Brexit: Einlagensicherung schmilzt

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Die Folgen des Brexit sind unlängst spürbar. Wertpapiere mussten erhebliche Rückschläge hinnehmen, das Pfund stürzte in historischem Ausmaß ab und die Bonität Großbritanniens wurde deutlich zurückgestuft. Glücklich schätzen sich bislang jene, die auf konservative Geldanlagen gesetzt haben. Doch auch Tages- und Festgeld droht Ungemach. Verbraucher sollten nun einen Blick auf die Einlagensicherung werfen.

Brexit: Einlagensicherung schmilzt
Die Folgen des Brexit betreffen nun auch zahlreiche Anleger, die auf Tages- und Festgeld gesetzt haben.

Folgen für die Einlagensicherung

Der Brexit kam überraschend. Kurz vor dem alles entscheidenden Referendum galt ein EU-Austritt Großbritanniens noch als unwahrscheinlich. Dies bestätigten bis zuletzt auch die berühmten britischen Buchmacher. Doch mit der Stimmauszählung von Donnerstag auf Freitag kristallisierte sich Stück für Stück ein anderes Bild heraus. Mit knapper Mehrheit von 1,9 % stimmte die britische Bevölkerung gegen den Verbleib in der EU.

Erste Reaktionen erfolgten kurz darauf. Nahezu international gaben sämtliche Börsenplätze in teils erheblichem Maße nach. Damit gehörten zu den ersten Verlierern jene, die in Wertpapieren investiert waren und sind.

Von diesen Entwicklungen sollte Tagesgeld, ebenso wie Festgeld, gänzlich unbeeindruckt zu bleiben. Konservativ anlegende Verbraucher schienen also, ob bewusst oder unbewusst, den richtigen Riecher bewiesen zu haben. Grund hierfür sind, insbesondere im Falle von Festgeld, die fixierten Zinszahlungen und in besonderem Maße geschützte Einlagen. Für diesen Schutz sorgt unter anderem die sogenannte Einlagensicherung. Sie sichert Anleger vor den Auswirkungen einer Bankenpleite ab und zahlt in diesem Extremfall den Anlagebetrag zurück. Begrenzt ist diese Einlagensicherung jedoch auf 100.000,- EUR je Anleger und Bank. Die Entscheidung pro Brexit bringt diese Einlagensicherung nun in erhebliche Bedrängnis. Bereits heute rangieren einzelne Banken deutlich unterhalb der 100.000,- EUR-Schwelle.

Einlagensicherung an Pfund gekoppelt

Diese Schwierigkeiten betreffen Banken aus Großbritannien. Mit 75.000,- Pfund werden Anleger nämlich in Landeswährung abgesichert. Dies hat zur Folge, dass die tatsächliche Höhe in Euro vom tagesaktuellen Wechselkurs abhängt. Bereits seit Jahresbeginn müssen Anleger sich so mit weniger als den EU-weit üblichen 100.000,- EUR zufrieden geben. Britische Banken rangierten bereits im Vorfeld des Referendums lediglich bei 97.800,- EUR.

Doch mit der Verkündung des Brexits gab der Wechselkurs des Pfunds erheblich nach. So beträgt die gegenwärtige Einlagensicherung durch britische Institute lediglich noch 90.500,- EUR. Ein weiterer Verfall des Pfunds ist jedoch alles andere als unwahrscheinlich. Mit der Herabstufung Großbritanniens durch einzelne Ratingagenturen tat man dem Kurs des Pfunds voraussichtlich einen weiteren Bärendienst.

Sicherheitsorientierte Anleger sind gut beraten nun zu reagieren. Betroffene Banken sollten beispielsweise auf etaige Zusatzabsicherungen (Privatwirtschaftliche Sicherungsfonds) angesprochen werden. Umfangreiche Guthaben auf Tagesgeld gilt es gegebenenfalls anzupassen. Befinden sich diese jedoch auf laufendem Festgeld, muss meist bis zur vereinbarten Fälligkeit abgewarten werden. Im Rahmen von Neuanlagen ist Zurückhaltung angebracht. Anlagebeträge sollten einen weiteren Verfall des Pfunds berücksichtigen und Laufzeiten knapp gehalten werden.

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