Anlagefehler: Sie müssen breit streuen

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Es ist eine Binsenweisheit: Sie müssen breit streuen, um Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen. Für Berater von Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben bietet sich damit eine willkommene Argumentationshilfe. Während dem konservativen Anleger mit einem breit gestreuten Fonds Sicherheit suggeriert werden kann, werden risikobereitere Anleger gleich mit mehreren Fonds regelrecht zu Tode gestreut. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einem kapitalen Anlagefehler.

Zwischen Sinn und Unsinn

Fakt ist, streuen ist nicht gleich streuen! Auch sollten weder Berater noch Anleger dem Irrtum zum Opfer fallen, eine breit gestreute Geldanlage bereits als Anlagestrategie zu betrachten.

Drei plakative Beispiele sollen sowohl das Problem als auch die Lösung darstellen:

Ein Anleger sieht großes Potenzial in der deutschen Wirtschaft. Insbesondere den im DAX vertretenen Unternehmen bieten sich attraktive Rahmenbedingungen, um binnen der nächsten zehn Jahre zu wachsen. Fähige Vorstände, innovative Produkte und ein komfortabler Vorsprung gegenüber der Konkurrenz bekräftigen diese Annahme.

#1
Der Anleger ist zwar von dem Potenzial der deutschen Wirtschaft überzeugt, er investiert zusätzlich jedoch in griechische, italienische und spanische Unternehmen. Die Entscheidung, zusätzlich zu deutschen Unternehmen auch in griechische, italienische und spanische Unternehmen zu investieren, beruht auf dem Ansatz, breit zu streuen.

#2
Der Anleger ist und bleibt vom Potenzial der deutschen Wirtschaft überzeugt, weiterhin teilt er diese Überzeugung auch für Polen und investiert in die dortige Wirtschaft.

#3
Der Anleger ist weiterhin vom Potenzial der deutschen Wirtschaft überzeugt, aufgrund weitergehender Recherchen sehen die Rahmenbedingungen für die Unternehmen A, B und C besonders vielversprechend aus. Daher investiert der Anleger in diese drei Unternehmen.

Das erste Beispiel erfüllt zweifelsohne das Ziel, breit gestreut anzulegen. Es erfüllt jedoch ebenso den Tatbestand, neben Deutschland in drei Unbekannte zu investieren. Hierin besteht das größte Risiko von blindem Streuen – denn fehlen die Kriterien, die heute für eine Geldanlage sprechen, fehlt ebenso die Orientierungshilfe auf der standfeste Anlageentscheidungen getroffen werden. In der Praxis orientieren sich Anleger regelmäßig an Standmitteilungen, die ihnen im Jahresrhythmus zugestellt werden. Die Geldanlage wird auf diese Weise jedoch vielmehr zu einem Glücksspiel als zu einem risikoarmen Renditebringer.

Beide darauf folgenden Beispiele arbeiten hingegen mit deutlich mehr Substanz. Die getroffene Anlageentscheidung arbeitet mit Rahmendaten, die heute für die Geldanlage sprechen und zukünftig als Maßstab herhalten. Fallen positive Kriterien, die einstmals für die Geldanlage gesprochen haben, mit der Zeit weg, kann auf dieser Basis entschieden werden, ob die Geldanlage fortgeführt oder beendet wird.

Alle drei Beispiele haben jedoch eines gemeinsam: Es wird gestreut!

Während im ersten Beispiel blind gestreut und auf diese Weise ein hohes Risiko eingegangen wird, streuen die nachfolgenden Beispiele bewusst. Einen wesentlichen Unterschied bildet jedoch die Tiefe. Während im zweiten Beispiel vergleichsweise oberflächlich in die deutsche und polnische Wirtschaft gestreut wird, konzentriert das dritte Beispiel sich auf drei Unternehmen der deutschen Wirtschaft.

Welchen Weg ein Anleger gehen sollte, hängt von einem entscheidenden Faktor ab – wie zeitintensiv darf die Arbeit um eine Geldanlage werden. Hier stellt beispielsweise die oberflächliche Betrachtung eines Wirtschaftsraums eine bedeutend geringere Herausforderung dar als die Beobachtung einzelner Unternehmen. Während in diesem Zusammenhang von einer Geldanlage gesprochen werden muss, ist blindes Streuen vielmehr als reine Spekulation zu bezeichnen.

Anlagefehler

Das Statement: Ein Investor streut bewusst – ein Spekulant streut blind

Betrachtet man eine breit gestreute Geldanlage als Strategie, sind Überraschungen vorprogrammiert. Ob diese Überraschungen positiver oder negativer Natur sind, liegt allerdings nicht in der Hand des Anlegers.

Wer die Zügel seiner Geldanlage hingegen fest in der Hand halten möchte, muss im ersten Schritt seine Anlagementalität ermitteln. Wertpapiere, unabhängig, ob es sich um Anleihen, Fonds oder Aktien handelt, verlangen Anlegern Zeit und Risikobereitschaft ab. Eine konservative Anlagementalität kollidiert jedoch vielfach mit diesen Anforderungen. Durch eine breit gestreute Anlage wird weder der erforderliche Zeitaufwand noch die mitzubringende Risikobereitschaft ausgehebelt. Anleger, die diesen Anforderungen weder gerecht werden können noch gerecht werden wollen, sind in der Regel besser zwischen Tages- und Festgeld aufgehoben – denn die verlockenden Renditen realisiert nur der Anleger, der ihnen gerecht werden kann.

Kann hingegen ein geringer Zeitaufwand, als Richtwert sollten Anleger sich auf zwei bis vier Stunden pro Quartal einstellen, erübrigt werden, kann eine bewusst gestreute Geldanlage die erhofften Renditen Wirklichkeit werden lassen.

In Abhängigkeit von der Tiefe, ob man beispielsweise oberflächlich in einen Wirtschaftsraum oder konzentriert in einzelne Unternehmen investiert, bieten sich die jeweiligen Wertpapiere an. In Vergessenheit sollte dabei nicht geraten, dass jemand, der sich für einen Indexfonds auf den DAX entscheidet, automatisch in alle 30 im DAX notierten Unternehmen investiert und gleichzeitig streut.

Das Ziel sollte sein: Treffen Sie Ihre Anlageentscheidung bewusst! Anleger machen häufig den Fehler, eher nach Anleihen, Fonds und Aktien zu fragen als nach einem Wirtschaftsraum, einer Branche oder einem Unternehmen mit Potenzial.

Möchten Sie nun Risiken eindämmen, tun Sie dies nicht, indem Sie in einen Wirtschaftsraum mit Potenzial und einen beliebigen weiteren Wirtschaftsraum investieren. Auf diese Weise erhöhen Sie nur das Risiko, auf einen Verlustbringer gesetzt zu haben. Streuen Sie daher bewusst und arbeiten Sie einen weiteren Wirtschaftsraum mit Potenzial heraus.

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