Banken empfehlen verstärkt Fonds und Versicherungen

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Nicht nur der Sparer leidet unter dem anhaltenden Niedrigzinsniveau. Auch viele Banken sehen ihre Gewinne Stück für Stück schrumpfen. Um gegenzusteuern, greift man in eine altbewährte Trickkiste – es werden wieder verstärkt Fonds und Versicherungen empfohlen. Verbraucher sollten derartige Empfehlungen jedoch kritisch hinterfragen.

Banken empfehlen verstärkt Fonds und Versicherungen

Fonds und Versicherungen sollen es richten

Dem einen oder anderen Anleger ist es bereits aufgefallen. Auf die Frage nach der passenden Geldanlage liegen immer häufiger Fonds und Versicherungen auf dem Tisch. Das Feld der konservativen Anlagen scheint man samt und sonders den Direktbanken zu überlassen. Wer nicht vor Telefon- und Online-Banking scheut, ist von der Höhe der gebotenen Zinsen schnell überrascht. Die Konditionen der Direktbanken schlagen die von Sparkasse, Volksbank und Co. regelmäßig um ein Vielfaches.

Als Grund wird nur zu gern das niedrige Zinsniveau vorgeschoben. Diesem niedrigen Zinsniveau sind jedoch auch besagte Direktbanken ausgesetzt.

Es drängt sich daher die Vermutung auf, dass die Zinsen für Tages- und Festgeld derart niedrig gehalten werden, um Fonds und Versicherungen attraktiver erscheinen zu lassen. Auf dieser Seite lässt sich für Banken spielend eine bedeutend höhere Provision einfahren, als mit konservativen Geldanlagen. Der Sinn und Zweck dieser Empfehlungen ist jedenfalls kritisch zu hinterfragen.

Fonds sind kein Garant für attraktive Renditen

Vielleicht haben auch Sie noch die Meldungen der vergangenen Jahre im Hinterkopf. Die Börsen haben in regelmäßigen Abständen neue Höchststände erreicht und Anleger so in wahre Verzückung versetzt. Vor diesem Hintergrund ist man geneigt, die Empfehlung in Richtung Fonds mit ganz anderen Augen zu sehen. Der Blick in Richtung Vergangenheit ist jedoch gefährlich. Ihre Rendite hängt nämlich weniger von der Vergangenheit als vielmehr von der Zukunft ab.

Wenn Sie sich gegenwärtig bereits teuer einkaufen, was momentan sowohl für viele Aktien- aber auch Rentenmärkte gilt, wissen Sie auch, wo die Zukunft hinzugehen hat. Weiterhin steil nach oben! Wie wahrscheinlich eine solche Entwicklung ist, steht jedoch in den Sternen. Fest hingegen steht, dass zahlreiche Brandherde ernstzunehmende Risiken darstellen. Zu diesen Brandherden gehören beispielsweise die Konjunktur Chinas oder auch fiskalpolitische Eingriffe von EZB und FED.

Derartige Risiken stehen aktuell fest an Ihrer Seite. An dieser Tatsache ändert selbst eine breit gestreute Anlage oder ein Fondsmanager nichts.

Sollten Sie also von den niedrigen Zinsen zwischen Tages- und Festgeld enttäuscht sein, sind nicht Fonds die Universallösung! Vielmehr kaufen Sie sich, zu den Risiken niedriger Zinsen, zusätzlich die Risiken der jeweiligen Fonds ein. Der Unterschied ist gravierend. Während niedrige Zinsen Sie gegenüber der Inflation verlieren lassen, können Fonds Sie zusätzlich Teile Ihres Vermögens kosten. Damit beginnen Sie im Regelfall bereits beim Kauf der Fonds. Gebühren, sogenannte Ausgabeaufschläge, schlagen im Regelfall mit Sätzen zwischen 2 % und 5 % zu Buche. Bei einem Anlagebetrag von 10.000,- EUR haben Sie so bereits 200,- EUR bis 500,- EUR verloren, bevor auch nur ein Cent an Rendite geflossen ist. Exakt diese Ausgabeaufschläge sind jedoch für Banken hochattraktiv, sie werden nahezu vollständig als Provision weitergeleitet.

