Direktbanken: Hilfe, die kenne ich nicht!

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Die meisten Hausbanken bieten für sichere Geldanlagen, insbesondere Tages- und Festgeld, lediglich Zinsen homöopathischen Ausmaßes. Die Suche nach attraktiveren Angeboten führt regelmäßig zu Direktbanken. Doch viele deutsche Anleger schrecken noch vor den Angeboten unbekannter Banken zurück. Ein Blick hinter die Kulissen sorgt nicht selten für ein handfestes Aha-Erlebnis.

Direktbanken: Hilfe, die kenne ich nicht!
Die Aufforderung zu Online- und Telefonbanking ruft in vielen Verbrauchern große Skepsis hervor. Direktbankangebote setzen dies jedoch voraus.

Die Sicherheit im Fokus

Während zahlreiche Vor-Ort-Banken, zu denen beispielsweise Sparkassen und Volksbanken zählen, das beliebte Tagesgeld lediglich mit 0,01 % verzinsen, bieten einzelne Direktbanken teils 1,10 %.

Doch die Hemmschwelle ist groß. Nicht selten ist die hinter dem Angebot stehende Bank ebenso unbekannt wie der Weg zum online oder telefonisch zu eröffnenden Konto. So entscheiden sich weiterhin zahllose Verbraucher, sich den niedrigen Zinsen ihrer Hausbank zu ergeben. Der resultierende Zinsschaden ist jedoch erheblich, über mehrere Jahre kann bequem und zusätzlich ein Vielfaches an Zinsen durch einen einfachen Bankenwechsel erzielt werden.

Für jene, deren Fokus auf Sicherheit liegt, haben schon allein die unbekannten Anbieter eine gewisse Scheuchwirkung. Namen wie 1822direkt, pbbDirekt oder IKB erzeugen vielfach noch nicht das nötige Vertrauen, um vorsichtige Verbraucher zum Wechsel zu motivieren. Dabei werden alle drei vorgenannten deutschen Anbieter vergleichbar einer Sparkasse oder Volksbank von staatlichen Behörden beaufsichtigt. In puncto Sicherheit können sich somit auch klein anmutende Direktbanken keinesfalls verstecken. Zudem sind viele Direktbanken keineswegs so klein, wie es den Anschein macht. So gehört die 1822direkt beispielsweise zur Frankfurter Sparkasse und die pbbDirekt blickt auf ihren erst kurz zurückliegenden Börsengang, der sie zur Offenlegung zahlreicher Unternehmensdaten verpflichtet.

Insgesamt muss die digitale Bankenbranche sich also transparent geben. Zusätzlich zur eigenen Stabilität gilt für Direktbanken ebenso die EU-Einlagensicherung. Können die Aufsichtsbehörden eine Direktbank in Schieflage nicht mehr retten, entschädigt diese EU-Einlagensicherung pro Kunde und Bank bis zu 100.000,- EUR des Anlagebetrags.

Einfachere Kontoeröffnung und Verwaltung

Doch eine letzte Hemmschwelle bleibt für viele Deutsche bestehen. Die Eröffnung eines Tages- oder Festgeldkontos bei einer Direktbank verteilt die Bankverbindung auf zwei Schultern. Befürchtet wird gestiegener Arbeitsaufwand und der Verlust von Übersichtlichkeit.

Direktbanken zeigen sich in diesem Punkt zumeist jedoch von ihrer beispielhaften Seite. Postalische oder digitale Informationen werden, wie Kunden es von ihrer Hausbank gewohnt sind, flächendeckend bereitgestellt. Online-Banking-Nutzer werden, wenn sie auf diese Weise bereits mit ihrer Hausbank arbeiten, ebenso wenig von einer Direktbank überrascht, wie jene Kunden, die sich für Telefon-Banking entscheiden. Beide Wege sind selbst für treue Filialbesucher schnell liebgewonnene Erleichterungen, die bequem aus den eigenen vier Wänden aus gesteuert werden können.

Diesem Muster folgt auch die Kontoeröffnung. Diese erfolgt zumeist, nachdem telefonisch oder online die Eröffnungsunterlagen angefordert wurden, am heimischen Küchentisch. Alle vervollständigten Unterlagen müssen dann zum sogenannten PostIdent-Verfahren in einer Postfiliale abgegeben werden. Kurz darauf erfolgt zumeist die Eröffnung des gewünschten Kontos. Um die Anlage auf Tages- oder Festgeld abzuschließen, genügt eine Überweisung vom Girokonto der Hausbank in Richtung der neuen Bankverbindung. Ab diesem Zeitpunkt ist der Unterschied zwischen einem vor Ort eröffneten Tages- oder Festgeld gegenüber dem bei einer Direktbank als marginal zu bezeichnen.

Mein Tipp: Ein sanfter Einstieg

Geht es um die eigenen Finanzen, ist ein gesundes Maß an Skepsis erlaubt und sogar ratsam. Auch wenn die Argumente für Direktbanken nahezu erschlagend sind, sollten Sie nichts überstürzen.

Es gilt die Devise: Zielen Sie auf höhere Zinsen, aber hören Sie ebenso auf Ihr Bauchgefühl.

Um anfängliche Bedenken auszuräuken, sollte zu Beginn beispielsweise mit kleineren Beträgen hantiert werden. Eröffnen Sie beispielsweise das gewünschte Tagesgeld bei der bevorzugten Direktbank, verzichten Sie jedoch darauf, gleich Ihre gesamten Ersparnisse anzulegen. Beginnen Sie vorerst mit einer Überweisung von 50,- EUR, die Sie nachts weiter ruhig schlafen lässt. Testen Sie dann in aller Ruhe das neue Direktbank-Tagesgeld aus, bis Ihr negatives Bauchgefühl verschwunden ist. Ab diesem Zeitpunkt können auch größere Beträge umgeschichtet werden, ohne dass Sie ein latent schlechtes Gefühl auf Schritt und Tritt begleitet.

Die Auswahl passender Banken möchte ich Ihnen leicht machen. Auf dieser Seite finden Sie vorausgewählte Tages- und Festgeldangebote, wo der Fokus auf der Sicherheit der Bank, den Aufsichtsbehörden und der Einlagensicherung liegt. Ebenso können Sie hierzu die Finanztest zu Rate ziehen, die in jeder monatlich erscheinenden Ausgabe zwischen Seite 80 und 90 entsprechende Angebote veröffentlicht.

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