Gewinne absichern – ohne Expertenkenntnisse

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Die vergangenen Jahre haben bei zahlreichen Anlegern für beträchtliche Gewinne gesorgt. Nun stellen sich viele die Frage, wie man diese Gewinne absichern kann. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie dieses Ziel ohne Expertenkenntnisse und hohen Zeitaufwand realisieren können.

10 Minuten pro Quartal für: Depot und Fondspolice

Wer Gewinne absichern möchte, sollte mit einer Bestandsaufnahme beginnen. Gefragt sind neben Depots auch Fondspolicen. Diese müssen, um Gewinne absichern zu können, nicht zwingend gekündigt werden – ein Fondswechsel ermöglicht vielfach den Fortbestand der Fondspolice.

  1. Verschaffen Sie sich einen Überblick. Mit einem ordinären DIN-A4-Blatt oder einer Excel-Tabelle und Kopien Ihrer Depotauszüge und Standmitteilungen (Fondspolice) sind Sie bestens gerüstet.
  2. Sie benötigen nun lediglich zwei Zahlen: Die Wertpapierkennnummer (kurz: WKN) oder die ISIN Ihrer Anleihen, Fonds oder Aktien, sowie den aktuellen Kurs. Sind Ihre Depotauszüge und Standmitteilungen älter als einen Monat, sollten Sie den aktuellen Kurs abfragen.
    1. Mit Hilfe von Google können Sie dies im Handumdrehen. Geben Sie hierzu einfach die Wertpapierkennnummer bzw. ISIN in das Suchfeld ein. In vielen Fällen wird Ihnen bereits jetzt der aktuelle Kurs angezeigt. Sollte dies nicht der Fall sein, empfehle ich Ihnen direkt Plattformen wie OnVista und finanzen.net anzusteuern.

Die vor Ihnen liegende Liste sollte nun folgendermaßen aufgebaut sein:

Position
WKN
ISIN
Kurs
A
123456
75,00 EUR
B
DE0001234567
100,00 EUR

Wenn Sie diese Vorbereitungen getroffen haben, beginnt die eigentliche Arbeit. Um Gewinne absichern zu können, müssen Verluste begrenzt werden.

Definieren Sie hierzu eine Verlustgrenze. Diese kann beispielsweise 5 – 10 % unter dem aktuellen Kurs liegen. Nehmen Sie nun die Verlustgrenze in Ihre Liste auf:

Position
WKN
ISIN
Kurs
Verlustgrenze
Kursschwelle
A
123456
75,00 EUR
-10 %
67,50 EUR
B
DE0001234567
100,00 EUR
-5 %
95,00 EUR

Bei der Berechnung der Kursschwelle hilft Ihnen wahlweise ein Taschenrechner oder Google.

Rechenoperation:

Taschenrechner
75,00 – 10 %
Drücken Sie nun zweimal die „=“-Taste
Ergebnis: 67,5

Google
75,00 – 10 %
Drücken Sie nun einmal die Enter-Taste
Ergebnis: 67,5

Die Vorbereitungen, um Ihre Gewinne absichern zu können, sind hiermit abgeschlossen. Nun sollten Sie folgende einfache Schritte regelmäßig durchführen:

  • Fragen Sie den aktuellen Kurs erneut ab (orientieren Sie sich hierzu ggf. am Punkt 2.1.).
  • Tragen Sie den aktuellen Kurs in Ihre Liste ein.
  • Ermitteln Sie erneut die Kursschwelle.

Wie häufig Sie diese Schritte durchführen, ist und bleibt Ihnen überlassen. Ich empfehle mindestens einen quartalsweisen Rhythmus. Ist Ihr Depot bzw. Ihre Fondspolice mit schwankungsanfälligen Wertpapieren bestückt, sollte der Rhythmus deutlich kürzer gewählt werden.

Ihre Liste sollte nun folgendermaßen erweitert werden:

Position
WKN
ISIN
Kurs
Verlustgrenze
Kursschwelle
A
123456
75,00 EUR
81,00 EUR
-10 %
67,50 EUR
72,90 EUR
B
DE0001234567
100,00 EUR
98,00 EUR
-5 %
95,00 EUR
95,00 EUR

Der gestiegene Kurs von Position A hat dazu geführt, dass die Kursschwelle angehoben werden konnte. Auf diese Weise finden auch zukünftige Gewinne im Rahmen der Verlustgrenze Berücksichtigung.

Der gefallene Kurs von Position B führt hingegen zu keiner Veränderung an der Kursschwelle!

Wichtig:

In das Feld „Kursschwelle“ dürfen ausschließlich steigende (s. Position A) oder gleichbleibende Werte eingetragen werden. Ist der Kurs einer Position gefallen (s. Position B) bleibt die Kursschwelle gleich.

Wer Gewinne absichern möchte, muss diszipliniert sein. Es genügt nicht, sich an den Rhythmus zur Überwachung zu halten. In dem Moment, wo eine Kursschwelle erreicht oder bereits unterschritten wurde, muss gehandelt werden. Hier Scheitern die meisten Anleger!

Machen Sie daher eines zu Ihrem ungeschriebenen Gesetz: Wird Ihre Kursschwelle von einer Position erreicht oder unterschritten, muss verkauft (Depot) oder umgeschichtet (Fondspolice) werden. Wenn Sie Ihre Wertpapiere in einem Depot und nicht in einer Fondspolice verwahren, können Sie den Anbieter Ihrer Depots auf einen sogenannten Trailing-Stop-Loss ansprechen. Dieser Trailing-Stop-Loss nimmt Ihnen auf technische Weise das ab, was Sie mit Hilfe Ihrer Liste abbilden. Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie allerdings den damit verbundenen Kosten schenken – nur selten wird ein Trailing-Stop-Loss kostenlos angeboten.

Auf diese Weise können Sie einerseits Gewinne ausbauen und andererseits bereits erwirtschaftete Gewinne absichern. Die von Ihnen zu investierende Zeit beschränkt sich auf die Aktualisierung der Kurse und der Anpassung der Kursschwelle. Expertenkenntnisse, wie man sie benötigt, um die Entwicklung Ihrer Positionen exakter einschätzen zu können, sind hingegen nicht notwendig.

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