Baufinanzierung: Einsparpotenzial dank Sonderkündigungsrecht

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Immobilienbesitzer, die ihre vier Wände finanzieren, profitieren vom gegenwärtigen Niedrigzinsniveau. Voraussetzung hierfür ist jedoch, Angebote mit entsprechend niedrigen Zinsen auch nutzen zu können. Eine Zinsfestschreibung, die Verbraucher an eine laufende Finanzierung bindet oder alternativ mit einer kostspieligen Vorfälligkeitsentschädigung konfrontiert, vereitelt dies regelmäßig. Ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht ermöglicht jedoch den vorzeitigen Ausstieg ohne eine solche Vorfälligkeitsentschädigung.

Baufinanzierung: Einsparpotenzial dank Sonderkündigungsrecht
§ 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB ermöglicht die Sonderkündigung einer Baufinanzierung. Eine Vorfälligkeitsentschädigung entfällt.

Großes Einsparpotenzial dank Niedrigzinsniveau

Bereits im April 2006 konnten sich angehende Immobilienbesitzer glücklich schätzen. Sie wurde durchschnittlich mit 4,45 % für eine Baufinanzierung mit 10jähriger Zinsfestschreibung konfrontiert, so eine Statistik der Deutschen Bundesbank. Schon damals galt das Zinsniveau als niedrig.

Heute zahlen Verbraucher durchschnittlich 1,79 % bei vergleichbaren vertraglichen Bedingungen. Dieser Umstand weckt Begehrlichkeiten. So möchten zahlreiche Immobilienbesitzer ihre laufenden und teureren Baufinanzierungen umschichten. Einer Anschlussfinanzierung zum gegenwärtig niedrigen Zinsniveau steht jedoch vielfach die Zinsfestschreibung im Wege. Eine Kündigung innerhalb dieser Zinsfestschreibung, um zu attraktiveren Konditionen neu abschließen zu können, ist regelmäßig mit einer Vorfälligkeitsentschädigung verbunden. Verbraucher gelten mit einer solchen Vorfälligkeitsentschädigung den Zinsausfall ihres Kreditgebers ab, was je nach Restschuld, Zinssatz und übriger Laufzeit eine hohe fünfstellige Summen bedeuten kann.

Demgegenüber steht jedoch großes Einsparpotenzial. Der Grund hierfür sind Zins und Tilgung, beide Faktoren gemeinsam ergeben die Rate. Bei geringerem Zins bleibt Verbrauchern mehr Spielraum für die Tilgung. Sie schlägt sich nicht nur in geringeren Gesamtzinskosten nieder sondern verkürzt zudem die Laufzeit der Baufinanzierung.

2006

2016

Kreditsumme: 200.000,- EUR Kreditsumme: 200.000,- EUR
Rate: 1.000,- EUR Rate: 1.000,- EUR
Zins: 4,45 % Zins: 1,79 %
Tilgung: 2,50 % Tilgung: 5,16 %
Gesamtlaufzeit: 23 Jahre Gesamtlaufzeit: 16 Jahre
Gesamtzinsen: 119.960,- EUR Gesamtzinsen: 31.430,- EUR

Differenz: 7 Jahre und 88.530,- EUR

Sonderkündigungsrecht ist gesetzlich geregelt

Bereits in den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Baufinanzierungen vorzeitig und ohne Berechnung einer Vorfälligkeitsentschädigung beendet. Der Grund hierfür waren Formfehler innerhalb der Widerrufsbelehrung. Doch den sogenannten Widerrufsjoker konnten längst nicht alle Verbraucher für sich nutzen. Betroffene, die jetzt noch von dieser Option profitieren wollen, müssen sich beeilen. Ein neues Gesetz soll ab 21.06.2016 verhindern, dass Baufinanzierungen noch Jahre später und in Folge fehlerhafter Widerrufsbelehrungen rückabgewickelt werden können.

Eine weitere Möglichkeit, kostspielige Baufinanzierungen vorzeitig und ohne Berechnung einer Vorfälligkeitsentschädigung zu beenden, besteht hingegen ohne zeitliche Einschränkung. Das Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB.

Der § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB ermöglicht Verbrauchern, nach Ablauf von 10 Jahren und Einhaltung einer Kündigungsfrist von 6 Monaten, eine laufende Baufinanzierung zu kündigen. Bei Einhaltung dieser Fristen darf dem Verbraucher keine Vorfälligkeitsentschädigung berechnet werden. Die 10jährige Frist beginnt hierbei zu laufen, wenn die Baufinanzierung vollständig ausgezahlt wurde. Diesen Umstand gilt es insbesondere dann zu berücksichtigen, wenn im Rahmen eines Neubaus mehrere Teilbeträge zur Auszahlung kamen. Hier ist die letzte Teilauszahlung zu ermitteln. Ab diesem Zeitpunkt kann dann die Kündigung, bei der es eine Frist von 6 Monaten einzuhalten gilt, ausgesprochen werden.

Die Anschlussfinanzierung kann dann entweder über den bisherigen oder auch einen neuen Kreditgeber stattfinden. Profitieren von diesem Sonderkündigungsrecht können jedoch nur Immobilienbesitzer, deren Finanzierung mit mehr als 10 Jahren Zinsfestschreibung ausgestattet ist und wo die vollständige Auszahlung mindestens 10 Jahre in der Vergangenheit liegt.

Hilfreicher Link: § 489 BGB

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