Anlagetipps im Fernsehen: Viele Experten sind Verkäufer

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Es mutet an wie auf einem Basar. Nahezu täglich treten als Experten gefeierte Interviewpartner vor die Fernsehkameras und sprechen Anlagetipps aus. Diese sind gerade aktuell besonders gefragt, denn das Latein des Otto-Normal-Anlegers ist zwischen Konjunkturdaten aus China und den Entscheidungen der Notenbanken in der Regel schnell am Ende. Nur den wenigsten ist bewusst, dass die vermeintlichen Anlagetipps fast ausnahmslos das Produktportfolio des Interviewpartners bewerben.

Anlagetipps im Fernsehen: Viele Experten sind Verkäufer

Dauerwerbesendungen von: Banken und Fondsgesellschaften

In einem Punkt sind sich Sender und Zuschauer einig. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Expertenmeinungen von Abgesandten der Banken und Fondsgesellschaften. Während private Sender hier auf die Platzierung von Werbung und damit einhergehende Einnahmen hoffen dürfen, versprechen Anleger sich hingegen besonders konkrete Anlagetipps.

Dieses Versprechen kann gehalten werden – bieten doch gerade Banken und Fondsgesellschaften das passende Anlagevehikel für jede Marktlage an.

Was lange Zeit in der unverblümten Empfehlung eines Fonds oder Zertifikats mündete, ist seit einigen Jahren deutlich subtiler geworden. An einem Punkt lassen die als Experten getarnten Verkäufer jedoch weiterhin keinen Zweifel, nämlich wer das richtige Produkt anbietet.

Aufsichtsbehörden schreiten ein: Marktmanipulation und Schleichwerbung

Treten bekannte und beliebte Experten plötzlich nicht mehr vor die Kamera, können Ermittlungen der Aufsichtsbehörden der Grund hierfür sein. Dies führte letztmalig in 2014 zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe – der Vorwurf: Marktmanipulation.

Mit diesem Vorwurf wurden bereits mehrere Experten und frühere Moderatoren konfrontiert. Letztere überlassen inzwischen nahezu ausnahmslos ihren Interviewpartnern die Aussprache von Anlagetipps.

In der Vergangenheit erlag der eine oder andere der Versuchung, die Nachfrage für eine im eigenen Depot schlummernde Aktie zu wecken. Gezielte Anlagetipps in Richtung dieser Aktie konnten nicht nur den Vorwurf der Marktmanipulation, sondern auch beträchtliche Zusatzeinnahmen bedeuten. Inzwischen dürften die Aufsichtsbehörden überwiegend damit beschäftigt sein, die Grenze zwischen Anlagetipps und Schleichwerbung zu definieren.

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