Ein schwacher Euro und seine Folgen

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Der Euro wird schwach und schwächer. Gegenüber dem US-Dollar hat er innerhalb der vergangenen zwölf Monate rund 11 % eingebüßt. Doch besteht bereits Grund zur Sorge? Erfahren Sie, worauf Verbraucher sich nun einstellen sollten.

Inklusive Euro-Checkliste mit Chancen und Risiken

Statistik: Europäische Union: Staatsverschuldung in den Mitgliedsstaaten im 2. Quartal 2015 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) | StatistaDer Kampf der Europäischen Zentralbank

Griechenland ist gerettet. Dieser Eindruck könnte mit Blick auf die momentane Nachrichtenlage entstehen. Schulden, Rettungspakete und nervenaufreibende Verhandlungen spielen längst keine Rolle mehr.

Doch dieser Schein trügt. Den meisten europäischen Staaten geht es alles andere als gut. Griechenland bleibt zwar trauriges Schlusslicht, betrachtet man den Grad der Verschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt, Staaten wie Italien oder Portugal bewegen sich allerdings in Reichweite.

Längst ist eines klar, auf regulärem Weg werden zahlreiche Staaten ihrer Schuldenlast nicht mehr Herr werden können.

Niedrige Zinsen und Wirtschaftswachstum sollen die Eurozone aus der Krise führen. Diese Stellschrauben sollen sowohl die Schuldzinsen der Mitgliedsstaaten drücken, Unternehmen günstige Kredite verschaffen und somit für zusätzliche Steuereinnahmen sorgen. Doch schnell zeigt sich, niedrige Zinsen allein bringen nicht die Wende. Umgesetzt durch die Europäische Zentralbank (kurz: EZB), scheinen sämtliche Maßnahmen erfolglos zu bleiben.

Inzwischen pumpt die Europäische Zentralbank jeden Monat 60 Milliarden in den Euro-Raum. Doch das über 1,1 Milliarden Euro schwere Programm zeigt bereits an anderer Stelle gravierende Folgen – so büßte der Euro im Verhältnis zum US-Dollar bereits über 11 % binnen des vergangenen Jahres ein.

Der Fluch und Segen eines schwachen Euro

Unternehmen, die vom Export leben, gehören zu den klaren Profiteuren. Waren und Dienstleistungen mit dem beliebten Prädikat „Made in Germany“ sind für das Ausland bedeutend erschwinglicher geworden. Hier zeigt sich die gewollte und positive Seite des schwachen Euro.

Doch wer beispielsweise im Ausland produzieren lässt oder einkauft, leidet massiv unter der derzeitigen Situation. Unternehmen wie Verbraucher sehen sich mit bedeutend höheren Preisen konfrontiert.

Wer aktuell eine Reise in die USA bucht, bekommt diesen Umstand deutlich zu spüren. Für 100,- Euro erhält man entsprechend des momentanen Wechselkurses rund 108,- US-Dollar. Vor einem Jahr bekam man für denselben Betrag noch 122 US-Dollar.

Euro-Checkliste mit Chancen und Risiken

  • Urlaub im außereuropäischen Ausland
    Wer seinen Urlaub außerhalb der Eurozone plant, sollte die Wechselkurse im Blick haben. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter abschwächt. Damit würde sich eine Reise nach Übersee weiter verteuern. Um auf diese Entwicklung zu reagieren, kann es Sinn machen, bereits heute Bargeld, beispielsweise in US-Dollar, umzutauschen.
  • Der internationale Einkauf im Supermarkt
    Ein schwacher Euro hat auch massiven Einfluss auf Preise von Kaffee, Tee oder Zucker. Viele Waren und Lebensmittel werden grundsätzlich in US-Dollar gehandelt. Eine Verteuerung dieser Produkte gilt als wahrscheinlich. Regionale Produkte sind hiervon jedoch nicht betroffen.
  • Shoppen für den Geldbeutel
    Auch Baumwolle gehört zu den Rohstoffen, die in US-Dollar gehandelt werden. Der Grundstoff von T-Shirt, Hose und Co. wird aller Voraussicht nach Preissteigerungen bei Bekleidungsartikeln nach sich ziehen. Das bedeutet: Besser heute ohne Frust und schlechtes Gewissen einkaufen gehen.
  • Öfter mal volltanken
    Die Preise an der Zapfsäule befinden sich auf ausgesprochen niedrigem Niveau. Doch dass sich dies ändert, gilt als gesichert. Autofahrer sollten sich auf diesen Umstand ebenso einstellen wie jene, die mit Öl heizen.
  • Geldanlage und Baufinanzierung in Fremdwährung
    Paradiesische Zustände für Anleger und Häuslebauer? Finger weg, heißt die Devise! Spekulationen dieser Art gelten als hochriskant und gehören in geübte Hände. Gewinne und Verluste liegen dicht beieinander.

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