Betriebliche Altersvorsorge: Förderung für Geringverdiener

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Nicht immer ist harte Arbeit auch die Garantie für einen auskömmlichen Verdienst. Fehlt heute bereits das Einkommen, um privat für das Alters vorzusorgen, droht Altersarmut. Von dieser Abwärtsspirale sind insbesondere Geringverdiener betroffen. Aus diesem Grund plant Wolfgang Schäuble einen Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge für niedrige Einkommensschichten.

Betriebliche Altersvorsorge: Förderung für Geringverdiener
Pläne des Bundesfinanzminister sehen Förderung auf Augenhöhe der Riester-Rente vor.

Kritik an Riester und Co. reißt nicht ab

Es besteht akuter Handlungsbedarf. Das Vertrauen in Riester-, Rürup-Rente und betriebliche Altersvorsorge befindet sich auf einem Tiefstpunkt. Zu undruchsichtig, zu teuer und zu wenig Rente für die heutigen Beiträge, lauten die Kritikpunkte.

Die Vorschläge aus Politik und der Finanzbranche überschlagen sich. Während einerseits von einer staatlich organisierten Altersvorsorge die Rede ist, will die andere Seite bestehende Produkte verbessern und stärken. Letzteres scheint auch Wolfgang Schäuble, amtierender Bundesfinanzminister, zu präferieren. Er möchte insbesondere Geringverdiener fördern. Wie mehrere Magazine übereinstimmend berichteten, ist eine Förderung analog der Riester-Rente angedacht. So sollen Geringverdiener, die zwischen 400,- und 450,- EUR jährlich sparen, einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 154,- EUR erhalten. Erhalten sollen diese Förderung Verbraucher, deren jährliches Brutto-Einkommen 18.000,- EUR nicht übersteigt.

Pläne könnten erhebliche Verluste für Geringverdiener bedeuten

Damit die Pläne des Bundesfinanzministers funktionierten, wären jedoch weitere Änderungen nötig. Andernfalls drohe Geringverdienern sogar ein Totalverlust.

Wer langfristig rund 1.500,- EUR brutto verdient, ist akut von Grundsicherung bedroht. Zu erwarten ist eine Brutto-Rente (Deutsche Rentenversicherung) in Höhe von rund 650,- EUR. Netto blieben hiervon 580,- EUR übrig. Geringverdiener, die das geplante Modell über 30 Jahre besparen, könnten etwa 145,- EUR zusätzlicher Brutto-Rente erwarten. Dies entspräche nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen 120,- EUR. Aus 580,- EUR der Deutschen Rentenversicherung und 120,- EUR der betrieblichen Altersvorsorge ergäbe sich eine Summe von 700,- EUR monatlicher Netto-Rente.

Damit lägen Geringverdiener jedoch weiterhin unterhalb der Grenze für Grundsicherung. Diese sieht, unabhängig ob eine betriebliche Altesrvorsorge bespart wurde, rund 860,- EUR vor. Wer auf eine betriebliche Altersvorsorge verzichtet, erhält so 580,- EUR der Deutschen Rentenversicherung, die um 280,- EUR auf besagte 860,- EUR aufgestockt werden würden. Wer hingegen auf eine betriebliche Altersvorsorge setzt, erhält 700,- EUR, die lediglich um 160,- EUR auf 860,- EUR aufgestockt werden würden. So wird offensichtlich, dass durch die gegenwärtigen Pläne Wolfgang Schäubles kein Mehrwert für Geringverdiener geschaffen wäre – durch den heutigen Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge sogar eine finanzielle Zusatzbelastung entstünde.

Um auf eine Rente oberhalb des Grundsicherungsniveaus hinzuarbeiten, müsste ein Verbraucher durchschnittlich über 2.200,- EUR Brutto-Einkommen verdienen. Um als Geringverdiener, mit einem niedrigeren Einkommen, von der geplanten Förderung zu profitieren dürfte die Rente der betrieblichen Altersvorsorge nicht auf den Grundsicherungsanspruch angerechnet werden. Hierzu müsste jedoch erst geltendes Recht angepasst werden.

Es bleibt daher weiterhin abzuwarten, welche Lösung schlussendlich den Weg in die Praxis finden wird und ob sich diese Lösung dann auch für den Verbraucher rechnen wird.

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