Deutschlandrente: Konkurrenz für Riester und Co.

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Private Altersvorsorge? Für viele Deutsche ein Thema, mit dem man sich ungern beschäftigt. Egal ob Riester oder betriebliche Altersvorsorge, es mutet an wie die Entscheidung zwischen Not und Elend. Frischen Wind soll, geht es nach der hessischen Landesregierung, die Deutschlandrente bringen. Vertreter der Finanzbranche empörten sich bereits kurz darauf. Doch was steckt hinter der Deutschlandrente und ist die Kritik an ihr berechtigt?

Das verspricht die Deutschlandrente

Mit der Deutschlandrente soll eine klare Alternative zu Riester und Co. ins Leben gerufen werden. Diese, meist von Versicherungen angebotenen Altersvorsorgeprodukte gewannen nie richtig die Herzen der Verbraucher. Zu teuer, zu unlukrativ und zu intransparent – so lautet die Kritik.

Doch es fehlen die Alternativen. Im Endeffekt verzichten immer mehr Deutsche auf ein zusätzliches Standbein ihrer Altersvorsorge. So könnte eine gigantische Welle namens Altersarmut künftig auf die Bundesrepublik zurollen. Um gegenzusteuern, nahm man die bekannten Kritikpunkte ins Visier:

Zu teuer
Während Riester und Co. hohe Kosten für Abschluss und Verwaltung mit sich bringen, soll die Deutschlandrente zum Selbstkostenpreis laufen. ‚Weniger ist mehr‘ lautet die Devise. In diesem Fall soll durch weniger Kosten mehr für Sparer übrig bleiben.

Zu diesem Mehr sollen jedoch nicht nur geringere Kosten beitragen. Nach dem Vorbild des norwegischen Staatsfonds sollen auch Wertpapiere hierzu beitragen. Dieser erwirtschaftet auf diese Weise und seit seiner Gründung 1997 rund 5 %. Betont wird in diesem Zusammenhang, dass man auf eine zurückhaltende Anlagestrategie setzen wird.

Zu unlukrativ
Zu diesem Umstand trugen nicht ausschließlich die hohen Kosten bei. Riester und Co. leiden zudem unter zwei weiteren Faktoren:

Nachgelagerte Abgaben – während in der Ansparphase mit attraktiven Steuervorteilen, Zulagen oder einer Sozialabgabenersparnis geworben wird, müssen sich Verbraucher in der Auszahlphase auf Abgaben einstellen. Dies ist jedoch keineswegs ein bedingungslos lukratives Geschäft! Es ist maßgeblich von den persönlichen Umständen abhängig, ob auf diese Weise profitiert oder Geld verbrannt wird.

Rentenfaktor – nahezu unbekannt, aber entscheidend. Als Rentenfaktor bezeichnet man, wie viel Rente es für das Angesparte gibt. Selbst niedrige Kosten und attraktive Steuervorteile können einen schwachen Rentenfaktor nicht aufwiegen. Fallende Zinsen und eine stetig steigende Lebenserwartung sorgen dafür, dass auch Verbraucher immer älter werden müssen, möchten sie ihr eingezahltes Geld wiedersehen.

Ob die Deutschlandrente in diesen wichtigen Punkten besser dasteht, wurde bislang nicht veröffentlicht.

Zu intransparent
Die mangelhafte Transparenz wird Versicherungen immer wieder vorgeworfen. Auch wenn man sich regelmäßig den Verschärfungen des Gesetzgebers beugt, besteht in diesem Punkt jede Menge Nachholbedarf. Verbraucher, die dem Wunsch nach mehr Transparenz bis vor den Bundesgerichtshof (kurz: BGH) folgen, müssen sich nicht selten geschlagen geben. Tatsächliche Kosten und Renditen bleiben so im Dunkeln.

Doch bereits mit der Frage, was von der ausgewiesenen Brutto-Rente später das Netto wird, bleibt der Verbraucher alleine. Zu komplex und individuell sind die damit verbundenen Faktoren.

Ob die Deutschlandrente dies besser macht, bleibt fraglich.

In Summe hat die Deutschlandrente eine Menge Potenzial, es besser zu machen. Doch wie immer wird erst die Praxis zeigen, wo gute Vorsätze wirklich in die Tat umgesetzt wurden. In diesem Bewusstsein lässt die Finanzbranche bereits wenig Gutes am Konzept der Deutschlandrente.

Deutschlandrente: Konkurrenz für Riester und Co.

Viele der Kritikpunkte basieren auf Vermutungen

Es hat nicht lange gedauert und die Finanzbranche meldete erste Bedenken an. Sie stellt in Frage, ob die beim Staat deponierte Altersvorsorge angezapft werden oder im Falle einer Pleite gar verloren sein kann. Tatsächlich wurde bis dato jedoch nicht veröffentlicht, wie die Deutschlandrente in den Markt treten soll. Dies wäre allerdings Grundvoraussetzung, um über Zugriffsmöglichkeiten und Auswirkungen einer Staatspleite diskutieren zu können. Gegenwärtig stecken hinter diesem Kritikpunkt der Finanzbranche lediglich Vermutungen.

Doch neben diesem Punkt wird insbesondere die Anlagestrategie kritisiert. Der Staat kann vielleicht günstig, aber nicht zwingend auch gut! Dieser Meinung ist man nahezu einstimmig auf Seiten der Finanzbranche. Doch es gilt das alte Prinzip: Wer mit einem Finger auf andere zeigt, zielt mit drei Fingern gleichzeitig auf sich. Denn es waren insbesondere Versicherungen, die in der Vergangenheit enormen Druck auf die Politik ausübten. Im Ergebnis wurden 2014 die Bewertungsreserven der Verbraucher feilgeboten, und auch den ohnehin niedrigen Garantiezins möchte man erneut absenken. Als Grund führt man negative wirtschaftliche Aussichten ins Feld.

Besonders kurios mutet es jedoch an, wenn die Investmentbranche sich zu Wort meldet. Sie sieht auf Seiten des Staats kaum die notwendige Kompetenz, langfristig attraktive Renditen zu erwirtschaften. Bei diesem Punkt kommen Erinnerungen hoch. War es doch die Ratingagentur Scope, die zahlreichen Investmentfonds ein schlechtes Zeugnis kurz- wie langfristig ausstellte.

Die Finanzbranche hat es zunehmend schwer

Man muss jedoch Verständnis für die Finanzbranche aufbringen. Etwas zu kritisieren, ohne dass exakte Rahmenbedingungen bekanntgegeben wurden, ist alles andere als einfach.

Innerhalb dieses Wirtschaftszweigs steigt zunehmend der Druck. Geschäftsfelder, die in der Vergangenheit noch einträglich waren, wurden dank zunehmendem Konkurrenzdruck Stück für Stück zerfleischt. Vor diesem Hintergrund war kein Jubel zu erwarten, als ein provisionsfreier Mitbewerber zu Riester und Co. vorgestellt wurde. Besonders hart dürfte es Vermittler und Makler treffen, wenn die Deutschlandrente beim Verbraucher auf offene Ohren stößt. Damit wäre eine weitere und wichtige Einnahmequelle in Gefahr.

Ob die Deutschlandrente kommt und ob sie zu einer Alternative wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden. Erste Ausblicke machen Lust auf mehr – für eine vollständige Bewertung fehlen hingegen weitere wesentliche Facetten.

Hier geht es zur Pressemitteilung des hessischen Ministeriums:
Die Deutschlandrente

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