Jedes Wertpapier ist ein Gewinner – aber nicht zwingend Sie!

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Vielleicht gehören auch Sie zu den Anlegern, die sich kurz vor ihrem ersten Schritt in Richtung Börse befinden. Niedrige Zinsen und attraktive Kurse drängen diesen Weg ebenso auf wie narrensichere Indexfonds (auch: ETF) in Verbindung mit wundersamen Strategien. Sie merken bereits an der Wortwahl, so einfach kann es scheinbar nicht sein. Doch wie können Einsteiger sicher und nachhaltig in Wertpapiere investieren?

Jedes Wertpapier ist ein Gewinner - aber nicht zwingend Sie!

Jedes Wertpapier ist ein Gewinner

So verrückt die These „Jedes Wertpapier ist ein Gewinner“ auch anmutet, sie hat einen wahren Kern. Ob dieses Wertpapier jedoch Sie als Anleger zum Gewinner werden lässt, steht noch auf einem anderen Blatt Papier! Diese Frage ist elementar von einem Faktor abhängig: Ihrem Ein- und Ausstieg. Kaufen Sie zu Zeiten hoher Kurse Aktien, Fonds oder auch Indexfonds, setzt Sie diese Tatsache unter einen zusätzlichen und unnötigen Druck. Denn erst wenn diese hohen Kurse abermals überflügelt werden, zählen Sie zu den Gewinnern.

Eine zweite Weisheit, die Sie daher im Hinterkopf manifestieren dürfen, lautet daher „Gewinn entsteht im Einkauf“.

Haben Sie etwas bemerkt? Bislang war noch nicht die Rede von niedrigen Zinsen! Das liegt daran, dass ein hoher Kurs auch zu Zeiten niedriger Zinsen immer noch ein hoher Kurs bleibt. Damit sollten niedrige Zinsen vielmehr als ein Argument gegen die eigene Hausbank verstanden werden – Sie sollten sich jedoch nicht veranlasst fühlen, aufgrund niedriger Zinsen den Weg in Richtung Börse einzuschlagen.

Doch woran sollen Sie erkennen, ob der momentane Kurs gerade hoch ist oder gar einen attraktiven Einstieg darstellt? An exakt dieser Stelle beginnt das, wovor die meisten zurückschrecken: Arbeit!

Von Arbeit hat niemand etwas gesagt

Wenn Sie bislang mit konservativen Geldanlagen glücklich waren, muss Sie irgendetwas auf die Idee gebracht haben, sich nun mit Wertpapieren auseinanderzusetzen. In aller Regel sind es nicht allein niedrige Zinsen, die Sie zu diesem Entschluss geführt haben.

In vielen Fällen sind es vollmundige Versprechen von Beratern oder den Medien:

Trugschluss Nr.1
„Sie müssen nur genug Zeit mitbringen, um von Wertpapieren zu profitieren!“
Halten Sie eine Laufzeit von 15 Jahren für angemessen? Der DAX hätte Sie während dieser Zeit mit sagenhaften 61,54 % ausgestattet, der momentan beliebte MSCI World läge immer noch bei 26,81 %. Doch während dieser Zeit wären Sie ohne größere Anstrengung durch Tages- und Festgeld überrundet worden! 61,54 % entsprechen nämlich über einen Zeitraum von 15 Jahren einer bescheidenen jährlichen Rendite von 3,25 %, die 26,81 % des MSCI World rangieren bei mageren 1,6 %.

Langzeitrendite beliebter Indizes
(DAX | MSCI World | Dow Jones | EURO STOXX 50)
  
DAX
Zeitraum
Rendite (gesamt)
Rendite (pro Jahr)
01/2001 - 01/2016
(15 Jahre)
61,54 %
3,25 %
01/2006 - 01/2016
(10 Jahre)
86,89 %
6,45 %
01/2001 - 01/2011
(10 Jahre)
8,74 %
0,84 %
MSCI World
Zeitraum
Rendite (gesamt)
Rendite (pro Jahr)
01/2001 - 01/2016
(15 Jahre)
26,81 %
1,60 %
01/2006 - 01/2016
(10 Jahre)
27,11 %
2,43 %
01/2001 - 01/2011
(10 Jahre)
- 8,18 %
- 0,85 %
Dow Jones
Zeitraum
Rendite (gesamt)
Rendite (pro Jahr)
01/2001 - 01/2016
(15 Jahre)
60,93 %
3,22 %
01/2006 - 01/2016
(10 Jahre)
57,68 %
4,66 %
01/2001 - 01/2011
(10 Jahre)
9,95 %
0,99 %
EURO STOXX50
Zeitraum
Rendite (gesamt)
Rendite (pro Jahr)
01/2001 - 01/2016
(15 Jahre)
- 32,88 %
- 2,62 %
01/2006 - 01/2016
(10 Jahre)
- 12,94 %
- 1,38 %
01/2001 - 01/2011
(10 Jahre)
- 40,15 %
- 5,00 %

Insbesondere am Beispiel des DAX können Sie erkennen, wie wichtig der richtige Ein- und Ausstieg ist. Dieser Faktor kann darüber entscheiden, ob Sie glücklich und zufrieden mit 6,45 % (01/2006 – 01/2016) aus dem Rennen gehen oder sich mit 0,84 % (01/2001 – 01/2011) zufrieden geben müssen.

