Garantiezins: Künftig unter 1 %

Aktuell, Altersvorsorge, betriebliche Altersvorsorge, Privat-Rente, Riester-Rente, Rürup-Rente

Die private Altersvorsorge steht unter erheblichem Druck. Insbesondere das deutlich spürbare Niedrigzinsniveau trägt seinen Teil dazu bei. Unter ihm leiden auch Banken und Versicherungen. Um letztere zu entlasten, wird erneut der Garantiezins gesenkt.

Garantiezins: Künftig unter 1 %
Das Bundesfinanzministerium plant die erneute Absenkung des Garantiezinses von 1,25 % auf nur noch 0,90 %.

Absenkung per Januar 2017

Die beliebteste Form, um privat für das Alter vorzusorgen, ist die Versicherung. Sie punktete über Jahrzehnte mit Hilfe eines planbaren Garantiezinses. Betrug dieser noch zwischen 1994 und 2000 überzeugende 4 %, sank er bis heute auf lediglich noch 1,25 %.

Selbst dieses Garantiezinsniveau mutet noch attraktiv an. Schließlich rangieren konservative Geldanlagen vielfach unterhalb eines Prozentpunkts. Im Gegensatz zu Tages- und Festgeld stellt der Garantiezins jedoch einen Vor-Kosten-Zinssatz dar. Er wird durch Abschluss- und Verwaltungskosten des Versicherungsvertrags gemindert und schrumpft so deutlich in sich zusammen. Aus anfänglichen 1,25 % werden so schnell magere 0,3 % bis 0,6 %. Es wird jedoch befürchtet, dass auch das derzeitige niedrige Garantiezinsniveau noch ausreichend Potenzial besitzt um Versicherer in Bedrängnis zu bringen.

Aus diesem Grund leistet das Bundesfinanzministerium Schützenhilfe. Es senkt die offiziell als Höchstrechnungszins bezeichnete Garantie von 1,25 % auf 0,9 %. Damit stellt sich ab Januar 2017 ein erneutes historisches Tief ein.

Neuabschlüsse bereits heute unattraktiv

Betroffen von dieser Entscheidung sind Verbraucher, die mit der Planung ihrer Altersvorsorge auf das kommende Jahr warten. Bestehende Verträge, innerhalb derer sich durch den Abschluss ein höheres Garantiezinsniveau gesichert wurde, laufen im Regelfall zu den vereinbarten Konditionen weiter.

Diese Entwicklung sollte Verbraucher jedoch nicht veranlassen, den Abschluss von Verträgen zur privaten Altersvorsorge zu übereilen.

Bereits das gegenwärtige Zinsniveau lässt insbesondere Renten- und Lebensversicherungen unattraktiv erscheinen. Dieser Umstand würde sich durch die erneute Absenkung lediglich weiter verstärken. Wer hingegen heute von einer Riester-, Rürup-Rente oder betrieblichen Altersvorsorge profitiert, wird dies voraussichtlich auch künftig tun. Kinderreiche Familien profitieren beispielsweise in bedeutend größerem Umfang von der staatlichen Förderung der Riester-Rente, als vom gebotenen Zins. Ebenso sollten Verbraucher, deren Arbeitgeber große Teile zur betrieblichen Altersvorsorge beitragen, diesen Bonus deutlich schwerer als den gebotenen Garantiezins gewichten.

Statistik: Laufende Verzinsung der Lebensversicherer in Deutschland von 2000 bis 2016 | Statista

Vorsicht vor Überschüssen und Prognosen

Die momentane Situation veranlasst mehr und mehr Verbraucher auf die klassische Form der Altersvorsorge zu verzichten. Anstelle von Versicherungsverträgen wird zunehmend auf klassische Kapitalanlagen oder Immobilien gesetzt.

Insbesondere Berater von Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben leiden unter dieser Entwicklung. Für sie zählen die Provision abgeschlossener Altersvorsorgeverträge zu den höchsten der Branche. Um Verträge weiterhin attraktiv erscheinen zu lassen, verweist man daher gern auf Überschüsse oder auch Überschussbeteiligungen. Diese sollen die mageren Garantien in Richtung von 2 % oder gar 3 % katapultieren. Doch einerseits handelt es sich auch bei den ausgewiesenen Überschüssen vielfach um Vor-Kosten-Zinssätze und andererseits werden diese Werte nicht garantiert.

Die Höhe der langfristig erwirtschafteten Überschüsse hängt in erster Linie vom Kapitalmarkt ab. Herrschen dort Niedrigzinsen vor, können diesem Umstand selbst Versicherungskonzerne nur wenig entgegensetzen. Erkennbar wird dies, wenn man die Entwicklung der Überschüsse binnen der vergangenen Jahre beleuchtet. Hier müssen auch Versicherungen und ihre Kunden dem anhaltenen Niedrigzinsniveau Tribut zollen. Künftig dürfte sich dieser Effekt sogar weiter verstärken, weshalb Verbraucher den in Aussicht gestellten Überschüssen mit großer Vorsicht gegenübertreten sollten. Heutige Werte sollten keinesfalls für einen langfristigen Zeitraum unterstellt werden, wer seine private Altersvorsorge plant ist gut beraten, sich an den Garantien zu orientieren.

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