Flexibilität: Der wichtigste Faktor der Altersvorsorge

Aktuell, Altersvorsorge

Das Angebot an Altersvorsorgeprodukten ist schier zahllos. Jedes Angebot wirbt, mit immer neuen Alleinstellungsmerkmalen, um die Unterschrift von Verbrauchern. Diese stehen vor der schweren Frage, welches der Produkte das beste Gesamtpaket bietet. Beim wichtigsten Faktor, der Flexibilität, schneidet die Vielzahl der Angebote jedoch weiterhin schlecht ab.

Flexibilität: Der wichtigste Faktor der Altersvorsorge
Die eigenen vier Wände sind ein wesentlicher Baustein der Altersvorsorge. Laufende Altersvorsorgeprodukte können dem Ziel vieler Deutscher sogar schaden.

Altersvorsorge hat viele Gesichter

Das Bild, was viele Verbraucher von einer privaten Altersvorsorge haben, ist ziemlich identisch. Versicherungsprodukte, wie die Riester-Rente oder Lebensversicherung, stehen nach wie vor hoch im Kurs. Die Beliebtheit der Angebote hat, bedingung durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld und schlechte Presse, jedoch erheblich gelitten. Um die Nachfrage anzukurbeln greifen Versicherer in die Trickkiste, sie bringen mehr und mehr neue Versicherungsprodukte mit nie dagewesenem Kundenvorteil. Im Klartext bedeutet dies regelmäßig, die eigene Altersvorsorge immer wertpapierlastiger und vorzugsweise mit Hilfe von Indexfonds (auch: ETF) anzulegen.

Um dem zweifelhaften Ruf nach Wertpapieren zu folgen, braucht es heute jedoch keine Versicherung mehr. Auch bleibt fraglich, ob die inflationäre Empfehlung zu Wertpapieren mittel- bis langfristig Früchte tragen wird. Insbesondere konservativen Anlegern ist inmitten krisengeschüttelter Märkte eher zur Vorsicht geraten.

Verbraucher müssen vor dem Hintergrund dieser aktuellen Angebotslage ihren Altersvorsorgehorizont erweitern. Nur wenige Angebote können heute wirklich punkten und mit brauchbaren Zusagen überzeugen. Am ehesten ist dies Verbrauchern einzelner Nischen möglich, die von mehreren Kinderzulagen innerhalb der Riester-Rente oder hohen Arbeitgeberzuschüssen zur betrieblichen Altersvorsorge profitieren. Wer diesen Nischen nicht angehört, sollte jedoch keinesfalls auf private Altersorsorge verzichten. Diese hat seit jeher viele Gesichter. Insbesondere die eigene oder vermietete Immobilie kann zur adäquaten Alternative neben Wertpapieren oder einfachen Geldanlagen werden. Ob der Weg außerhalb einer Versicherung in Richtung von Geldanlagen, Wertpapieren oder Immobilien führt, entscheidet schlussendlich immer der Anleger selbst. Hier gilt die ungebrochene Regel, dass höhere Renditen untrennbar mit eigenem Engagement und höheren Risiken einhergehen.

Flexibilität bleibt wichtigster Faktor

Da sich der Wunsch nach den eigenen vier Wänden oder die Affinität zum Umgang mit Wertpapieren vielfach erst entwickelt, ist Flexibilität ein wichtiger Faktor. Private Finanzen, insbesondere die Altersvorsorge, sollten private ebenso wie berufliche Veränderungen zulassen und möglichst unterstützen.

Ein Punkt, an dem nahezu alle Versicherungsprodulte scheitern oder Zugeständnisse verlangen. Letztere sind im Regelfall wirtschaftlicher Natur, wenn Verträge vorzeitig zu kündigen oder beitragsfrei zu stellen sind. Kann ein solches Szenario nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, sollte vom Abschluss eines Versicherungsprodukts tendenziell Abstand genommen werden. Andernfalls hat der Versicherte die Wahl zwischen einem Zinsschaden oder der überproportionalen Belastung durch Abschlusskosten.

Ein Zinsschaden entsteht immer dann, wenn das angelegte Altersvorsorgekapital einen niedrigeren Zinssatz erwirtschaftet als ein parallel laufender Kredit, beispielsweise für das Auto oder eine Immobilie, kostet. In diesem Fall empfiehlt es sich, das niedrigverzinste Kapital zur Schuldentilgung heranzuziehen. Bedeutet dies, eine laufende Versicherung beitragsfrei fortzuführen oder gar eine Kündigung auszusprechen, verliert der Verbraucher einen Teil der im Regelfall bereits gezahlten Abschlusskosten seiner Versicherung. Grund hierfür ist die zumeist mangelhafte Flexibilität von Altersvorsorgeprodukten.

Um die vorgenannte Situation nicht heraufzubeschwören, sollten Verbraucher sich daher gewissenhaft mit der Frage auseinandersetzen, welche Lebensziele gegebenenfalls mit einem laufenden Altersvorsorgeprodukt kollidieren könnten. Dies kann bedeuten, dass der Abschluss eines Altersvorsorgeprodukts zu Gunsten von Eigenkapital zum Immobilienerwerb zurückzustellen wäre oder es die laufende Besparung eines Versicherungsvertrags zu drosseln gilt. Letzteres ist insbesondere im Umfeld von betrieblicher Altersvorsorge und Rürup-Renten anzuraten, die lediglich ein überschaubares Ergebnis für den Sparer bereithalten.

Die so gewonnene Liquidität sollte dann auf flexible Geldanlagen, beispielsweise Tages- und Festgeld, aber auch auf bewusst ausgewählte Wertpapiere verteilt werden.

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