Verdeutlichen sollen Ihnen diese Beispiele allerdings noch eine zweite Masche von Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben. Diese Anbieter spielen nur zu gern mit der Gesamtrendite ihrer Angebote. Der Blick auf die jährliche oder durchschnittliche Rendite enlarvt viele Angebote jedoch schnell als Rohrkrepierer.

Behalten Sie also im Hinterkopf:

  • Lange Laufzeiten funktionieren nicht bedingungslos – es kommt auf den richtigen Ein- und Ausstieg an!
  • Eine hohe Gesamtrendite sollte immer in die jährliche oder durchschnittliche Rendite übersetzt werden – diese kann bedeutend niedriger ausfallen, als erwartet!

Trugschluss Nr. 2
„Setzen Sie auf Indexfonds!“
Ob Sie auf Aktien, Fonds, Indexfonds oder anderweitige Wertpapiere gesetzt haben, interessiert die Börse überhaupt nicht. Das soll bedeuten, dass Indexfonds Sie nicht automatisch zum Gewinner werden lassen. Andernfalls müsste sich an der Börse eine Abteilung für Ungleichbehandlung finden, die Sie allein für die Tatsache, dass Sie auf Indexfonds setzen, mit einer höheren Rendite beglückt. Haben Sie mit einem solchen Indexfonds auf den EURO STOXX50 gesetzt, sind Sie demnach und mit größter Wahrscheinlichkeit Verlierer.

Das alles soll jedoch nicht bedeuten, dass Indexfonds schlecht wären. Nein, sie sind sogar sehr interessant! Sie ermöglichen es Ihnen, ohne die exorbitanten Kosten eines aktiv gemanagten Fonds wie Ihr favorisierter Index anzulegen. Zusätzlich profitieren Sie von einem Höchstmaß an Transparenz, da Sie exakt nachvollziehen können, was in diesem Index vor sich geht und wie er sich bewegt. Zu kompliziert?

Sie möchten vielleicht in etablierte deutsche Unternehmen investieren, wie sie im DAX vertreten sind. Im DAX stecken aktuell 30 dieser Unternehmen. Über diese Unternehmen werden Sie nahezu automatisch informiert, da sie in Deutschland eine große Rolle spielen. Sie müssen lediglich die Tagesschau verfolgen und wissen anschließend, wie es der Deutschen Bank, Volkswagen und dem Rest dieser Unternehmen geht. Auch dem aktuellen Stand des DAX kommt man mit Leichtigkeit auf die Schliche. All dies bedeutet ein Höchstmaß an Transparenz!

Ein aktiv gemanagter Fonds macht es Ihnen diesbezüglich etwas schwerer. Während die im DAX vertretenen Unternehmen bekannt sind, können die im aktiv gemanagten Fonds vertretenen Unternehmen kurzfristig wechseln. Um einem solchen Wechsel auf die Schliche zu kommen, müssen Sie als Anleger aktiv werden. Das kostet Sie nicht nur Zeit sondern auch Transparenz! Zusätzlich entstehen Ihnen durch das Management, was sich in vielen Fällen nicht Ei mal auszahlt, Kosten.

Demnach ein Punktsieg für den Indexfonds in Sachen Transparenz und Kosten. Allerdings sollten Sie auch von einem Indexfonds nicht erwarten, dass er Sie am Ende zum Gewinner macht! Gewinner sind Sie dann, wenn Sie zusätzlich auf den richtigen Index gesetzt haben.

Behalten Sie zusätzlich im Hinterkopf:

  • Ein Indexfonds macht Sie nicht automatisch zum Gewinner – über diesen Faktor entscheiden Sie, indem Sie zusätzlich auf den richtigen Index setzen!
  • Wer jedoch „wie ein Index“ anlegen möchte, kann dies mit Hilfe eines Indexfonds – er bietet Ihnen ein Höchstmaß an Transparenz bei gleichzeitig niedrigen Kosten!

