Lebensversicherung: Widerruf auch nach Kündigung möglich

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Die Kündigung einer Lebensversicherung geht im Regelfall mit Bauchschmerzen einher. Die mit dem Abschluss verbundenen Kosten sind verloren und erzeugen meist einen saftigen Verlust. Wer jedoch anstelle der Kündigung auf den Widerruf setzt, bekommt große Teile dieser Kosten rückerstattet. Dieser Weg gewann erst in den vergangenen Monaten an Popularität – und kommt Verbrauchern, die bereits vor Jahren gekündigt haben, nicht zu Gute? Falsch – ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm erlaubt den Widerruf selbst bei bereits gekündigten Verträgen.

Lebensversicherung: Widerruf auch nach Kündigung möglich

Wer kann seine Lebensversicherung widerrufen?

Knackpunkt ist die sogenannte Widerrufsbelehrung. Ist diese Widerrufsbelehrung fehlerhaft, begann die im Normalfall 30-tägige Frist nie zu laufen. Ein Widerruf ist somit selbst Jahre nach dem Abschluss noch möglich.

Verbrauchern steht in diesem Fall die Rückerstattung ihrer Beiträge sowie Nutzungszinsen zu, schließlich konnte die Versicherung zeitweise mit dem Geld arbeiten. Nicht rückerstattet werden allerdings Kosten für Zusatzversicherungen wie Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Gegenüber dem klassischen Weg, der Kündigung, spart man so insbesondere die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten.

Betroffen sind insbesondere Verträge, die zwischen Juli 1994 und Dezember 2007 abgeschlossen wurden. Neben der altbekannten Lebensversicherung sollten auch Rentenversicherungen, Riester- und Rürup-Renten überprüft werden. Den Inhalt der Widerrufsbelehrung auf Fehler hin zu überprüfen, erfordert jedoch Spitzfindigkeit. Empfehlenswert ist daher ein Termin mit einem versierten Rechtsanwalt oder der Verbraucherzentrale.

Und wenn die Lebensversicherung bereits gekündigt wurde?

Profitieren können auch Verbraucher, deren Lebensversicherung bereits gekündigt worden ist. Berufen kann man sich auf ein Urteil des Oberlandesgericht Hamm. Wer nicht korrekt über sein Widerrufsrecht informiert wurde, kann auch nicht adäquat zwischen Widerruf und Kündigung abwägen – so die Argumentation des OLG Hamm.

Das ermöglicht es Verbrauchern selbst nach Jahren, aus einer kostspieligen Kündigung einen attraktiven Widerruf werden zu lassen.

Nützliche Links:
Verbraucherzentrale
Urteil des OLG Hamm

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