Garantiezins: Absenkung auf unter 1 Prozent

Aktuell, Altersvorsorge, betriebliche Altersvorsorge, Privat-Rente, Riester-Rente

Bereits der derzeitige Garantiezins, in Höhe von 1,25 %, rangiert auf historisch niedrigem Niveau. Noch vor zehn Jahren lag dieser bei 2,75 %. Nun plant das Bundesfinanzministerium die Absekung auf 0,9 %. Verbraucher, Verbraucherschützer und auch Versicherungen sind alarmiert.

Garantiezins: Absenkung auf unter 1 Prozent
Der Garantiezins befindet sich seit mehr als 12 Jahren auf Talfahrt. Nun droht eine erneute Absenkung.

Absenkung zum 01.01.2017

Der bisherige Garantiezins gilt seit Januar 2015. Er blickt auf eine über einhunderjährige Tradition zurück. Bereits seit 2004 markiert der Garantiezins, der offiziell als Höchstrechnungszins bezeichnet wird, immer neue Tiefststände.

Die Pläne des Bundesfinanzministeriums sehen nun eine erneute Absenkung vor. Zum 01.01.2017 sollen die bisherigen 1,25 % auf 0,9 % angepasst werden. Schuld ist das anhaltende Niedrigzinsniveau, was zunehmend Sorge um die hiesige Versicherungswirtschaft schürt. Der gültige Garantiezins gibt an, welcher Zins einem Verbraucher im Minimum zusteht. Abhängig von seiner Höhe sind kapitalbildende Versicherungen, wie Lebens-, Rentenversicherungen oder beispielsweise die Riester-Rente. Ersparnisse auf Tages- und Festgeld sind vom Garantiezins ausgenommen. Verbraucher sind im Zuge der aktuellen Diskussionen verunsichert und fürchten um ihre Ersparnisse und Altersvorsorge.

Es gilt jedoch zwischen laufenden Verträgen und Neuabschlüssen zu unterscheiden. Denn ein zwischen Juli 1994 und Juni 2000 abgeschlossener Vertrag bietet auch heute noch astronomisch anmutende 4 %. Damit stellen laufende Verträge, die zu Zeiten eines höheren Garantiezinsniveaus abgeschlossen wurden, meist eine attraktive Geldanlagen oder Altersvorsorge dar. Der Neuabschluss hingegen verliert zunehmend an Attraktivität. Nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten bleibt vielfach nur eine Verzinsung auf Tagesgeldniveau.

Abschluss- und Verwaltungskosten bleiben unberücksichtigt

Zudem müssen Verbraucher sich bewusst sein, dass der Garantiezins einen Vor-Kosten-Zins darstellt. Gemindert um Abschluss- und Verwaltungskosten können die gegenwärtigen 1,25 % so mitunter auf 0,2 % schrumpfen. Die vom Versicherer gebotenen Leistungen sollten daher kritisch betrachtet und verglichen werden. Als Vergleichsmaßstab kann Tages- und Festgeld, vorzugsweise von Direktbanken, herangezogen werden.

Auch im Hinblick auf Überschüsse ist Vorsicht geboten. Hierbei handelt es sich um zusätzlich aber nicht garantierte Werte. Sie verleiten einige Versicherer dazu, teils astronomische Prognosen auszusprechen. Ein Blick auf die Überschüsse der Branche zeigt, dass die Niedrigzinspolitik unlängst Einzug gehalten hat. Beleg hierfür sind stetig sinkende Überschüsse bei nahezu allen Versicherern. Eine Umkehrung dieses Trends ist bislang nicht abzusehen. Verbraucher sollten sich daher unbedingt an garantierten Werten orientieren.

Versicherungen und Verbraucherschützer lehnen Absenkung ab

Unerwarteter Gegenwind entsteht auf Seiten der Versicherungen. Sie lehnen die abermalige Absenkung ab und verweisen auf gute Geschäfte – die Branche könne sich auch den gegenwärtigen Garantiezins leisten.

Diese guten Geschäfte wären vermutlich in akuter Gefahr, würde das Bundesfinanzministerium Ernst machen. Verbraucherschützer weisen unlängst auf die mangelnde Attraktivität von Lebens- und Rentenversicherungen hin. Diese würde weiter abebben, sollten die garantierten Werte abermals abgeschmolzen werden.

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