Trugschluss Nr. 3
„Mit einfachen Strategien zu traumhafter Rendite“!
Manche Versprechen sind zu schön, um wahr zu sein. Eines dieser Versprechen gaukelt Ihnen vor, ein bisschen hiervon und ein bisschen davon, und Sie sind ohne erwähnenswerten Aufwand ein Gewinner. In der Regel ist die Rede von einem bisschen Aktie und einem bisschen Rente – gern in Form von Indexfonds.

Hand auf’s Herz! Wäre es so einfach, hätte man bereits vor mehreren Jahrhunderten das Festgeld durch derartige wundersame Strategien ersetzt.

Fakt ist jedoch, dass Festgeld weiterhin existiert und die alten wundersamen Strategien regelmäßig durch neue wundersame Strategien ersetzt werden. Der Grund hierfür ist ganz einfach. Früher oder später erkennen Sie, dass die alten Strategien nicht funktionieren. Um Sie bei der Stange zu halten, muss man Ihnen daher eine neue Strategie präsentieren. Nichtsdestotrotz klammern sich Einsteiger wie Experten an die Hoffnung, dass dieser heilige Gral irgendwann gefunden wird.

Und noch etwas für Ihren Hinterkopf:

  • Es gibt nicht die Strategie, die einen sicheren Umgang mit Wertpapieren ohne nennenswerten Zeitaufwand verspricht und auch noch hält – eine Strategie wird dann sicher, wenn Sie sie auf den Markt abstimmen, sie anpassen und überwachen!
  • Möchten Sie einer solchen Strategie dennoch folgen, drosseln Sie Ihre Erwartungshaltung – ein Maximum an Sicherheit in Verbindung mit attraktiver Rendite setzt steht immer in Verbindung mit Arbeit!

Was wollen Sie eigentlich?

So kurios es anmutet, die wenigsten Anleger wissen, was sie wirklich wollen. In den meisten Fällen handelt es sich um unmögliche Vorstellungen von „Will ich!“ und „Will ich nicht!“.

Unmöglich ist:

„Ich will 6 %, Sicherheit und mich nicht kümmern müssen!“

Möglich ist:

„Ich will meine Ersparnisse vor Inflation schützen!“
„Ich will kein Risiko eingehen!“
„Ich will mich nicht kümmern müssen!“

Sie sind bei diesen Vorstellen ein konservativer Anleger. Das ist nicht schlimm, sondern gut zu wissen! Von Wertpapieren sollten Sie jedoch tendenziell die Finger lassen.

„Ich will eine noch attraktivere Rendite!“
„Ich bin bereit, ein Restrisiko zu tragen!“
„Ich werde zusätzlich Zeit und Kenntnisse einsetzen!“

Sie sind ein Investor. Wenn Sie wollen, können Sie sich mit Wertpapieren auseinandersetzen. Doch auch für Sie ist es nicht verpflichtend. Auch mit konservativen Geldanlagen tun Sie Ihre Schuldigkeit.

Als konservativer Anleger macht man es Ihnen momentan leicht. Die Inflation, mit der Sie Schritt halten wollen, liegt unter 0,3 %. Bereits mit schlechtem Tages- und Festgeld liegen Sie oberhalb dieser Hürde – ganz zu schweigen davon, wenn Sie sich für gute Angebote entscheiden.

Parken Sie auf einem Tagesgeld die Beträge, auf die ein kurzfristiger Zugriff möglich sein muss. Als Neukunde genießen Sie zeitlich begrenzt bis zu 1,25 %, selbst als Bestandskunde rangieren gute Angebote um 1 %. Teile Ihrer Ersparnisse, auf die Sie für 12, 24 oder 36 Monate sicher verzichten können, sollten auf ein Festgeld wandern. Dort sichern Sie sich über diese Zeiträume bis zu rund 1,6 %! Damit liegen Sie weit oberhalb der Inflation, tragen keine Risiken und müssen sich nicht kümmern.

Angebote, die auf Herz und Nieren geprüft sind, finden Sie hier: Tagesgeld und Festgeld

Sind Sie jedoch der besagte Investor, wissen Sie vermutlich, was zu tun ist. Möchten Sie erst noch ein solcher Investor werden, sollten Sie es vorerst ruhig angehen lassen. Wenn Sie bereits mit den Hufen scharren und um jeden Preis kurzfristig in Wertpapiere investieren wollen, sind Verluste vorprogrammiert.

Mit diesen Schritten können Sie sich auf den Weg in Richtung Börse vorbereiten:

1. Wo sehen Sie Wachstum?
Machen Sie ein Brainstorming und fahnden Sie nach Unternehmen, Branchen oder Regionen, die Wachstum versprechen. Vergessen Sie in diesem Zusammenhang nicht, die Gründe für Ihre Annahme zu notieren. Versuchen Sie anschließend, diese Gründe Stück für Stück zu untermauern. Hilfreich hierbei sind beispielsweise Tools wie Google News, OnVista oder finanzen.net. Diese Anlaufstellen versorgen Sie vorerst mit den Informationen, die wichtig sind und überladen Sie nicht.

