Baufinanzierung: Widerrufsjoker läuft weiter

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Der sogenannte Widerrufsjoker ermöglichte es zahlreichen Immobilienbesitzern, sich vorzeitig von ihrer Baufinanzierung zu trennen. Anstatt der üblichen Vorfälligkeitsentschädigung konnten Verbraucher vielfach sogar Rückerstattungen von ihrem Kreditgeber fordern. Die Grundlage, auf Basis einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung noch Jahre später eine bereits ausgezahlte Baufinanzierung rückabzuwickeln, wurde jedoch nachträglich vom Gesetzgeber befristet. Diese Frist ist für einige Baufinanzierungen jedoch unerheblich. Viele Verbraucher können daher weiter von Widerrufsoptionen profitieren.

Baufinanzierung: Widerrufsjoker läuft weiter
Das offizielle Ende des Widerrufsjokers betrifft nicht alle Baufinanzierungen.

Gesetzgeber beschneidet Widerrufsrecht

Der Abschluss einer Baufinanzierung sollte gewissenhaft geplant werden. Verbraucher binden sich meist über etliche Jahre an ihre Verträge. Die sogenannte Zinsfestschreibung ermöglicht es sowohl Verbrauchern als auch Banken, über einen fixen Zeitraum zu planen. Während dieser Phase können Banken sich eines Zinsertrags und Verbraucher sich einer gleichbleibenden Zinsbelastung gewiss sein.

Verbraucher, die innerhalb der Zinsfestschreibung ihren Kredit vollständig oder teilweise ablösen wollen, werden regelmäßig mit einer Vorfälligkeitsentschädigung konfrontiert. Diese Strafzahlung verlangen Banken, um sich für den entgangenen Zinsertrag zu entschädigen. So entstehen, je nach Kreditsumme und Restlaufzeit, schnell etliche tausend Euro an Kosten. Diese Kosten waren schlagartig hinfällig, war die Baufinanzierung mit einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung ausgestattet. In diesem Fall konnten Verbraucher noch Jahre nach Abschluss und Auszahlung widerrufen. Zusätzlich zur gesparten Vorfälligkeitsentschädigung konnten Betroffene auf Rückerstattungen seitens ihres Kreditgebers hoffen. Doch was für den Verbraucher zum Vorteil war, stellte die Branche vor erhebliche Kosten.

Eine Reaktion erfolgte prompt. So beschloss der Gesetzgeber, den sogenannten Widerrufsjoker zeitlich zu befristen. Zwischen dem 01.09.2002 und dem 10.06.2010 abgeschlossene Baufinanzierungen, die eine falsche Widerrufsbelehrung enthalten, mussten nun bis zum 21.06.2016 widerrufen werden. Anschließend können Verbraucher, auch trotz fehlerhafter Widerrufsbelehrung, ihre Rechte nicht mehr geltend machen.

Rechte aus Neuverträge bleiben erhalten

Doch auch nach Juni 2010 geschlossene Verträge sind teils mit fehlerhaften Widerrufsbelehrungen ausgesetattet. In diesen Fällen bleiben die Rechte der Verbraucher bislang erhalten.

Betroffen sind sowohl zahlreiche Verträge von Privat- und Direktbanken, allerdings auch Baufinanzierungen von Sparkassen und Volksbanken. Dreh- und Angelpunkt sind die sogenannten Pflichtangaben nach § 492 Abs. 2 BGB. Fehlen einzelne bzw. mehrere der gesetzlich vorgesehenen Pflichtangaben, ist eine laufende Baufinanzierung im Regelfall angreifbar. Verbraucher haben dann gute Chancen, den laufenden Vertrag ohne Vorfälligkeitsentschädigung zu beenden. Durch eine solche Rückabwicklung sparen Verbraucher jedoch nicht nur die üblicherweise anfallende Vorfälligkeitsentschädigung, zusätzlich erhalten sie einen Teil der bereits geleisteten Zinsen rückerstattet.

Die Prüfung, ob ein Vertrag auf diese Weise angreifbar ist, gehört jedoch in sachkundige Hände. Einzelne Rechtsanwälte und Verbraucherzentralen gelten als geeignete Ansprechpartner. Kommen die vorgenannten Stellen zu dem Ergebnis, dass ein Widerruf durchsetzbar ist, gilt es jedoch die Restschuld zu finanzieren. Diese wird im Fall des Widerrufs schlagartig fällig. Kann diese nicht aus vorhandenen Rücklagen beglichen werden, muss eine entsprechende Anschlussfinanzierung vorbereitet werden.

In diesem Fall sparen Vebraucher nicht nur die kostspielige Vorfälligkeitsentschädigung. Sie profitieren zusätzlich vor einer anteiligen Zinsrückerstattung und dem gegenwärtig niedrigen Zinsniveau für Anschlussfinanzierungen.

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