DieKolumne: Die Deutschen und ihre Hausbank

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Wir Deutsche lieben die Beständigkeit. So verwundert es nicht, dass wir ebenso beständig im Umgang mit unseren Finanzen sind. In diesem Zusammenhang ist häufig die Rede von der „Hausbank“. Unsere Hausbank begleitet uns nicht selten ein ganzes Leben lang, von der Eröffnung des ersten Sparbuchs bis hin zur Verteilung der Erbmasse. Für wen sich diese Einstellung lohnt? Jedenfalls nicht für Sie!

Was versprechen wir uns von unserer Hausbank?

„Man kennt mich dort.“ – mit diesen Worten beginnt vielfach die Argumentation, warum man seiner Hausbank die Treue hält. Die Treue hält, trotz der Tatsache, dass andere Banken attraktivere Konditionen und besseren Service bieten.

Warum führen Sie Ihr Girokonto bei einer Bank, die vergleichsweise hohe Gebühren erhebt?

Sind es etwa die zahlreichen Geldautomaten, die Sie gebührenfrei nutzen können? Fakt ist, dass die Nutzung von Bargeld abnimmt und sich die Versorgung mit Bargeld dennoch stetig verbessert. Seit Einführung des Euros wurden mehr als 6.000 zusätzliche Geldautomaten aufgestellt. Die Chancen, sich zwischen dem Wohnort und dem Arbeitsplatz gebührenfrei mit Bargeld versorgen zu können, stehen daher alles andere als schlecht. Auch ein Wechsel des Girokontos stellt heute keinen bürokratischen Kraftakt mehr dar.

Und warum legen Sie Ihr Geld zu homöopathischen Zinsen an?

Die klassischen Hausbanken liegen im Rennen um attraktives Tages- und Festgeld auf den hintersten Plätzen. Durch einen Wechsel könnte die Verzinsung spielend verfünf- bis verzehnfacht werden. Ist es vielleicht die Sicherheit, die gegen diesen Schritt spricht? Im Hinblick auf die Sicherheit gelten identische Standards. Für Aufsichtsbehörden macht es keinen Unterschied, ob es sich um eine Direktbank oder ein klassisches Institut handelt.

Sie sind sich wirklich sicher, dass Ihre jahrelange Treue zu einem attraktiveren Kreditangebot führt?

Unabhängige Vergleiche zeigen, dass auch bei Konsum-, Autokrediten und Baufinanzierungen Anbieter dominieren, die nur in den seltensten Fällen als Hausbank bezeichnet werden dürften. Spricht dennoch die persönliche Beziehung zu Ihrer Hausbank gegen einen dieser Anbieter? Wir versprechen uns Kulanz und Entgegenkommen von unserer Hausbank, wenn beispielsweise eine Ratenerleichterung infolge von Arbeitslosigkeit notwendig ist. In diesen Situationen erwarten wir Härte und Unnachgiebigkeit von Anbietern, bei denen wir bislang nicht in Erscheinung getreten sind. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass in Sachen Kulanz nicht nur Hausbanken punkten – und auch, dass nicht nur alle anderen Anbieter zu Gegnern werden können.

Viele Argumente, die für Ihre Hausbank sprechen, erweisen sich vermutlich auch als Wunschdenken. Diesem Umstand schuldet man im Laufe seines Lebens immense Summen:

Girokonto: etwa 2.736,00 EUR

Tagesgeld: etwa 2.850,00 EUR

Festgeld: etwa 14.688,00 EUR

Baufinanzierung: etwa 27.289,00 EUR

Den Otto-Normal-Verbraucher kostet seine Treue im Laufe seines Lebens rund 47.563,00 EUR. Stellt sich die Frage, wie Ihre Hausbank es Ihnen dankt.

Neukunden immer – Bestandskunden nimmer

Betrachtet man das vorgenannte Zahlenwerk und den Umstand, dass Neukunden teuer umworben werden wollen, sollte von einer besonderen Wertschätzung gegenüber Bestandskunden ausgegangen werden.

Stetig wechselnde Ansprechpartner, dürftige Beratungsleistung und zweit- bis drittklassige Produkte sind hingegen die Norm.

Insbesondere die Finanzbranche ruht sich auf Bestandskunden aus. Es mag heute die Vorstellungskraft von vielen Instituten übersteigen, ihre treue Kundschaft an Konkurrenten zu verlieren. Die vergangenen zwanzig Jahre zeigen jedoch ganz klar, dass Treue seine Grenzen kennt.

Gerade Sparkassen und Volksbanken verwässern Stück für Stück ihre Kernkompetenz. Dank bargeldlosem Zahlungsverkehr, Online-Banking und unzähligen Terminals gehören vor allem diese Institute, die traditionell mit ihrer Nähe beim älteren Publikum punkten konnten, zu den großen Verlierern. Die Verbindung zu der heute jungen Kundschaft ist, wenn diese Verbindung überhaupt jemals bestand, bereits verloren gegangen.

Auf der Suche nach denjenigen, die von diesen Umständen profitieren, wird man schnell fündig: Direktbanken!

Direktbanken haben sich in den vergangenen Jahren deutlich gemausert. Sie sind aus ihrer kleinen Nische herausgetreten und überzeugen heute nicht nur durch die attraktiveren Konditionen. Auch in Sachen Service haben sie bereits viele alteingesessene Institute weit hinter sich gelassen. Damit haben sie sich in kürzester Zeit vom vorübergehenden Trend zum Mitbewerber und schlussendlich zum ernstzunehmenden Konkurrenten entwickelt.

Wir Deutsche lieben die Beständigkeit – aber nicht um jeden Preis!

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