Sie sollten nun eine Liste vor sich haben, die eine Menge Wachstum verspricht.

2. Kann man dieses Wachstum konkretisieren?
Stehen auf Ihrer Liste vornehmlich Branchen und Regionen? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass in diesen Branchen und Regionen auch Verlierer stecken. Versuchen Sie diese Verlierer ausfindig zu machen und sortieren Sie sie aus. Sie möchten schließlich nicht sehenden Auges auf einen Verlierer setzen.

Runde 2! Von den Verlierern haben Sie sich nun getrennt, versuchen Sie jetzt die Gewinner herauszukristallisieren. Diese Gewinner sollten Sie allerdings nicht aussortieren. Notieren Sie sich alle Gewinner samt der Zahlen, Daten und Fakten, die sie Ihrer Meinung nach zu Gewinnern machen.

3. Übertreiben Sie es nicht!
Natürlich können Sie, um Gewinner ausfindig zu machen, Bilanzen und Co. wälzen. Versuchen Sie es zu Beginn nicht zu sehr zu übertreiben. Haben Sie herausgefunden, dass ein Unternehmen insolvent ist, können Sie es ohne weitere Recherchen ausschließen. Umgekehrt müssen gute Rahmenbedingungen nicht durch alle verfügbaren Informationen untermauert werden.

4. Erstellen Sie eine Checkliste!
Auf einer Checkliste sollten Sie nun alle Gewinner verewigen. Zu diesen Gewinnern sollten die Informationen parat sein, die Sie zu dem Ergebnis haben kommen lassen, dass es sich um potenzielle Gewinner handelt.

Sie haben nun eine Liste vor sich, die bereits eine Menge Geld wert ist.

5. Das passende Wertpapier!
Sie wissen bereits, dass es weder die Zeit noch das Wertpapier ist, die Sie zum Gewinner machen. Das Wertpapier macht Sie nicht zum Gewinner, weil es lediglich das Mittel zum Zweck ist. Was Sie zum Gewinner macht, steht auf Ihrer Checkliste! Um Gewinner zu werden, müssen Sie sich nämlich an Gewinnern beteiligen. Suchen Sie daher Wertpapiere, mit denen Sie sich an Ihren Gewinnern beteiligen können.

6. Zu Beginn ein Musterdepot!
Sie dachten vermutlich, dass Sie nun Ihren ersten Euro anlegen? Falsch gedacht! Damit würden Sie ein immenses Risiko eingehen. Sie müssen sich erst vergewissern, dass Ihre Checkliste überhaupt das Papier wert ist, auf dem sie geschrieben ist.

Eröffnen Sie daher ein kostenloses Musterdepot im Internet oder mit Hilfe einer Excel-Tabelle. Dort sollten Sie notieren, wann Sie welches Wertpapier in welcher Stückzahl gekauft hätten. Diesen Aufwand treiben Sie nur, um Ihre Vorstellungen eines Gewinners zu bestätigen oder aber vom Gegenteil überzeugt zu werden. Gleichen Sie daher quartalsweise oder halbjährliche Ihre Argumente ab, die für Gewinner sprechen und prüfen Sie ob diese Argumente weiterhin vorliegen. Prüfen Sie auch, ob beispielsweise Gegenargumente in den Raum getreten sind.

Aber insbesondere sollten Sie Jahr für Jahr abgleichen, ob Sie durch Ihr Engagement mit einer attraktiven Rendite belohnt wurden.

Zum Schluss eine schlechte Nachricht für jeden zukünftigen Investoren

Sie sollten das beschriebene Prozedere rund drei Jahre durchhalten. Während dieser Zeit reichen Ihre Erfahrungen und Kenntnisse in der Regel noch nicht aus, um die Sicherheit Ihrer Ersparnisse zu gewährleisten und attraktive Renditen einzufahren. Verstehen Sie diese Zeit als eine Art Ausbildung.

Im Anschluss bleibt zu hoffen, dass Sie parallel weitere Ersparnisse angehäuft haben und nun genau wissen, wie Sie sich mit realem Geld in Richtung Börse bewegen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt überwiegen die Risiken die Chancen. Als Einsteiger ist die Gefahr bedeutend größer, überrollt zu werden, als sicher die gewünschte Rendite zu erzielen. Als zukünftiger Investor haben Sie so Zeit, sich in Geduld zu üben – eine weitere wichtige Eigenschaft.

Sie wünschen Sie mehr Tipps und Unterstützung auf Ihrem Weg in Richtung eines Investors? Schreiben Sie Ihre Wünsche, Fragen und Bedenken in die Kommentare.

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