Nebenbei sei gesagt, dass die gefürchtete Inflation momentan lediglich 0,28 % beträgt. Selbst schlechtere Direktbankangebote katapultieren Sie bereits spielend über diese Messlatte.

Auch Versicherungen haben ihre Tücken

Die Lebens- oder Rentenversicherung galt bereits als tot. Zu hohe Kosten stehen heute viel zu niedrigen Zinsen gegenüber. Dennoch werden sie seit einiger Zeit wieder verstärkt empfohlen. Adressat sind Anleger, die eine Alternative zu Tages- und Festgeld suchen, aber die Risiken von Fonds scheuen.

Umworben werden Sie dabei mit augenscheinlich hohen Garantiezinsen und vielversprechenden Prognosen. Zuletzt wurde besagter Garantiezins zu Beginn letzten Jahres gesenkt. Nun liegt er bei 1,25 %, was sich jedoch alles andere als schlecht anhört. Doch dieser Garantiezins wird nie bei Ihnen ankommen! Es handelt sich nämlich vielmehr um einen Vor-Kosten-Zinssatz, der auf dem Weg zu Ihnen noch um Abschluss- und Verwaltungskosten gemindert wird. So bleiben am Ende weit weniger als die in Aussicht gestellten 1,25 %.

Auch hohe Prognosen, sogenannte Überschüsse, lassen Anleger regelmäßig schwach werden. Zinsen zwischen 3 % und 4 % finden sich in vielen Angeboten. Fakt ist jedoch, dass auch Versicherungen zu Zeiten einer Niedrigzinsphase keine hohen Zinsen zaubern können. Die beworbenen Überschüsse befinden sich seit Jahren im Sinkflug. Über die Laufzeit von zwölf Jahren, die Anlegern beim Abschluss gern abverlangt werden, sollte der Blick weg von unverbindlichen Prognosen hin zu Garantien gehen. Die hier ausgewiesenen Werte lassen den Abschluss jedoch schnell unattraktiv werden.

Zusätzlich sollten Sie auch einen Blick auf die Rückkaufswerte werfen. An ihnen können Sie ablesen, welche Summe Sie im Rahmen einer Kündigung ausgezahlt bekommen. Wundern Sie sich jedoch nicht, wenn innerhalb der ersten fünf bis sieben Jahre weniger aus- als einbezahlt wird. Die gesamten Kosten einer Versicherung werden auf die ersten Jahre verteilt und sorgen so für ein Minus. Wie Sie sich denken können, ist auch hier Ihr Minus größtenteils das Plus Ihrer Bank.

Noch dicker kann dieses Minus werden, wenn am Ende das Finanzamt zuschlägt. Die beworbenen Steuervorteile entwickeln sich nämlich allzu schnell zu handfesten Nachteilen. Sollte Ihr Sparerfreibetrag, 801,- EUR pro Jahr, noch nicht vollständig ausgeschöpft sein, erzeugt eine Versicherung für Sie keinerlei steuerlichen Vorteil. Doch selbst im Falle eines ausgeschöpften Sparerfreibetrags kann der überschaubare Steuervorteil vielfach nicht die Nachteile einer Versicherung aufwiegen. Hier gilt es mit spitzem Bleistift zu vergleichen.

Über die Grenzen der eigenen Hausbank hinweg vergleichen

Wir Deutschen sind versierter im Autokauf als im Umgang mit unseren Finanzen. Wir vergleichen, verhandeln und treffen selbstbewusste Entscheidung, wenn es ums Auto geht. In Sachen Finanzen halten wir unserer Hausbank die Treue und vertrauen vielfach blind auf deren Empfehlungen.

Wenn Sie künftig ein wenig vom Autokauf mit Ihren Finanzen kombinieren, können zweit- oder drittklassige Abschlüsse nahezu verhindert werden. Es heißt also:

  • Vergleichen!
  • Verhandeln!
  • Selbstbewusste Entscheidungen treffen!

Lassen Sie sich nicht zu schnell entmutigen, wenn eine Bank nicht das gewünschte Angebot im Programm hat. Zu Zeiten des Internets ist es leicht, den passenden Anbieter ausfindig zu machen.

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