EZB: Niedrigzinspolitik wird fortgeführt

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Die Medien überschlagen sich abermals. Auch in Zukunft werden sich Sparer und Anleger mit Niedrigzinsen engagieren müssen. Grund, die Europäische Zentralbank verkündet, auch künftig werde man an der vorherrschenden Niedrigzinspolitik festhalten. Erste Signale der EZB weisen jedoch bereits in die entgegengesetzte Richtung.

EZB: Niedrigzinspolitik wird fortgeführt
Niedrigzinsen sollten Verbraucher nicht zu falschem Aktionismus verleiten. Hiervon profitieren schlussendlich nur Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe.

Panikmache weiterhin unangebracht

Mehr und mehr Verbraucher sehen sich zum Handeln aufgefordert. Insbesondere konservative Geldanlagen und Altersvorsorgeprodukte scheinen dem brachliegenden Zinsniveau nicht mehr gerecht zu werden. Zu kaum einer Zeit wurde daher mehr Vermögen in Wertpapiere und Immobilien umgeschichtet, wie seit Beginn der Niedrigzinsphase.

Einen nicht unerheblichen Anteil hieran tragen Finanzwirtschaft und Medien. Sie haben schnell die Sensibilität der Verbraucher für dieses Thema erkannt. Seither werden immer neue Schreckensszenarien präsentiert. Nicht selten begegnen Verbraucher nahezu mantraartig die selben Empfehlungen, Aktien, Fonds, ETF und Immobilien, lauten die heißen Tipps der vermeintlichen Experten. So auch heute, denn die Niedrigzinspolitik scheint in eine neue Runde zu gehen. So erklärte die Europäische Zentralbank jüngst, am Anleihenkaufprogramm festzuhalten. Das bisherige Volumen, immerhin 80 Milliarden Euro je Monat, werde jedoch künftig auf 60 Milliarden Euro zurückgefahren werden. Diese Tatsache darf von Anlegern als Silberstreif am Horizont verstanden werden. Denn es stellt eine nicht unerhebliche Einschränkung der auch weiterhin expansiven Geldpolitik dar.

Die Gründe für diesen Schritt sind zahlreich. Als Kernaufgabe verfolgt die EZB eine Inflation von 2 % im Euroraum zu installieren. War man Ende 2015 bis Anfang 2016 noch weit von diesem Ziel entfernt, scheint man zumindest die gefürchtete Deflation zwischenzeitlich abgewendet zu haben. Auch wenn es fraglich ist, ob hierzu nicht die jüngst gestiegenen Energiepreise beitrugen, so rückt der Fokus dennoch von dieser bedrohlichen Baustelle vorerst ab. Künftig wird sich Mario Draghi, als amtierender Präsident der Europäischen Zentralbank, erneut dem Schuldenthema widmen können. Dies flammt aktuell insbesondere um den Angstkandidaten Italien auf. Billiges Geld soll daher die Finanzierung bestehender Staatsschulden erleichtern.

Auch wenn dieses Ziel als durchaus fragwürdig eingestuft werden darf, die daraus resultierende Zentralbankpolitik muss von sämtlichen Marktteilnehmer hingenommen werden. Vielmehr noch, vor ihrem Hintergrund muss der Umgang mit den eigenen Ersparnissen und der eigenen Altersvorsorge abgewogen werden. Ein Quell für fatale Fehler, folgt man dem derzeitigen Trend. In Sachen Aktionismus zahlt mehr denn je, Zurückhaltung ist Trumpf.

Paradisische Zustände für Sparer und Anleger

So kurios es klingt, kaum eine Zeit erlegte Sparern und Anlegern ähnlich wenig Arbeit auf. Die Suche nach Anlageoptionen gestaltet sich, unabhängig ob es sich im konservative Anleger oder Investoren handelt, zunehmend leichter.

Vor dem Hintergrund erheblich unter Druck stehender Märkte, unter diesem Sammelbegriff dürfen derzeit der Aktien- wie auch der Anleihenmarkt zusammengefasst werden, sind sinnvolle Anlagen an diesem Ort kaum auszumachen. Im Falle von Aktie, Fonds oder ETF muss daher in vielen Fällen von Spekulation statt Geldanlage gesprochen werden. Eine nicht unerhebliche Zahl von Anlegern läuft aktuell Gefahr, sich in eine unlängst gebildete Blase einzukaufen. Gewinne werden in dieser Phase zum Glücksspiel, Verluste hingegen immer wahrscheinlicher. Die Alternative hierzu sollte jedoch nicht der blinde Erwerb von Immobilienfonds sein.

Unabhängig vom Zins- und Inflationsniveau sollte die Frage nach Chance und Risiko gestellt werden. Hierbei passen unkalkulierbare Chancen und ausufernde Risiken zu dem kleinsten Teil der Anlegerschaft. Alle anderen stehen aktuell schnell vor konservativen Geldanlagen als einzig verbliebene Option. Ein homöopathisches, von der Finanzbranche gebotenes, Zinsniveau lässt viele Sparer und Anleger jedoch zurückschrecken. Doch betrachtet man das niedrige Zinsniveau vor dem Hintergrund noch niedrigerer Inflationsraten, so eröffnet sich die interessante Facette dieser Geldanlagen. Denn anders als zu DM-Markt-Zeiten rangieren selbst derzeit niedrigverzinste Direktbankangebote für Tages- und Festgeld spürbar oberhalb des vorherrschenden Inflationsniveaus. Sie stellen dadurch das erheblich bessere Chance-/Risioverhältnis gegenüber zahlreichen blind ausgewählten Wertpapieren dar.

So ist die Börse aktuell mehr denn je für eine aufgeklärte und wertpapieraffine Anlegerschaft reserviert, die auf Basis langjähriger Erfahrungen die gebotenen Risiken überschauen und kalkulieren können. Alle anderen dürfen in der Eindämmung des Anleihenkaufprogramms ein erstes Signal für eine künftige Richtungsänderung sehen.

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