Gebühren für die Ersatz-Karte unzulässig

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Sie sind kaum mehr wegzudenken: Bankkarten. So ist es vorprogrammiert, dass eine verlorene oder gestohlene Bankkarte erst gesperrt und anschließend ersetzt wird. Für die Ausstellung einer Ersatz-Karte verlangen einige Banken mitunter hohe Gebühren. Diese Gebühren hat nun der BGH gekippt – mit wenigen Ausnahmen.

Gebühren für die Ersatz-Karte unzulässig

Verloren oder gestohlen? Kostenlose Ersatz-Karte!

Im verhandelten Fall verlangte die Postbank eine Gebühr in Höhe von 15,- EUR für die Ersatz-Karte. Diese Gebühr ist nach Ansicht des BGH nicht gerechtfertigt. Vielmehr sieht man sämtliche Banken in der Pflicht, verlorene oder gestohlene Karten kostenlos zu ersetzen.

Die in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (kurz: AGB) veranschlagten Gebühren stellen konkret eine unangemessene Benachteiligung der Verbraucher dar.

Doch nicht immer kommen Verbraucher kostenlos davon. Das vorliegende Urteil bezieht sich bislang ausschließlich auf verlorene und gestohlene Karten.

Bankkarten sollten pfleglich behandelt werden!

Wer seine Bankkarte benutzt, um die ins Schloss gefallene Tür zu öffnen, sollte mit Fingerspitzengefühl ans Werk gehen. Banken, die eine beschädigte Bankkarte ersetzen, dürfen die Ausstellung einer Ersatz-Karte weiterhin mit Gebühren belegen.

4 comments

  • Hallo Herr Englschalk,
    Ist es ebenso unzulässig, wenn eine Bank Gebühren dafür erhebt, wenn die Karten einer Namensänderung bedürfen (Beispiel: Eheschließung)?

    • Guten Tag Herr Djalvand,

      die Verbraucherzentralen haben auch in diesem Fall interveniert. Kunden sind in der Pflicht, eine Heirat zeitnah bei ihrer Bank anzuzeigen.

      Die Ausstellung einer Ersatz-Karte mit neuem Namen stellt daher im Grunde keine Service-Leistung dar, die Seitens der Bank bepreist werden dürfte. Jedoch bezieht das aktuelle Urteil sich ausschließlich auf verlorene bzw. gestohlene Bankkarten.

      Sie sollten sich dennoch auf folgendes Urteil des BGH berufen: Az. XI ZR 166/14

      In diesem Urteil wird im Kern ausgesagt, dass ebendiese Service-Leistungen (Sie haben die Karte beschädigt bzw. abgenutzt) bepreist werden dürfen und die vertraglich verpflichtende Ausstellung keine Kosten für Sie aufwerfen darf.

      Fazit: Keine konkrete Rechtsprechung, damit keine vollständige Rechtssicherheit! Aber die Tendenz der Rechtsprechung signalisiert, dass auch im Falle einer Namensänderung keine Service-Leistung sondern eine vertragliche Verpflichtung unterstellt werden darf.

  • Hallo Herr Englschalk,
    vielen Dank für Ihre Antwort. Auf welche Weise soll man gegen die Gebühr Beschwerde einlegen? Per Post/Email oder geht das auch einfach per Telefon?
    Danke im Voraus.

    • Guten Tag Herr Djalvand,

      auf telefonischem Weg ist es nicht immer ganz einfach, an einen Entscheidungsträger zu kommen. Daher favorisiere ich die E-Mail bzw. den Brief für solche Sachverhalte. Die Chancen auf Erfolg hängen in diesem Fall insbesondere an der Argumentation – wird der Inhalt eines Anrufs im Anschluss per „Stille-Post-Verfahren“ durch die Abteilungen gereicht, sind Reibungsverluste jedoch vorprogrammiert.

      Die Argumentation sollte folgendermaßen aufgebaut sein:

      1. Ihnen wurde eine Gebühr in Höhe von X,XX EUR für die Ausstellung einer Ersatz-Karte in Rechnung gestellt.
      2. Die Ausstellung stand in Verbindung mit einer Namensänderung.
      3. Sie sind vertraglich verpflichtet, eine Namensänderung umgehend anzuzeigen – was auch zur Sperrung der alten Karte führt.
      4. Die Ausstellung einer Ersatz-Karte ist daher als obligatorisch anzusehen.
      5. Aus diesem Grund fordern Sie die Gebühr zurück.
      6. Diese Kernaussage spiegelt das Urteil – Az. XI ZR 166/14 – wieder

      Mit dieser Argumentationskette sollten Sie die Chancen auf Erstattung der erhobenen Gebühr erhöhen können.

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