Bankkaufleute: Eine aussterbende Spezies?

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Die Zeiten, in denen Bankkaufleute höchstes Ansehen genossen, sind längst vorbei. Unzählige Bankenskandale und -krisen habe ihre Spuren hinterlassen. Heute rangiert der Berufsstand am unteren Ende der Beliebtheitsskala nahe Politikern und Versicherungsvertretern. Nun müssen zahlreiche Angestellte sogar um ihre sicher geglaubten Stellen bangen.

Bankkaufleute: Eine aussterbende Spezies?
Viele Bankangestellte müssen um ihre sicher geglaubten Stellen bangen. Die voranschreitende Digitalisierung kostet zahllose Stellen.

Eine Branche im Umbruch

Banken und Sparkassen klagen im Einklang über das anhaltende Niedrigzinsniveau. Als Schuldiger wird die Europäische Zentralbank, kurz EZB, samt ihrer Geldpolitik ausgemacht. Sie erschwert es der Bankenlandschaft laut eigener Aussage, wirtschaftlich das eigentliche Kerngeschäft zu verfolgen.

Die Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Abgesehen von Einzelfällen, agiert die Branche alles andere als unwirtschaftlich. Viele Vertreter, so belegen die Bilanzen der Geldhäuser, konnten ihre Zinserträge in den vergangenen Jahren sogar steigern. Ein negativer Effekt der Niedrigzinsphase scheint vielerorts also auszubleiben, zumindest unter Banken und Sparkassen. Die Kundschaft leidet sehr wohl. Ihr werden seit Jahren fallende oder gar ausbleibende Zinsen für Ersparnisse und die Altersvorsorge verkauft, mit auf den ersten Blick schlüssigen Argumenten. Nur wenige Verbraucher verirren sich in die Bilanzen ihrer Hausbanken und können die zumeist populistischen Aussagen der Bankenlobby enttarnen. Auf diese Weise wurde die vergangenen Jahre auch die Schließung zahlreicher Filialen argumentiert. Die Gewinnmaximierungsstrategie, die sich nicht nur innerhalb der Finanzwirtschaft unlängst zum guten Ton entwickelt hat, dünnt das bestehende Filialnetz bundesweit im hohen dreistelligen Bereich aus.

Viele Institute werden so dem selbst auferlegten oder gar gesetzlich verankerten Prinzip der Kundennähe längst nicht mehr gerecht. Insbesondere in ländlichen Gegenden müssen Kunden mitunter durch mehrere Ortschaften reisen, um sich mit Bargeld zu versorgen. Mit den Filialen gehen auch mehr und mehr Stellen verloren. Dies bekommen die zahlreichen Angestellten der Banken und Sparkassen nun zu spüren. Sie gehören im Regelfall zur größten Kostenposition des Wirtschaftszweigs.

Digitalisierung benötigt weniger Personal

Ein handfester Stellenabbau findet sich daher auf der Agenda vieler Institute. In diesem Punkt sind Banken und Sparkassen sich vielfach einig, einzig die Durchführung eines solchen Stellenabbaus bleibt Glaubenssache. Während Privatbanken vielfach auf das bewährte Kündigungsschreiben setzen, wählen Volksbanken und Sparkassen zumeist sozialverträglichere Wege.

In die Hände spielt ihnen dabei die Tatsache, dass das Interesse am Ausbildungsplatz erheblich verloren hat und es immer mehr Schulabgänger in die Universitäten zieht. Doch künftige Renteneintritte drüften den kalkulierten Mitarbeiterüberhang mittel- bis langfristig nicht allein kompensieren. Die in dieser Branche voranschreitende Digitalisierung erübrigt erheblich mehr Stellen, als sich in den kommenden Jahren Bankkaufleute in den Ruhestand verabschieden. Es bleibt daher zu erwarten, dass die Mitarbeiter dieser Branche sich zunehmend auf flächendeckende Kündigungen einstellen müssen. Damit verliert ein weiterer Berufsstand das ihm anhanftende Prädikat eines sicheren Arbeitsplatzes.

Verbraucher müssen sich mehr und mehr darauf einstellen, beim heutigen Standardgeschäft der Banken mit Automaten und Computern vorlieb zu nehmen. Dies ist bereits heute rund um das Girokonto deutlich spürbar. Was sich früher zwischen Schalterkraft und Kassierer abspielte, rückte unlängst in Richtung von Geldautomaten und Überweisungsterminals. Mit stärkerer Akzeptanz von bargeldlosen Zahlungsoptionen dürfte jedoch selbst diese Technik in der Fläche zurückgehen.

Bereits heute gehen einzelne Unternehmen noch einen großen Schritt weiter. Sie digitalisieren die Geldanlage und das Versicherungsgeschäft, was künftig auch auf die Bankenlandschaft übergreifen dürfte. Spätestens an diesem Punkt werden Bankkaufleute, wie wir sie heute kennen, zu einer aussterbenden Spezies.

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