DieKolumne: Versicherungsmakler bestätigt alle Klischees

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Unser Leben besteht aus Vorurteilen und Klischees. Egal, ob bewusst oder unbewusst: Im Hinterkopf verfügen wir über eine Vielzahl von Schubladen. In welcher Schublade beispielsweise der potenzielle Schwiegersohn landet, entscheidet sich binnen Sekunden. Gute Chancen zu punkten haben Ärzte, Polizisten und Feuerwehrleute – wer hingegen als Politiker oder Bankangestellter auftritt, hat weniger gute Karten. Unangefochten an der Spitze des Negativrankings ist seit Jahren der Versicherungsmakler. Gute Argumente hierfür lieferte ein Vertreter dieser Spezies nun höchstselbst!

DieKolumne: Versicherungsmakler bestätigt Klischees

Verbraucherschützer vs. Versicherungsmakler: Die Freizeitgestaltung

Beruflich stehen Verbraucherschützer und Versicherungsmakler in der Regel auf unterschiedlichen Standpunkten. Doch vielleicht ist dies bereits ein weiteres Klischee!

Denn die Freizeitgestaltung führte diese unterschiedlichen Standpunkte nun zusammen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der erste Aufschlag erfolgte:

Versicherungsmakler: „Dieser Tenhagen … und auch dieser Kleinlein … Ihr macht uns kaputt!“

Es waren erste Versuche, über bekannte und bekennende Verbraucherschützer ins Gespräch zu kommen. Ich selbst sah meine knappe Freizeit ins Berufliche abdriften und ging über diesen ersten emotionalen Ausbruch schmunzelnd hinweg. Dies sollte jedoch nicht der letzte Anlauf gewesen sein.

Zahllose abgedroschene Floskeln ließen mich im Mittelteil dieses Schauspiels schlussendlich an der Sachkunde unseres Versicherungsmaklers zweifeln. Doch dieser setzte kurz darauf zu einem unerwarteten Finale an, welches meinerseits nicht unkommentiert bleiben konnte.

Versicherungsmakler: „Wenn ich jedem Kunden nur noch das empfehle und vermittele, was er wirklich braucht, verdiene ich kein Geld mehr. Daran solltet Ihr Verbraucherschützer auch mal denken!“

Ich: „Aber genau das tun wir! Wir unterstützen Versicherungsmakler, wenn sie nicht wissen bzw. wissen wollen, was ein Verbraucher wirklich braucht. Auf diese Weise gewinnen alle Seiten: Der Verbraucher hat, was er wirklich braucht, und der Verbraucherschützer hat dafür gesorgt. Doch auch der Versicherungsmakler gehört zu den Gewinnern! Er kann wieder ruhig schlafen, da der durch ihn verursachte Schaden nun korrigiert ist.“

Die Gesichtsfarbe des Versicherungsmakler verschmolz zusehends mit einem rotfarbenen Ford Fiesta, der in Sichtweite am Straßenrand parkte. Bevor sich die Wege trennten, setzte er ein letztes Mal an.

Versicherungsmakler: „Und damit fühlt Ihr Euch gut?“

Zugegeben, ich hatte nach dem bisherigen Gesprächsverlauf etwas mehr erwartet.

Ich: „Sehr sogar – nur selten kann man in einem Zug gleich drei Seiten etwas Gutes tun!“

Versicherungsmakler: „Damit macht Ihr eine Branche, von der in Deutschland über 1,2 Mio. leben, kaputt!“

Wir standen nun bereits vor unseren Autos, bereit zur Abfahrt.

Ich: „Wenn eine Branche darauf angewiesen ist, Verbrauchern wider besseres Wissen etwas zu empfehlen und zu vermitteln, dann steht für mich das Schicksal von rund 80 Mio. Deutschen über der Daseinsberechtigung von 1,2 Mio.!“

Daraufhin fiel die Autotür ins Schloss. Für mich stellte sich das Gespräch im Nachgang wie eine Karikatur dar. Ich blicke inzwischen auf über 1.900 Beratungen für die Verbraucherzentrale Niedersachsen zurück und war dennoch schockiert. Die Emotionalität des Versicherungsmaklers ließ darauf schließen, dass er seine Standpunkte wirklich vertrat. Es waren exakt die Standpunkte, die bei Verbrauchern regelmäßig zu vier- bis fünfstelligen Schäden führen.

Doch die größte Überraschung sollte erst noch folgen

  • Man ist sich seiner politischen und sozialen Verantwortung bewusst.
  • Man nimmt sich seiner sozialpolitischen Aufgabe aktiv an.
  • Man bekennt sich zu ethischem Handeln.
  • Man handelt nachhaltig.
  • Man steht für bürgerschaftliches Engagement.
  • Man verpflichtet sich dem Interesse seines Kunden.
  • Man versteht Vertrauen als Grundlage seines Handelns.
  • Man setzt seine Wertestandards und sein Handeln ständig einer kritischen Selbstreflexion aus.
  • Man steht für Qualifikation und Kompetenz.

Es sind diese sogenannten Tugenden, zu denen sich der Versicherungsmakler öffentlich bekennt – durch seine Mitgliedschaft in zwei Berufsverbänden. Das Gespräch mutete nun noch kurioser an.

Ein schwarzes Schaf kann eine ganze Herde versauen

Ich möchte betonen, dass dieser Versicherungsmakler keineswegs stellvertretend für eine ganze Branche steht. In ihm haben sich allerdings zahlreiche Problemstellungen wiedergespiegelt, die zwischen Verbrauchern und der Branche vorherrschen.

Auch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass diese Problemstellungen der Branche in nicht unerheblichem Maße zusetzen.

Doch betrachte ich es nicht als Aufgabe des Verbraucherschutzes, an der Lösung dieser Problemstellungen zum Schutz der Branche zu arbeiten. Diese Aufgabe fällt meines Erachtens den zahllosen Verbänden zu, die ihre Energie aktuell auf Nebenkriegsschauplätze fokussieren.

Bis dahin leisten solche schwarzen Schafe der Branche einen zusätzlichen Bärendienst.

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