Banken: Negativzinsen durch Gebühren umgangen

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Während Privat- und Volksbanken den Negativzins aus ihrem Vokabular weitestgehend verbannt haben, diskutieren Sparkassen ihn bereits offen. Verbraucher reagieren jedoch erwartungsgemäß sensibel, weshalb die konkrete Einführung eines solchen Strafzinses bislang ausblieb. Dennoch beteiligt die Vielzahl der Banken ihre Kunden bereits heute am gegenwärtigen Niedrigzinsniveau. Als probate Stellschraube dienen hierfür abermals Kosten und Gebühren.

Banken: Negativzinsen durch Gebühren umgangen
Banken und Sparkassen drehen derzeit an der Gebührenschraube.

Geschäftskonzept lahmt

Sparkassen und Volksbanken sicherten sich einst die größten Marktanteile im Privatkundengeschäft. Mit weitem Vorsprung rangierten sie vor Mitbewerbern wie der Commerzbank und Deutschen Bank. An dieser Tatsache hat sich auch heute wenig geändert, Marktanteile müssten sich jedoch in erheblichem Maße einbüßen.

Insbesondere die Digitalisierung entwickelte sich für Sparkassen und Volksbanken mehr als alles andere zum Risiko als zur erwarteten Chance. Auf diesem Feld konnten insbesondere Direktbanken punkten und wichtigen Boden auf die alteingesessene Bankenlandschaft gut machen. Sie können, infolge geringster Kosten, die attraktiven Angebote schnüren, die Kunden bei ihren Hausbanken zu langen vermissten. Die geringe Kostenstruktur von Direktbanken sorgt auch heute für einen immer größer werdenden Vorsprung. Diese Tatsache ermöglicht es mehr als alles andere, im Umfeld niedrigster Zinsen bestehen zu können.

Demgegenüber sind klassische Banken gezwungen, sich massenhaft von Filialen und Mitarbeitern zu trennen um wieder konkurrenzfähig zu werden. Das insbesondere Sparkassen und Volksbanken damit eines ihrer letzten Alleinstellungsmerkmale aufgeben, wird bislang billigend in Kauf genommen. In der Übergangsphase gilt es vielerorts Schadensbegrenzung zu betreiben. Das belastende Zinsumfeld drückt ebenso wie die mehr und mehr erstarkende Konkurrenz auf das Tagesgeschäft. Als Zeichen gegen die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, kurz EZB, wünschen sich viele Branchenvertreter insgeheim den Schritt zu flächendeckenden Negativzinsen.

Gebühren statt Negativzinsen

Trotz eines naturgegebenen Talents, ließe sich die Einführung eines Negativzinses wohl nur kaum an Kunden verkaufen. Diese könnten massenhaft an Direktbanken abwandern, was künftiges Geldanlagegeschäft erheblich erschweren würde, so die Befürchtungen der Branche.

Um diesen Umstand zumindest teilweise zu kompensieren, greifen immer mehr Institute auf altbewährte Stellschrauben zurück. Sie erhöhen mitunter kräftig die Gebühren für Girokonten, den Zahlungsverkehr oder andere Serviceleistungen.

Am offensichtlichsten sind derartige Gebührenerhöhungen beim Girokonto. Der Verbraucher wird regelmäßig, meist monatlich oder quartalsweise, mit der Kontoabrechnung auf den gestiegenen Preis aufmerksam gemacht. Doch es lohnt sich genauer hinzuschauen, nicht immer ist es das Girokonto selbst, was zur Preissteigerung führt. Vielfach sind es einzelne Positionen, die zum wesentlichen Teil am Ergebnis beitragen. Während sich viele Verbraucher bereits an Gebühren für beleghafte Überweisungen gewöhnt haben, müssen momentan viele Verbraucher feststellen, dass diese auch am Überweisungsterminal oder beim Online-Banking bepreist werden. So können sich, wenn Verbraucher zu mehreren Überweisungsaufträgen pro Monat gezwungen sind, bereits mehrere Euro an Mehrkosten aufsummieren.

Doch auch die Gebühren für die immer beliebter werdende Kreditkarte steigen vielerorts. Während Kreditkarten lange Jahre ein einträgliches Geschäft für Banken darstellte, verdienten sie doch an ihren Gebühren mit, müssen heute Kunden tiefer in die Tasche greifen. Hintergrund hierfür ist jedoch weniger das vorherrschende Zinstief sondern vielmehr eine flächendeckende Begrenzung die einst hohen Gebühren. Diese gehen Banken und Sparkassen heute durch die Lappen.

Gebührenpolitik der Hausbank beobachten

Verbraucher sind gut beraten, die Gebührenpolitik der Hausbank zu beobachten. Nur so können vereinzelte Preisanhebungen, die allesamt und in Summe zum kostspieligen Endergebnis führen, bewertet werden.

Um Kosten nachträglich zu senken, ist es nicht zwingend nötig, die Hausbank zu wechseln. Vielfach empfiehlt sich eine Gegenüberstellung der einzelnen Kontenmodelle. Verbraucher die ihr Girokonto den eigenen Bedürfnissen anspassen, haben im Regelfall hohes Einsparpotenzial. Der Weg zum kostenlosen Girokonto ist hingegen deutlich schwerer geworden. Es führt im Regelfall auf Direktbanken zu, deren Angebot meist nur für jene geeignet ist, die größtenteils bargeldlos agieren. Auch die Kreditkarte kann und sollte verglichen werden, wenn sie hohe laufende Gebühren verursacht.

Doch nicht alle Gebühren sind überhaupt statthaft. So ist beispielsweise die Ausstellung einer Ersatzkarte obligatorisch, wie unlängst der BGH entschied. Sollten Verbraucher skeptisch bei einer erhobenen Gebühr sein, sollte auf eine Verbraucherzentrale beziehungsweise den Ombudsmann zugegangen werden.

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