Anlagefehler: Verluste sollten Sie aussitzen

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Jeder Anleger, unabhängig, ob er sich für Anleihen, Fonds oder Aktien entschieden hat, wird früher oder später mit Verlusten konfrontiert. Zu der Sorge über die Verluste gesellt sich schnell eine Frage: Wie sollte man sich in dieser Situation verhalten? Ein beliebter Weg ist es, Verluste einfach auszusitzen. Doch der Faktor Zeit spielt nicht zwangsläufig dem Anleger in die Hände.

Es geht gegen die menschliche Natur

Spricht man über Verluste, zucken insbesondere Otto-Normal-Anleger zusammen. Doch so ungern man es auch tut, Anleger sollten sich aktiv mit Verlusten auseinandersetzen.

Zwei Formen von Verlusten sollten vom Anleger unterschieden werden:

Buchverlust – von einem Buchverlust ist die Rede, wenn der Verlustbringer sich noch im Depot des Anlegers befindet. Das Prinzip Hoffnung besagt schließlich: Aus dem heutigen Verlustbringer kann mit etwas Geduld wieder ein Gewinner werden. Auf der anderen Seite kann jedoch ebenso aus einem kleinen Verlierer ein großer Verlierer werden.

Realisierter Verlust – wurde der Verlustbringer verkauft, hat der Anleger den Verlust hingegen realisiert. Für die Zukunft ist damit ausgeschlossen, dass der Verlierer weitere Verluste verursacht, ebenso ist jedoch ausgeschlossen, dass der Verlierer die Verluste in Gewinne verwandelt.

Das Bauchgefühl zahlreicher Anleger lässt sich bedeutend besser mit einem Buchverlust als mit einem realisierten Verlust anfreunden. Das macht den Verlustbringer jedoch zum ständigen Begleiter!

„Anleger tun sich schwer damit, Verluste endgültig werden zu lassen.“

Anleger müssen kalkuliert entscheiden

Einer der berühmtesten Verlustbringer, der gleichzeitig für viele zum ständigen Begleiter wurde, ist die Volksaktie. Die Deutsche Telekom erreichte im März 2000 ihren vorläufigen Höchststand. Anleger, die sich bei den darauf folgenden Kurseinbrüchen dazu entschieden, es bei Buchverlusten zu belassen und an der Aktie festzuhalten, müssen bis heute einen Verlust von über 84 % hinnehmen. Selbst nach Berücksichtigung von Dividenden steht ein Verlust in Höhe von 76 % im Raum.

Zwei entscheidende Faktoren gehören zu einem erfolgreichen Umgang mit Wertpapieren.

Verluste fallen, ebenso wie Gewinne, nicht vom Himmel. Anleger sind daher gut beraten, Verluste frühzeitig zu hinterfragen. Auf die Telekom prasselte beispielsweise ab Mai 2000 ein mediales Dauerfeuer ein. Vom Management bis zu den Konzernzahlen wurde jede einzelne Facette in Frage gestellt – was nicht spurlos an der Aktie vorbeiging.

Der Otto-Normal-Anleger sollte jedoch nicht den Anspruch haben, diese Nachrichtenlage detailliert nachvollziehen zu wollen. Vielmehr sollte er sich auf Basis des Querschnitts die Frage stellen, ob der Tenor grundsätzlich negativ bzw. positiv ist. Dieser Tenor stellt einen wichtigen Faktor bei der Entscheidung eines Anlegers, denn bekanntermaßen steckt in jeder Meldung mindestens ein Fünkchen Wahrheit.

Als zweiten Faktor sollten Anleger mit sogenannten Stop-Loss arbeiten. Was sich kompliziert anhört, stellt in der Praxis einen der einfachsten Wege dar, sich vor Verlusten zu schützen bzw. Gewinne abzusichern.

  • Stop-Loss – mit einem Stop-Loss wird ein Kurs definiert, zu dem ein automatisierter Verkauf stattfindet. So kann sich ein Anleger, der einen Stop-Loss beispielsweise zehn Prozent unterhalb des aktuellen Kurses festsetzt, vor größeren Verlusten schützen bzw. Gewinne absichern.
  • Trailing-Stop-Loss – der Trailing-Stop-Loss geht noch einen Schritt weiter. Auch hier definiert der Anleger einen Kurs, der beispielsweise zehn Prozent unter dem aktuellen Kurs liegt. Fällt nun beispielsweise ein Aktien-Kurs um diese zehn Prozent, findet ebenfalls ein automatisierter Verkauf statt. Auf diese Weise sind Verluste auf die definierten zehn Prozent beschränkt. Doch während der normale Stop-Loss statisch auf dem einmal definierten Kurs verbleibt, kann der Trailing-Stop-Loss in Bewegung kommen. Im Falle steigender Kurse bewegt sich der Trailing-Stop-Loss weiterhin im Abstand der beispielhaften zehn Prozent nach oben. Ein normaler Stop-Loss müsste in diesem Fall neu definiert werden.

Anlagefehler

Das Statement: Wer kleine Verluste zu großen machen möchte, sollte sie aussitzen

Um Verluste bewusst aussitzen zu können, müssen Anleger ein Fundament aus Zeit und Erfahrung mitbringen. Diese Komponenten ermöglichen es, ein detailliertes Urteil über Verluste abgeben zu können. Nur so lässt sich die Frage beantworten, ob Verluste sich weiter vergrößern oder zukünftig in Gewinne verwandeln werden.

Der Otto-Normal-Anleger hat diese Komponenten im Regelfall nicht in ausreichendem Maß im Gepäck. Er ist darauf angewiesen, mit geringem Zeitaufwand und ohne tiefgehende Analyse eine Entscheidung zu treffen.

Aus diesem Grund muss sich der Otto-Normal-Anleger bestimmter Hilfsmittel bedienen. Ein Hilfsmittel ist die bloße Nähe zu seinen Anleihen, Fonds und Aktien. Der Anleger sollte im Minimum wissen, in welchen Regionen, Branchen oder Unternehmen er angelegt ist. So ist er in der Lage, Nachrichten im Hinblick auf die Frage ‚Ist diese Entwicklung im Ergebnis negativ oder positiv?‘ zu bewerten. Darüber hinaus sollte eine technische Absicherung durch Stop-Loss oder Trailing-Stop-Loss ein zusätzliches Netz und doppelten Boden bilden.

Verluste sind nicht das Ziel: Auch Sie werden sich mit dem Ziel, Gewinne zu machen, für Anleihen, Fonds und Aktien entschieden haben. Stellen sich dennoch Verluste ein, gilt es, diesen bewusst zu begegnen.

Viel zu oft werden aus kleinen Verlusten plötzlich große Verluste.

Die Entwicklung von Verlusten voraussagen zu können, ist im Regelfall professionellen Anlegern vorbehalten. Eine solche Voraussage ist jedoch die Voraussetzung, um Verluste im Hinblick auf eine positive Entwicklung aussitzen zu können. Der Otto-Normal-Anleger läuft hingegen Gefahr, bestehende Verluste weiter zu vergrößern. Daher gilt die Devise, im Zweifelsfall besser den Spatz in der Hand zu halten.

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