Der niedrige Öl-Preis – zwischen Fluch und Segen

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Wenn Sie Autofahrer sind oder mit Öl heizen, freuen Sie sich vermutlich über den niedrigen Öl-Preis. Auch zahlreiche Unternehmen profitieren von gesunkenen Energiepreisen. Diese Tatsache beflügelte Aktien während der vergangenen Monate zusätzlich. Nun sehen Experten jedoch ein Risiko im niedrigen Öl-Preis – erfahren Sie die Gründe.

Der niedrige Öl-Preis - zwischen Fluch und Segen

Von über 118,- auf unter 30,- US-Dollar

Der Preis für die Nordseesorte Brent fiel binnen der vergangenen drei Jahre um rund 75 %, den amerikanischen und asiatischen Sorten erging es kaum besser. Der Grund: Derzeit prallen bei Angebot und Nachfrage zwei Welten aufeinander. Während Öl-Konzerne weltweit investierten, um immer größere Fördermengen zu realisieren, sind die Speicher prall gefüllt.

Einige Konzerne bangen bereits um ihre Existenz. BP kündigte unlängst an, allein in Deutschland bis zu 800 Stellen abzubauen. Auch erste Opfer können unter dem niedrigen Öl-Preis verzeichnet werden. Einige Unternehmen, die auf das kostspielige Fracking-Verfahren zur Gewinnung von Rohöl gesetzt haben, meldeten bereits Insolvenz an. Dieses Verfahren rechtfertigte sich zu Zeiten hoher Öl-Preise und ist nun vielfach nicht mehr kostendeckend.

Langsam aber sicher werden die Stimmen lauter, die eine Drosselung der Fördermengen fordern. Auf diese Weise würde das momentane Überangebot abgebaut und ein höherer Öl-Preis eingeleitet werden. Doch ein solches Vorhaben stößt in der Branche bislang auf taube Ohren – der ruinöse Preiskampf geht unverändert weiter.

Profiteure sind insbesondere Verbraucher und Unternehmen – oder doch nicht?

Den positiven Effekt haben vermutlich auch Sie bereits gespürt. An den Zapfsäulen begegnen Ihnen traumhafte Benzin- und Dieselpreise, und wenn Sie mit Öl heizen, profitieren Sie gleichermaßen. Auch Unternehmen zählen im Normalfall zu den großen Gewinnern – Ausnahme: Sie sind von einem höheren Öl-Preis abhängig.

Doch im Regelfall, sorgen niedrigere Energie- und Fuhrparkkosten für sinkende Kosten und höhere Gewinne. Experten sagen nun jedoch das exakte Gegenteil voraus. Diese Experten stammen zumeist aus Investmentbanken und befürchten negative Auswirkungen.

Es sind die rückläufigen Umsätze der Öl-Konzerne, die einen Domino-Effekt in Gang setzen sollen. Sie können es notwendig werden lassen, wie das Beispiel BP zeigt, dass Stellen abgebaut werden und Investitionen verschoben werden müssen. Diese Investitionen in Technologie und Technik wurden in der Vergangenheit durch Banken finanziert und kamen anderen Wirtschaftszweigen zu Gute. Bleiben diese nun aus, könnten die Folgen weite Kreise ziehen. Als Verbraucher und Anleger sollten Sie jedoch im Hinterkopf behalten, dass es in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Nähe zu Öl-Konzernen ankommt.

Finden sich in der Kundenkartei kleiner, mittelständischer oder auch großer Unternehmen ausnahmslos besagte Öl-Konzerne, besteht sicherlich akuter Grund zur Sorge. In der Praxis ist es also die konkrete Abhängigkeit zum Öl, die über Gewinner und Verlierer entscheiden wird. Da ein kurzfristiges Ende des niedrigen Öl-Preises derzeit nicht absehbar ist, sollten insbesondere Anleger ihre Aktien, Anleihen und Fonds prüfen und unter Umständen absichern. Verbraucher hingegen werden sich noch etlichte Monate oder gar Jahre über niedrige Benzin-, Diesel- und Heizölpreise freuen dürfen.

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