeld offengelegt wurden, bestehen in den seltensten Fällen Haftungsansprüche. Während der Anleger also mit einem finanziellen Schaden konfrontiert ist, verliert der Berater in der Regel nicht mal seine Provision, sondern „lediglich“ einen Kunden.

Solche Risiken zu minimieren, erfordert Zeit. Wer diese Zeit investiert, ist einer Geldanlage gleichgültig – wichtig ist, dass sie investiert wird. Berater können bzw. wollen diese Zeit im Regelfall nicht investieren. Hintergrund dafür sind mal wieder die Provisionen. Während beim Abschluss lukrative Provisionen und Rückvergütungen locken, wird mit der Beobachtung bestehender Geldanlagen nichts verdient. Dementsprechend tendiert die Motivation gegen Null. Wenn der Anleger jetzt nicht aktiv wird, können insbesondere Wertpapiere ungehindert Schabernack treiben.

Ein schönes Beispiel hierfür ist die Insolvenz zahlreicher ehemals offener Immobilienfonds. Diese offenen Immobilienfonds wurden Anlegern als sichere Renditebringer mit Steuervorteil verkauft. Von einer rechtlichen Problemstellung war vermutlich nie die Rede und auch als sich diese Problemstellung plötzlich zeigte, beließ man den Großteil der Anleger in ihren offenen Immobilienfonds. Es waren insbesondere hochvermögende Anleger, die eine individuelle und engmaschige Beratung genießen und frühzeitig zur Umschichtung angeregt wurden.

Abschließend lässt sich eines sagen: Wenn Sie nicht zu den systemrelevanten Kunden (Kunden, deren Verärgerung man sich nicht leisten kann) Ihrer Berater gehören, sollten Sie Ihre Erwartungshaltung dementsprechend anpassen. Eine Beratung durch Banken und Finanzanlagenvermittler basiert im Regelfall auf Provisionen und Rückvergütungen. Diese werden zum Großteil mit der Vermittlung, nicht aber mit der fortlaufenden Betreuung dieser Geldanlagen verdient. Wer sich eine solche fortlaufende Betreuung wünscht, muss Ausschau nach Alternativen halten – diese Alternativen basieren nicht auf Provisionen und Rückvergütungen, sondern auf Honoraren.

Schreiben Sie einen Kommentar