EZB: Neue Maßnahmen erhöhen Druck auf Rentenfonds

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Die Europäische Zentralbank kämpft seit Monaten gegen eine drohende Deflation. Wie das Statistische Bundesamt unlängst veröffentlichte, weist Deutschland diese Deflation für April 2016 unlängst auf. Dabei kämpft die EZB bereits mit harten Bandagen, was Sparer nicht zuletzt durch ein historisches Niedrigzinsumfeld zu spüren bekommen. Nun scheint der Kampf in eine neue Runde zu gehen – die erwarteten Maßnahmen könnten dann massiven Druck auf Rentenfonds ausüben.

EZB: Neue Maßnahmen erhöhen Druck auf Rentenfonds
Italiens Wirtschaft könnte durch Aufkäufe von Unternehmensanleihen profitieren und belebt werden.

Deflation wird großes Gefahrenpotenzial zugesprochen

Für Preisstabilität zu sorgen, ist eine der zentralen Aufgaben der EZB. Diese Preisstabilität bedeutet jedoch keineswegs die schwarze Null. Vielmehr ist das Ziel bei einer Inflation von rund 2 % gesteckt. Für Deutschland wird dieses Ziel momentan deutlich verfehlt. Mit -0,09 % weist das Statistische Bundesamt eine Deflation anstelle einer Inflation aus. Für die gesamte Eurozone werden gegenwärtig rund -0,20 % veröffentlicht. Nur wenigen Verbrauchern ist das Gefahrenpotenzial einer Deflation bewusst, steht es doch für fallende Preise. Doch exakt dieser Punkt beherbergt das Kernproblem. Erwartet werden nämlich Kauf- und Investitionszurückhaltung, die negativen Einfluss auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt hätten.

Diese Befürchtungen beflügeln nun die EZB in der Wahl ihrer Maßnahmen. Im Kampf gegen eine Ausweitung der Deflation wird bereits ab Juni mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen gerechnet. Ergänzen würde dieser Schritt dann die bereits vorgenommenen Absenkungen des Leitzinses und die unlängst laufenden Ankäufe von Staatsanleihen.

Während Experten noch über die Rechtmäßigkeit dieses massiven Eingriffs streiten, könnte erneut der Sparer die Rolle des Leidtragenden einnehmen. Der geplante Ankauf von Unternehmensanleihen würde dann für zusätzlichen Druck unter Rentenfonds sorgen.

Rentenfonds unter erhöhten Druck gestellt

Während Aktien und Aktienfonds gemeinhin als riskant gelten, werden Rentenfonds oft als konservatives Pendant betrachtet und selbst zurückhaltenderen Anlegern offeriert. Hier sitzen jedoch sowohl Anleger als auch unerfahrenere Anlageberater einem folgenreichen Trugschluss auf.

Insbesondere Renten- und Mischfonds mit Schwerpunkt Europa bleiben keineswegs vom Niedrigzinsumfeld unbeeindruckt. Für sie stellen die Maßnahmen der EZB eine erhebliche Belastungsprobe dar. Sie investieren teilweise bis vollständig in sogenannte Renten. Diese Renten sind eine Art Schuldschein von Staaten und Unternehmen. Für sie stellen Renten eine Möglichkeit dar, sich Kapital zu beschaffen. Konkurrieren tut diese Möglichkeit mit der klassischen Finanzierung mit Hilfe von Banken. Mit Renten wird jedoch der meist ohnehin niedrige Zins, den Banken gegenwärtig veranschlagen, unterboten. So entsteht für Staaten und Unternehmen ein Zinsgewinn. Die Rückzahlung eines solchen Papiers gegenüber dem Anleger setzt jedoch die Zahlungsfähigkeit des Staates oder Unternehmens voraus.

Eine Rente der Bundesrepublik Deutschland (auch: Bundesanleihe), mit einer Laufzeit von zehn Jahren, bietet gegenwärtig jedoch weniger als 0,2 % Netto-Rendite. Um attraktivere Renditen zu erzeugen, müssen Renten- und Mischfonds vielfach auf Staaten und Unternehmen setzen, deren Bonität nicht mit der der Bundesrepublik Deutschland vergleichbar ist. Auf diese Weise eingekaufte Risiken trägt dann automatisch auch der Anleger.

Weitere Probleme ergeben sich bereits durch laufende Staatsanleihenkäufe der EZB. Auf diese Weise tritt ein weiterer und großer Wettbewerber am Markt auf, der Renten- und Mischfonds massenhaft attraktive Papiere streitig macht. Zusätzlich werden durch die Nachfrage der EZB die Kurse künstlich angetrieben. Wird das laufende Programm nun um Unternehmensanleihenkäufe erweitert, könnte sich der Druck für Renten- und Mischfonds abermals erhöhen. Fraglich bleibt zudem, wie Fonds auf etwaig diskutierte Schuldenschnitte und ein Ende der künstliche Nachfrage durch die EZB reagieren. Anleger sollten daher gegenwärtig insbesondere euroweit ausgerichtete Fonds, mit großen Anteilen in Renten, nicht fälschlicherweise als den sicheren Hafen missdeuten – laufende Fonds gehören unter Berücksichtigung dieser Situation unter Beobachtung gestellt.

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