Lebens- und Rentenversicherung: Widerruf statt Kündigung

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Es ist in den Köpfen vieler Verbraucher fest verankert: Eine Lebens- oder Rentenversicherung zu kündigen, ist mit hohen Verlusten verbunden. Der Grund hierfür ist, dass bereits gezahlte Abschluss- und Verwaltungskosten vom Versicherer einbehalten werden dürfen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs stärkt Verbrauchern nun den Rücken.

Lebens- und Rentenversicherung: Widerruf statt KündigungWarum Kündigungen vielfach mit Verlusten verbunden sind.

Zahlreiche Verbraucher scheuen die vorzeitige Kündigung ihrer Lebens- und Rentenversicherung. Hintergrund ist die Tatsache, dass nicht selten weniger auf dem Girokonto ankommt, als bislang eingezahlt wurde – ein glasklares Verlustgeschäft. Schuld an diesem Umstand sind hohe Abschluss- und Verwaltungskosten. Abschlusskosten belasten eine Police inbesondere in den ersten fünf Jahren massiv. Auf diesen vergleichsweise kurzen Zeitraum werden sämtliche Abschlusskosten, teils für jahrzehntelange Laufzeiten, verteilt.

Um im Falle einer Kündigung die eingezahlten Beiträge wiederzusehen, müssen Zinsen und Zinseszinsen in Höhe dieser Kosten erwirtschaftet worden sein.

Was ändert das Urteil des BGHs?

Vor einiger Zeit hatten der Bundesgerichtshof und der Europäische Gerichtshof bereits entschieden, dass Lebens- und Rentenversicherung noch nach Jahren widerrufen werden können. Formfehler in der Widerrufsbelehrung waren der Grund.

Das Urteil vom 29.07.2015 hat die vorangegangenen Urteile nochmals bestätigt und um einen entscheidenden Punkt erweitert.

Im Kern gestehen sämtliche Urteile dem Verbraucher ein anhaltendes Widerrufsrecht zu. Betroffen sind zahlreiche Verträge, die zwischen 1994 und 2008 geschlossen wurden. Verbraucher können Verträge anstatt sie zu kündigen selbst nach Jahren noch widerrufen. Diese Widerrufsfrist läuft im Normalfall bereits 30 Tage nach Erhalt der Police ab – durch den Formfehler ist diese Frist jedoch hinfällig.

Abschluss- und Verwaltungskosten müssen erstattet werden.

Verbrauchern, die von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen, müssen sämtliche Abschluss- und Verwaltungskosten erstattet werden. Sie erhalten durch den Widerruf sämtliche Beiträge zuzüglich Zinsen und Zinseszinsen erstattet.

Beiträge für Zusatzversicherungen, beispielsweise ein Todesfallschutz oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung, dürfen Versicherer jedoch zurückbehalten.

Woran erkenne ich eine falsche Widerrufsbelehrung?

Häufigster Fehler ist, dass die Widerrufsbelehrung in den meisten Policen im Kleingedruckten versteckt ist. Eine korrekte Widerrufsbelehrung muss jedoch klar erkennbar und hervorgehoben sein. Ein einzelnes Dokument, ausschließlich für die Widerrufsbelehrung, wäre der Königsweg. Dieser Fehler ist für Endverbraucher am offensichtlichsten.

Weitere Fehlerquellen sind inhaltlicher Natur und für Laien nur schwer zu entlarven. Hier empfiehlt es sich, im Zweifelsfall sachkundigen Rat einzuholen. Da das Einsparpotenzial in der Regel eine vierstellige Größenordnung erreicht, eine lohnenswerte Investition.

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