Existenzgründer: Das Freiwild der Finanzwirtschaft

Aktuell, Altersvorsorge

Eine Existenzgründung kostet Zeit, Geld und Energie! Neben beruflichen Herausforderungen müssen Existenzgründer sich jedoch auch ihren privaten Finanzen stellen. Insbesondere die Altersvorsorge gilt es an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen. Existenzgründer, die in diesem Punkt auf Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe bauen, werden jedoch selten gut beraten.

Existenzgründer: Das Freiwild der Finanzwirtschaft

Ihr Tag hat nur 24 Stunden – die Finanzwirtschaft weiß das!

Ihre Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit verlangt Ihnen gerade zu Beginn eine Menge ab. Bis sich alles eingespielt hat, ist Zeit absolute Mangelware! Doch als Existenzgründer stecken Sie voller Motivation – und so schaffen Sie es sogar, sich noch in puncto Altersvorsorge beraten zu lassen.

Zweifelsohne eines der wichtigeren Themen, denn für viele endet mit ihrem Arbeitsverhältnis auch die Einzahlung in die Deutsche Rentenversicherung. Um auch im Rentenalter gut versorgt zu sein, müssen daher insbesondere Existenzgründer frühzeitig aktiv werden.

Erste Ansprechpartner sind in diesem Zusammenhang meist Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe. Von der Beratung versprechen sich Existenzgründer vielfach eine Strategie, die es erlaubt, das Kapitel Altersvorsorge wieder schnellstmöglich schließen zu können. Erste Unruhe kommt in der Regel auf, wenn der Berater beginnt, über monatliche Beiträge zu sprechen. So manch ein Existenzgründer stellt sich nun die Frage, ob er jemals genug verdient, um seine Altersvorsorge zu regeln. Noch bevor Sie sich und Ihre beruflichen Pläne in Frage stellen, kommt Ihnen der Berater mit einem reduzierten Beitrag entgegen – schließlich kann man diesen auch noch zu späterer Zeit erhöhen.

Nicht selten verlassen Existenzgründer auf diese Weise mit Verträgen für Rürup- und Privat-Renten die Büros ihrer Berater. Im Gepäck der Glaube daran, sich etwas Gutes getan zu haben. Positiver Nebeneffekt: Die Baustelle Altersvorsorge ist abgearbeitet, die volle Aufmerksamkeit kann erneut in Richtung Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit fokussiert werden.

Kaum eine Personengruppe schließt derart schnell ab wie Existenzgründer. Gemeint sind Abschlüsse für Altersvorsorgeprodukte! Die Finanzwirtschaft ist sich dieses Umstands bewusst – es locken schnelle und vor allem hohe Provisionen.

Während ein 35-jähriger Arbeitnehmer seine Rentenlücke mit einem monatlichen Beitrag von 50,- EUR verkleinert, wird ein Existenzgründer schnell mit 400,- EUR und mehr konfrontiert. Der Berater darf sich nun im Falle des Arbeitnehmers im Durchschnitt über eine Provision von 672,- EUR freuen. Ein Existenzgründer hingegen lässt eine Provision in Höhe von 5.376,- EUR in greifbare Nähe rücken.

Doch während der Arbeitnehmer sich vor Abschluss informiert und das vorliegende Angebot zusätzlich vergleicht, ist der Existenzgründer geneigt, in Ermangelung von Zeit möglichst schnell abzuschließen.

Geben Sie sich Zeit und die nötige Flexibilität

Können Sie absehen, was Sie in den kommenden Monaten oder gar Jahren verdienen werden? Wenn dem nicht so ist, dürfte es schwer fallen, einen stattlichen Beitrag für die Altersvorsorge zu erübrigen. Sie brauchen Flexibilität!

In Monaten mit geringen Einkünften investieren Sie einen geringeren monatlichen Beitrag – in Monaten mit hohen Einkünften passen Sie Ihren Beitrag entsprechend an.

Auf diese Weise entwickelt sich Ihre Altersvorsorge ebenso wie Ihre Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit. Denn erfahrungsgemäß sollten Existenzgründer in den ersten drei bis fünf Jahren nicht nur mit geringen, sondern sogar mit zu geringen Einkünften rechnen. Das bedeutet im Extremfall, dass nicht nur geringe monatliche Beiträge investiert werden, sondern dass ein Teil Ihrer Altersvorsorge im Notfall für Miete, Nebenkosten oder Lebenshaltung angegriffen werden muss. Starre Altersvorsorgeprodukte bieten nur selten die nötige Flexibilität, um solche Notfälle abzufedern.

Doch Berater haben noch ein weiteres Argument für Rürup-Rente und Co.! Es sind steuerliche Vorteile, die Ihre Altersvorsorge subventionieren sollen. Die steuerlichen Vorteile dieser Altersvorsorgeprodukte basieren jedoch auf Ihren steuerpflichtigen Einkünften. Da diese insbesondere zu Beginn einer Existenzgründung in der Regel vergleichsweise gering ausfallen, stellen steuerliche Vorteile zu diesem Zeitpunkt noch kein schlagendes Argument dar.

Der optimale Zeitpunkt, um über die Altersvorsorge nachzudenken, steht nach drei bis fünf Jahren vor der Tür. Zu diesem Zeitpunkt sollte sich entschieden haben, ob Sie die heutige Existenzgründung auch langfristig fortführen sollten. Ebenso ist an diesem Punkt die gefährliche Hektik der Existenzgründung weggefallen, und Sie können sich ebenso wie der Arbeitnehmer in aller Ruhe informieren und vorliegende Angebote vergleichen. Sie sollten bis zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht untätig sein! Legen Sie bereits zu Beginn Ihrer Existenzgründung etwas für Ihre Altersvorsorge zur Seite.

In dieser Phase hat sich insbesondere das Tagesgeld bewährt. Es ermöglicht Ihnen die individuelle Besparung und im Notfall können Sie unbürokratisch auf Ihre Ersparnisse zugreifen. Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen, dass Sie ab sofort besser mit einem Altersvorsorgeprodukt fahren, können Sie das auf diese Weise entstandene Guthaben in den meisten Fällen direkt zu Beginn mit einfließen lassen. Sie wären jedoch nicht der erste Selbstständige oder Freiberufler, der die Vorteile dieser Flexibilität auch über die Existenzgründung hinaus zu schätzen weiß.

Es gilt das Motto: Ein Altersvorsorgeprodukt ist nicht zwingend eine gute Altersvorsorge! Eine gute Altersvorsorge sollte zu Ihnen passen.

Aus diesem Grund kümmern Sie sich zu Beginn Ihrer Existenzgründung um die wesentlichen Dinge:

  1. Ihre Selbstständigkeit/Freiberuflichkeit
  2. Die Absicherung gegen Risiken
    • Berufsunfähigkeitsversicherung
    • Hinterbliebenenschutz
    • etc.
  3. Eine flexible Altersvorsorge
    • Tagesgeld

Nützlicher Link: Zum Tagesgeld-Vergleich

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