Brexit: Auswirkungen auf private Altersvorsorge

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Der Brexit kam überraschend. Durch das Ergebnis des Referendums sehen Experten insbesondere Großbritannien mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Doch die Folgen sind dies- und jenseits des Kanals spürbar. Schon heute stehen die Börsen unter dem erheblichem Einfluss der britischen Entscheidung. Nun könnten die Nachwehen sogar Kreise bis hin zur privaten Altersvorsorge ziehen. Englische Policen wie Clerical Medical, Standard Life oder Friends Providend wurden auch von deutschen Verbrauchern zahlreich abgeschlossen.

Brexit: Auswirkungen auf private Altersvorsorge
Verbraucher sollten laufende englische Policen auf den Prüfstand stellen.

Englische Policen kritisch hinterfragen

Ein wichtiger Faktor privater Altersvorsorge ist die Rendite. In dieser Hinsicht versprachen englische Policen bedeutend mehr als die deutsche Konkurrenz. Für viele Verbraucher ein Argument für den Abschluss von Clerical Medical-, Standard Life- oder Friends Providend-Policen.

Doch die finanzpolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre gingen auch an englischen Policen nicht spurlos vorbei. So sind die in Aussicht gestellten Renditen meist Stück für Stück in weite Ferne gerückt. Was blieb, waren teils erhebliche Kosten für Abschluss und Verwaltung.

Verbraucher sind daher gut beraten, laufende englische Policen kritisch zu hinterfragen. Unabhängig davon, ob derartige Verträge für die Altersvorsorge oder als Geldanlage genutzt werden, zählt die Renditeerwartung. Oft stellen sich, insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Abschluss- und Verwaltungskosten, aussichtsreichere Alternativen dar. Wurden einem Verbraucher solche Alternativen aufgezeigt, sollte nicht vor einem vorzeitigen Ausstieg zurückgeschreckt werden. Im Bedarfsfall sollten Verbraucher unabhängigen Rat einholen.

Entscheidungen kurzfristig herbeifrühren

Die Entscheidung für bzw. gegen eine laufende englische Police sollte kurzfristig getroffen werden. Einerseits sollten vorhandenes Kapital und etwaige Beiträge möglichst schnell in Richtung lukrativster Töpfe umgeschichtet werden, so sich diese bieten. Auf der anderen Seite können viele Besitzer englischer Policen vom sogenannten Widerrufsjoker Gebrauch machen.

Dieser Widerrufsjoker stellt in Aussicht, die teils erheblichen Abschluss- und Verwaltungskosten zurückzuerhalten. Voraussetzung hierfür ist eine fehlerhafte und angreifbare Widerrufsbelehrung.

Anders als bei Baufinanzierungen, wo der Widerrufsjoker per 21.06.2016 endete, müssen Verbraucher bei betroffenen Versicherungen bislang keinen Stichtag einhalten. Dies könnte sich für englische Policen jedoch ändern. Es bleibt fraglich, ob britische Versicherer sich im Moment des EU-Austritts weiterhin an Urteile von EU-Gerichten halten. Dieser Umstand könnte es Verbrauchern deutlich erschweren, ihre Rechte gegenüber britischen Versicherern geltend zu machen. Eine Entscheidung sollte daher kurzfristig, noch vor dem tatsächlichen Austritt Großbritanniens, getroffen werden.

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