Lebensversicherung: Das bleibt von den Versprechen übrig

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Der Unmut ist groß, Grund hierfür sind wieder mal Renten- und Lebensversicherungen. Meist konnte sich von den einstigen und vollmundigen Versprechen nur ein Bruchteil in die Gegenwart retten. Doch was sind die Gründe und wie sollte man diesem Problem begegnen?

Lebensversicherungen: Das bleibt von den Versprechen übrig

Zwischen Versprechen, Prognosen und Garantien

Im Schnitt besitzt jeder Deutsche rund 1,5 Renten- oder Lebensversicherungen. Damit sind sie die beliebtesten Altersvorsorgeprodukte. Trotzdem geraten sie zunehmend in die Kritik. Vom Neuabschluss wird, historisch niedrigen Garantiezinsen sei Dank, fast schon pauschal abgeraten.

Doch auch wer zu Zeiten höherer Garantiezinsen abgeschlossen hat, hinterfragt mitunter die damalige Entscheidung. Denn es klaffen regelmäßig große Summen zwischen den Versprechen zum Zeitpunkt des Abschlusses und den heutigen tatsächlichen Werten. Mitunter liegen zwischen Wunsch und Wahrheit sagenhafte 50 %! In Summe kann dies 50.000,- EUR anstatt 75.000,- EUR bedeuten.

Besonders tragisch wird es dann, wenn auf diese Weise im Ruhestand Abstriche gemacht werden müssen, denen man eigentlich mit dem Abschluss entgegenwirken wollte.

Müssen Sie das hinnehmen?

In vielen Fällen müssen Sie. Denn meist handelte es sich um unverbindliche Prognosen, von denen man heute meilenweit entfernt ist. Diese Prognosen finden sich in nahezu jedem Schreiben der Versicherung. Vor etlichen Jahren waren sie regelmäßig das Argument für den Abschluss. Heute können Sie jedoch nicht auf diese unverbindlichen Prognosen pochen – maßgeblich ist, was die Versicherung Ihnen garantiert.

Zwischen den Garantien und den Prognosen einer Versicherung können mitunter Welten liegen. Während eine Versicherung selbst in Niedrigzinsphasen oder Krisenzeiten an ihre Garantie gebunden ist, muss zur Erreichung der Prognosen eine Menge mehr passieren. Um den Prognosen näher zu kommen, sind sogenannte Überschüsse notwendig. Diese Überschüsse zu erwirtschaften, wird zu Zeiten niedriger Zinsen immer unwahrscheinlicher! Doch schlimmer noch: Während dieser Phasen können sogar bestehende Überschüsse noch angegriffen werden – sie sind nämlich nicht automatisch Bestandteil der Garantie.

Was Sie von der Versicherung versprochen bekommen, steht im Regelfall im Zusammenhang mit dem Begriff Garantie. Überschüsse und Bewertungsreserven werden erst nach mehreren Jahren zu einer solchen Garantie. Bis dahin müssen Sie hinnehmen, dass selbst bereits erwirtschaftete Überschüsse wieder sinken können. Wer sich an die vertraglichen Rahmenbedingungen hält, kann daher auf die Garantien pochen – alles weitere ist jedoch vorläufig vakant.

Auch wenn Vermittler aus Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben mit Versprechen locken, ist Vorsicht geboten. Fällt das tatsächliche Ergebnis geringer aus, gilt es nachzuweisen, dass Ihnen beim Abschluss mehr versprochen wurde. Dies fällt nach etlichen Jahren meist alles andere als leicht. Erschwerend kommt hinzu, dass in den seltensten Fällen eine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann. Selbst wer hieb- und stichfeste Beweise in der Hinterhand hält, muss im Regelfall den Rechtsweg gegen den Vermittler einschlagen.

Kündigung meist uninteressant

Vielleicht standen auch Sie bereits, das ernüchternde Ergebnis im Hinterkopf, kurz vor der Kündigung Ihrer Renten- oder Lebensversicherungen. Vor einer solchen Entscheidung sollte jedoch fachkundiger Rat eingeholt werden.

Trotz der Tatsache, dass die einstigen Versprechen nicht gehalten werden, sind insbesondere ältere Renten- und Lebensversicherungen mit attraktiven Garantiezinsen ausgestattet. Im Falle einer Kündigung wären Sie dann mit bedeutend niedrigeren Zinsen zwischen Tagesgeld und Festgeld konfrontiert. Ein pauschale Handlungsempfehlung ist jedoch unmöglich. Ein Blick auf Ihre persönlichen Rahmenbedingungen und den zur Debatte stehenden Vertrag ist unumgänglich.

Wenn Sie hohe Überschüsse und Bewertungsreserven ausgewiesen bekommen, die gegenwärtig noch nicht zu Garantien geworden sind, sollten Sie bei einem unabhängigen Experten oder der Verbraucherzentrale vorsprechen. Es gilt die Frage zu klären, ob ein vermeintlich hoher Garantiezins dem Risiko abschmelzender Überschüsse und Bewertungsreserven entgegenwirkt. Sollte aus Ihren Unterlagen nicht eindeutig hervorgehen, welche Summen auf Garantien, Überschüsse und Bewertungsreserven entfallen, können diese explizit beim Versicherer angefragt werden.

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