Betriebliche Altersvorsorge: Über 50 % Abgaben auf Auszahlung

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Um für ihr Alter vorzusorgen, setzen zahlreiche Arbeitnehmer auf die betriebliche Altersvorsorge. Mit Hilfe staatlicher Förderung sollen etwaige Rentenlücken besonders effektiv geschlossen werden. Doch nur wenigen ist bekannt, dass der heutigen Förderung hohe Abgaben zum Zeitpunkt der Auszahlung gegenüberstehen. Kranken-, Pflegeversicherungsbeiträge und Steuern können diese Auszahlung mehr als halbieren.

Betriebliche Altersvorsorge: Über 50 % Abgaben auf Auszahlung
Hohe Abgaben können die Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge mehr als halbieren.

Kein Bestandsschutz für bestehende Verträge

Seit dem 01.01.2005 müssen Arbeitnehmer, deren betriebliche Altersvorsorge zur Auszahlung kommt, mit Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen rechnen. Betroffen von dieser geänderten Gesetzgebung sind, neben Arbeitnehmern die eine betriebliche Altersvorsorge neu abschließen, auch Arbeitnehmer mit bestehenden Verträgen. Übergangsfristen oder ein Bestandsschutz waren nicht vorgesehen.

Für Arbeitnehmer und spätere Rentner, die pflicht- oder freiwillig Versicherte einer Krankenkasse sind, bedeutet dies eine Mehrbelastung von rund 18 %. Dabei ist unerheblich, ob im Vorfeld in einen pauschalversteuerten Vertrag (§ 40 b EStG) oder einen nachgelagert besteuerten Vertrag (§ 3 Nr. 63 EstG) eingezahlt wurde. Letztere müssen, zusätzlich zu Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen, zum Zeitpunkt der Auszahlung vollständig versteuert werden. Auf diese Weise können Abgaben von über 50 % auf die jeweilige Rente oder Kapitalauszahlung entstehen.

Ausgenommen hiervon sind lediglich Beiträge, die von bereits versteuertem Einkommen eingezahlt wurden.

Auch die Auszahlung der Deutschen Rentenversicherung wird regelmäßig gemindert

Arbeitnehmer, deren Einkommen unter der Beitragsbemessungsgrenze (West: 6.200,- EUR brutto/Monat | Ost: 5.400,- EUR brutto/Monat – Stand: 2016) liegt, müssen zusätzlich mit Einbußen bei der Auszahlung der Deutschen Rentenversicherung rechnen.

Diese Einbußen entstehen durch die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge. Sie werden, anders als bei Renten-, Lebensversicherungen oder der Riester-Rente, vom Brutto statt vom Netto bezahlt. So werden beispielsweise aus 2.500,- EUR brutto, durch einen Beitrag von 100,- EUR schlussendliche 2.400,- EUR brutto. Dadurch sinkt jedoch auch die Bezugsgröße für Beiträge, die für Arbeitnehmer an die Deutsche Rentenversicherung abgeführt werden.

Eine geminderte Auszahlung aus der Deutschen Rentenversicherung ist die Folge.

Mein Tipp: Eine gute Altersvorsorge beginnen Sie mit der Planung

Wenn Sie sich ernsthaft mit Ihrer Altersvorsorge auseinandersetzen wollen, sollten Sie mit der Planung beginnen. Diese Planung sollte jedoch nicht erst mit Beginn Ihres geplanten Renteneintritts greifen sondern bereits heute.

Eine gute Altersvorsorge ist nämlich weniger der Abschluss eines Vertrags sondern vielmehr das Ergebnis vieler richtiger Entscheidungen, die Sie bis zu Ihrem Rentenbeginn treffen.

Zu diesen guten Entscheidung zählt beispielsweise die strikte Vermeidung, sich Geld zu leihen. Der finanzierte Fernseher, das finanzierte Auto und auch die finanzierte Immobilie gilt es nämlich im Regelfall schnellstmöglich zu entschulden. Um laufende Kredite abzuzahlen und oder künftige Kredite zu vermeiden, benötigen Sie in erster Linie Liquidität. Liquidität ist jedoch das exakte Gegenteil einer klassischen Altersvorsorge, die Ihnen Beiträge und Rücklagen meist über Jahrzehnte vorenthält. Erst wenn diese Planung abgeschlossen ist und noch der eine oder andere Euro übrig ist, dürfen Sie an Altersvorsorge im eigentlichen Sinne denken. Altersvorsorge ist für die meisten Deutschen jedoch weiterhin eng mit dem Abschluss einer Versicherung verbunden.

Diese Versicherungen bringen jedoch, neben der Einschränkung Ihrer Liquidität, ein weiteres und erhebliches Problem mit sich. Denn jeder heutige Vorteil steht zum Zeitpunkt der Auszahlung auch mindestens einem Nachteil gegenüber. Ob sich der Abschluss also lohnt, sollte eingehend und individuell geprüft werden.

Unabhängige Unterstützung erhalten Sie beispielsweise bei der Verbraucherzentrale.

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