Lebensversicherung: Kapital oder Rente?

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Der Abschluss von Renten- und Lebensversicherungen stellt Verbraucher früher oder später vor eine entscheidende Frage: Kapital oder Rente? Welche dieser Optionen sich zum Ende der Versicherungslaufzeit als die richtige erweist, hängt dabei insbesondere von zwei Faktoren ab.

Lebensversicherung: Kapital oder Rente?
Renten- und Lebensversicherungen gehören weiterhin zu den verbreitetsten Altersvorsorgeprodukten.

Entscheidend ist der Rentenfaktor

Renten- und Lebensversicherungen haben zwei Phasen. Während der Ansparphase werden diese Verträge, ähnlich einer Geldanlage, bespart. Nebst Zinsen und Zinseszinsen werden Verbraucher jedoch auch mit Abschluss- und Verwaltungskosten konfrontiert. Diese Rahmenbedingungen haben entscheidenden Einfluss, in welchem Maß das Kapital während der Ansparphase wächst.

An die Ansparphase schließt sich zu gegebener Zeit dann die Auszahlphase an. Sie stellt den Verbraucher in der Regel vor die Entscheidung, Kapital oder Rente. Bei dieser Fragestellung spielt der sogenannte Rentenfaktor eine entscheidende Rolle. Er gibt an, wie alt ein Verbraucher werden muss, um von der angebotenen Rente zu profitieren. Erscheint das notwendige Endalter unrealistisch, liegt die Entscheidung nahe, sich für das angesparte Kapital zu entscheiden und die Verrentung gegebenenfalls in Eigenregie stattfinden zu lassen.

 
Rentenfaktor #1
Rentenfaktor #2
Kapital
(zum Rentenbeginn)
50.000,00 EUR
50.000,00 EUR
Rente
(ab dem 67. Lebensjahr)
252,72 EUR
131,63 EUR
unterstellte Verzinsung
1 %
1 %
zu erreichendes Endalter
85 Jahre
105 Jahre

Das Beispiel verdeutlicht eindrucksvoll, dass ein nachteiliger Rentenfaktor erhebliche Auswirkungen hat. Denn während Rentenfaktor #1 bereits mit 85 Jahren das angesparte Kapital ausgezahlt hat, der Verbraucher profitiert weiterhin von einer lebenslangen Rente, wurden gemäß Rentenfaktor #2 erst rund 31.150,- EUR ausgezahlt. Um die Gesamtsumme von 50.000,- EUR zur Auszahlung zu bringen, müssen Verbraucher weitere 20 Jahre durchhalten und ein Endalter von 105 Jahren erreichen.

Verbraucher sind daher gut beraten, den beschriebenen Rentenfaktor mit einem weiteren Faktor zu vergleichen. Dem Faktor der persönlichen Lebenserwartung. Erscheint die von der Versicherung vorgesehene Lebenserwartung unerreichbar, sollten Verbraucher von der angebotenen Rente Abstand nehmen und zur einmaligen Kapitalauszahlung tendieren.

Mein Tipp: Nicht um jeden Preis

Eine monatliche Rente hat etwas bequemes. Sie treffen eine Entscheidung und schalten ab diesem Zeitpunkt auf Autopilot. Insbesondere heute erscheint die Wahl des Kapitals problematisch, denn zu Zeiten niedriger Zinsen möchte man sich nur ungern mit Geldanlagen auseinandersetzen.

Sie sollten sich jedoch nicht um jeden Preis für die Rente entscheiden. Die Bequemlichkeit steht in der Reihenfolge dicht hinter der Lukrativität. Verlangt man Ihnen eine Lebenserwartung von 100 Jahren oder mehr ab, darf diese Lukrativität in Frage gestellt werden. Entscheiden Sie sich dann für die Kapitalauszahlung, wartet keineswegs immenser zeitlicher Aufwand auf Sie. Bereits eine Mischung aus Tagesgeld und Festgeld können adäquate und leistungsfähigere Alternativen darstellen.

Als Faustregel gilt, dass Ihnen pro 10.000,- EUR gebildetem Kapital mindestens 35,- EUR monatliche Rente (netto) angeboten werden sollte. Bei einer marktüblichen Verzinsung wäre das Kapital um das 95. Lebensjahr verbraucht. Damit täten Sie auch dem Langlebigkeitsrisiko im Regelfall genüge.

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