DieKolumne: Mein bester Freund macht in Finanzen | Teil 2

Aktuell, Altersvorsorge, Baufinanzierung, DieKolumne, Geldanlagen, Konten & Karten, Kredite, Versicherungen

DieKolumne: Mein bester Freund macht in Finanzen | Teil 1

„Unser Vertrauen wurde missbraucht!“ Insbesondere Freunde und Bekannte genießen einen großen Vertrauensvorschuss. Kommt es in diesem Zusammenhang zu finanziellen Verlusten, ist die Enttäuschung umso größer. Was mit dem Anruf eines alten Schulfreunds begann, mündete schnell in erste Zweifel.

DieKolumne: Mein bester Freund macht in Finanzen

Rückblende

Es begann mit dem Anruf eines alten Schulfreunds – der gelernte Einzelhandelskaufmann war nun als Finanzberater tätig. Am Ende des Telefonats wurde auch kurzerhand ein Termin für eine Finanzberatung vereinbart.

Der Besuch des alten Schulfreunds folgte wenige Tage später. Mit den Worten „Ich arbeite etwas für Euch aus!“ verschwand er wenig später. Im Gepäck einige Notizen sowie die Ordner mit Geldanlagen und Versicherungen.

Nur einen Tag später klingelte das Telefon erneut, eine gute und eine schlechte Nachricht standen im Raum. „Es sieht alles andere als gut aus! Mit dieser Strategie muss man den Großteil der besprochenen Ziele beerdigen. Insbesondere bei der Altersvorsorge klafft eine gigantische Lücke.“ Doch die gute Nachricht war, dass mit Hilfe eines Experten eine Strategie ausgearbeitet werden konnte, mit deren Hilfe hier gegengesteuert werden könne. Der alte Schulfreund drängte nun auf einen kurzfristigen Termin mit ihm und diesem Experten.

Kündigungen, der Abschluss neuer Versicherungen und erste Zweifel folgten wenig später.

Ein finanzieller Verlust in Höhe von 40.000,- EUR

Um alle Zweifel zu beseitigen, suchte man sich unabhängigen Rat. Bis zu diesem Zeitpunkt hielt man an der Hoffnung fest, dass sämtliches Vertrauen in den alten Schulfreund berechtigt war.

Das Ergebnis jedoch bestätigte die ersten Zweifel. In Summe verursachte die Finanzberatung einen Schaden in Höhe von rund 40.000,- EUR. Entstanden war dieser Schaden durch kostspielige und leistungsschwächere Versicherungen, die Lücken der Altersvorsorge keineswegs schlossen, sondern sogar vergrößerten. Ein weiterer Teil der neuen Altersvorsorge bestand zudem aus geschlossenen Immobilien- und Schiffsfonds. Beide geschlossenen Fonds trugen durch Insolvenz und Managementfehler zu einem Großteil des entstandenen Schadens bei.

Damit stellte sich sogleich die Frage, den entstandenen Schaden hinzunehmen oder aber rechtlich gegen den alten Schulfreund vorzugehen.

Nachdem jedweder Einigungsversuch erfolglos blieb, wurde ein Fachanwalt hinzugezogen. Dieser musste schnell feststellen, dass der als Experte beschriebene Finanzberater, dem der alte Schulfreund unterstellt war, kein unbeschriebenes Blatt war.

Gesamtschaden von über 7 Mio. EUR und Entzug der Zulassung

Es wurde Recht gesprochen! Zahlreiche Verbraucher wurden durch den Experten und seine Finanzberater um ihre Altersvorsorge und Ersparnisse gebracht. Der entstandene und verhandelte Gesamtschaden: Über 7 Mio. EUR. Auch wenn die Verbraucher aus diesem Fall als Gewinner hervorgehen, bleibt bei Beobachtern ein bitterer Beigeschmack zurück.

Denn viele Schäden rund um die privaten Finanzen bleiben unentdeckt! Nicht immer ist eine Falschberatung derart offensichtlich. In den meisten Fällen bleibt, da sind sich Experten einig, der Schaden unentdeckt. Auch ist es ein geringer Trost, dass in vielen Fällen die Schadenssummen unterhalb der hier entstandenen 40.000,- EUR liegen.

In diesem Fall waren es erste Zweifel, die vor Schlimmerem bewahrt haben. Doch gerade wenn der Faktor Vertrauen ins Spiel kommt, werden jedwede Zweifel nur zu gern verdrängt – womit die wichtigen „Alarmglocken“ nahezu verstummen. Daher sollte sich, insbesondere in puncto Finanzen, ein altes Sprichwort vor Augen geführt werden:

„Bei Geld hört die Freundschaft auf“ – möglichst, bevor ein finanzieller Schaden entstanden ist!

Hinweis: Im Nachgang an die gerichtliche Verhandlung wurde dem als Experten betitelten Finanzberater sowie einer Vielzahl der ihm angeschlossenen Finanzberater die berufliche Zulassung entzogen.

Schreiben Sie einen Kommentar