Bargeld: Abschaffung in vollem Gange

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Bargeld bedeutet Sicherheit. Aus diesem Grund halten Verbraucher, insbesondere die Deutschen, an Scheinen und Münzen fest. Öffentliche Diskussionen, Bargeld einzuschränken oder gar abzuschaffen, stoßen dementsprechend auf massive Gegenwehr. Doch die Tage des Bargelds scheinen gezählt, die Abschaffung in vollem Gange.

Bargeld: Abschaffung in vollem Gange
Die Finanzbranche ebnet den Weg in eine bargeldlose Welt.

Banken setzten auf Automaten

Mit der Idee, Bargeldzahlungen auf 5.000,- EUR zu begrenzen, wagte das Bundesfinanzministerium einen ersten Vorstoß. Im Zuge der Terroranschläge, die Paris im November vergangenen Jahres trafen, schien eine schlüssige Erklärung parat. Doch trotz größtmöglicher Betroffenheit, stand dieser Vorschlag vor jeder Menge Kritik. Insbesondere der Verbraucherschutz sieht im Bargeld gelebten Datenschutz. Jeder elektronische Bezahlvorgang hinterlässt eine Datenspur, so Klaus Müller. Der derzeitige Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband weist auf Bargeld als einzige Zahlungsart ohne derartige Risiken hin.

Neben Müller besetzt auch der Großteil der Deutschen diesen Standpunkt. So ist es nicht verwunderlich, dass es zwischenzeitlich wieder ruhig um die sogenannte Bargeldobergrenze geworden ist. Hauptgrund hierfür dürfte jedoch sein, dass gesetzliche Rahmenbedingungen alles andere als notwendig sind. Denn mit der Finanzbranche kann sich die Regierungen eines Gleichgesinnten gewiss sein.

Banken sehen im Bargeld, trotz steigender Gebühren, einen erheblichen Verwaltungs- und Kostenaufwand. Sämtliche Beschränkungen, die diesen Aufwand mindern, sind dementsprechend gern gesehen. Bereits in der Vergangenheit übte man mehr oder weniger sanften Druck auf Kunden aus. Er entstand, als zahlreiche Kassen durch sogenannte Kassenterminals ersetzt wurden. Größere Bargeldbeträge mussten seither angemeldet oder zumindest eine zeitliche Verzögerung in Kauf genommen werden. Naheliegend den Kunden auf bargeldlose Optionen hinzuweisen. Diese wurden vielerorts insbesondere in Folge von Filialschließungen dann alternativlos. Viele Verbraucher wichen in diesem Zuge auf Telefon- und Online-Banking aus.

Banken und Einzelhandel arbeiten zunehmend bargeldlos

Neben Banken verzichtet auch der Einzelhandel zunehmend auf Bargeld. Eine Deckelung der Servicegebühren, für Zahlungen mit Bank- und Kreditkarten, macht es möglich. Denn auch für den Handel ist Bargeld mit Aufwand verbunden.

Vorreiter ist Skandinavien. In Schweden und Dänemark ist Bargeld zu einem seltenen Anblick geworden. Selbst der Straßenverkauf, in dem es im Regelfall um Kleinstbeträge geht, ist mit Kartenlesegeräten ausgestattet. Cafés und Restaurants lehnen Zahlungen mit Scheinen und Münzen teils ab. Umfragen innerhalb der Bevölkerung zeichnen ein bargeldloses Dasein in 15 bis 20 Jahren. Datenschutzbedenken sehe viele der Schweden und Dänen nicht. Diese stehen in Skandinavien traditionell hinter der Neugier gegenüber technischem Fortschritt. So stammen aus dem hohen Norden zahlreiche Innovationen rund ums bargelose Bezahlen. Ob dies die Hauptmotivation ist, muss jedoch bezweifelt werden.

Jeder Schwede muss durchschnittlich mehr als 20 Kilometer zu einer Bank zurücklegen. Geschuldet ist dies einer geringen Bevölerungsdichte innerhalb eines großen Landes. Dies hat die Nutzung von Karten, Telefon- und Online-Banking jedoch massiv begünstigt.

Exakt dieser Faktor könnte auch in Deutschland zur bitteren Realität werden. Insbesondere in ländlichen Regionen müssen Verbraucher mitunter in Nachbarstädte reisen, um ihre Geldgeschäfte zu erledigen. Je mehr die Bargeldversorgung erschwert wird, desto eher arrangieren sich Verbraucher mit Alternativen. Jüngst erklärte die Postbank, selbst in Ballungsräumen die Zahl der Zweigestellen zu reduzieren und Mitarbeiter durch Automaten zu ersetzen. Diese Entwicklung steht stellvertretend für eine ganze Branche und zeigt eine klare Tendenz – weg vom Bargeld.

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