Keine Stornogebühr bei Beitragsfreistellung und Kündigung

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Wer eine Versicherung beitragsfrei stellt oder kündigt, hat meist gute Gründe. Ärgerlich wird es, wenn in diesem Zusammenhang hohe Abschläge fällig werden: Stornogebühren. Auf genau diese Stornogebühren weisen Versicherungen regelmäßig hin und möchten damit Verbraucher von ihrem Vorhaben abbringen. Sämtliche Gerichte bestätigen, dass ein solcher Stornoabzug unter keinen Umständen zulässig ist – Verbraucher können die Rückerstattung fordern.

Keine Stornogebühr bei Beitragsfreistellung und KündigungBGH urteilte erstmals in 2001.

Bereits 2001 beschäftigte die Stornogebühr den BGH. Die damaligen Klauseln, so urteile der BGH, waren zu intransparent und damit unwirksam. Versicherungen besserten daraufhin nach und hielten an der Stornogebühr vorerst fest. Das ernüchternde Ergebnis aus Sicht der Branche folgte nur vier Jahre später, denn auch die nachgebesserten Klauseln wurden für unwirksam erklärt.

Bis 2012 beschäftigte die Stornogebühr regelmäßig die Landes- und Bundesgerichte. Im Kern wurden alle vorausgegangenen Urteile, die den Abzug einer Stornogebühr für unzulässig erachtet haben, bestätigt.

Verbraucher werden weiterhin mit der Stornogebühr konfrontiert.

Trotz eindeutiger Rechtsprechung erheben Versicherungen weiterhin die Stornogebühr. Verbraucher müssen daher wachsam sein und sollten Schriftverkehr eingehend prüfen. Wird im Rahmen einer Beitragsfreistellung oder Kündigung eine Stornogebühr veranschlagt, heißt es aktiv werden.

So reagieren Sie richtig:

Das OLG Köln (05.02.2010 – Az. 20 U 80/08) ist der Auffassung, dass erhobene Stornogebühren generell unzulässig sind. Auf dieses Urteil sollten Verbraucher im Rahmen einer Rückforderung Bezug nehmen.

Liegt die Beitragsfreistellung oder Kündigung bereits in der Vergangenheit und wurde in diesem Zusammenhang eine Stornogebühr abgezogen, sollten Sie jetzt tätig werden. Schreiben Sie die betroffene Versicherung unter Bezugnahme auf das Urteil des OLG Köln an und verlangen Sie eine Neuberechnung.

Im Falle einer Beitragsfreistellung sollte Ihnen nun eine korrigierte Aufstellung sämtlicher Vertragswerte zugestellt werden. Aus dieser geht hervor, welche Leistungen Sie am Ende der Versicherungsdauer zu erwarten haben. Diesem Wert muss die einbehaltene Stornogebühr samt Zins und Zinseszins gutgeschrieben worden sein. Stellt man Ihnen eine solche Auflistung nicht automatisch zur Verfügung, fordern Sie diese unbedingt nach.

Wurde Ihre Versicherung bereits gekündigt und ist die Stornogebühr einbehalten worden, sollten Sie diese unbedingt nachfordern. Im besten Fall folgt nun eine Nachzahlung in entsprechender Höhe. Einige Versicherer weisen darauf hin, dass im Rahmen der Kündigung ein sogenannter Mindestrückkaufswert ausgezahlt wurde. Ihnen steht jedoch die vollständige Rückerstattung der Stornogebühr zu – bleiben Sie standhaft.

Auch wenn es sich bei Ihrer Versicherung um eine sogenannte Englische Police handelt, können und sollten Sie Ansprüche geltend machen.

Holen Sie sich Unterstützung.

Gestaltet sich die Nachforderung der Stornogebühr schwieriger als gedacht, sollten Sie sich Unterstützung holen. Versicherer sehen sich mit hohen Nachforderungen konfrontiert und versuchen, diese nach Kräften abzuwenden: Nicht immer kommt der Verbraucher auf Anhieb zu seinem Recht.

Stoßen Sie auf Widerstand, können Verbraucherzentralen und der sogenannte Ombudsmann für die Durchsetzung Ihrer Nachforderung hilfreich sein.

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