Lohnt sich die Riester-Rente für: Familien

Aktuell, Altersvorsorge, Riester-Rente

Die bisherigen Teile der Reihe „Lohnt sich die Riester-Rente für …“, haben überprüft, ob sich die Riester-Rente für Geringverdiener, Normalverdiener und Besserverdiener auszahlt. Im vorerst letzten Teil steht nun die Familie im Fokus. Bisher zeigte sich, dass die beworbenen Vorteile der Riester-Rente in der Praxis vielfach nicht funktionieren. Normalverdiener und Besserverdiener profitieren ab einer Lebenserwartung deutlich oberhalb des Durchschnitts – Geringverdiener kann es sogar noch drastischer treffen. Doch wie sieht die Situation aus, wenn Kinderzulagen fließen? In diesem Teil beantworte ich genau diese Frage.

Statistik: Anzahl der abgeschlossenen Riester-Verträge (in 1.000) von 2001 bis zum 1. Quartal 2015 | StatistaDie Riester-Rente ist weiter auf dem Vormarsch.

Es gibt nur wenige Altersvorsorgeprodukte, die auf vergleichbare Weise polarisieren. Die Riester-Rente steht seit ihrer Einführung massiv in der Kritik. In einem Punkt sind sich Gegner und Fürsprecher jedoch einig: Sie ist ein voller Erfolg.

Das bestätigt auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, dies wies für das erste Quartal 2015 einen neuen Rekord aus. Mit über 16,3 Millionen abgeschlossener Verträge gehört die Riester-Rente damit zu den beliebtesten Altersvorsorgeprodukten am Markt. Doch diese Tatsache lässt keinerlei Rückschluss darauf zu, ob Verbraucher auch wirklich profitieren. Diese Frage können sich nur die wenigsten im Alleingang beantworten. Wer keine erweiterten Kenntnisse im Sozial- und Steuerrecht vorzuweisen hat, ist zwingend auf Expertenrat angewiesen.

Familien haben einen entscheidenden Vorteil.

Adrian Englschalk: Die Kinderzulagen sind ein entscheidender Faktor. Beleuchten wir die vergangenen Teile, in denen es um Normal- und Besserverdiener ging: Hier zeigte sich, dass sich der Besserverdiener in einer bedeutend komfortableren Position befindet und bereits fünf Jahre vor einem Normalverdiener von der Riester-Rente profitiert. Zwischen dem Normalverdiener und dem Besserverdiener gibt es lediglich einen Unterschied im Hinblick auf die Riester-Rente: Es ist die Steuerrückerstattung in der Ansparphase. Diese Steuerrückerstattung kann jedoch durch die staatliche Zulage geschlagen werden!

Das Stichwort ist die sogenannte Förderquote. Kinder, die vor 2008 geboren wurden, bringen einem Elternteil eine Zulage in Höhe von 185,- EUR, nach 2008 geborene Kinder sogar 300,- EUR. Durch diese gewährten Kinderzulagen können Familien die höchsten Förderquoten erzielen. An exakt dieser Stelle kann die Riester-Rente zum attraktivsten Altersvorsorgeprodukt werden. Wie dies in der Praxis aussieht, zeigt folgendes Beispiel.

Rahmendaten Ehemann: 37 Jahre; verheiratet; zwei Kinder nach 2008 geboren; 30.000,- Brutto-Jahreseinkommen
Rahmendaten Ehefrau: 37 Jahre; verheiratet; zwei Kinder nach 2008 geboren; 30.000,- Brutto-Jahreseinkommen

Riester-Rente Ehemann: Keine Riester-Rente
Riester-Rente Ehefrau: Monatlicher Beitrag 37,17 EUR; Zulagenanspruch 754,- EUR; Steuerrückerstattung 0,00 EUR; Garantierente 137,26 EUR

 

ohne Riester

mit Riester

gesetzliche Rentenversicherung

1.954,00 EUR

1.954,00 EUR

Kranken- und Pflegeversicherung

- 188,56 EUR

- 188,56 EUR

Riester-Rente

137,26 EUR

steuerpflichtige Alterseinkünfte

1.765,44 EUR

1.902,70 EUR

Steuern

- 66,83 EUR

- 93,33 EUR

Netto-Rente

1.698,61 EUR

1.809,37 EUR

Riester-Plus

110,76 EUR

Stand: 08/2015

Da der Ehemann in diesem Beispiel keine der Kinderzulagen für sich beansprucht, diese kann nur ein Elternteil beantragen und werden hier der Ehefrau zugerechnet, verzichtet er auf die Riester-Rente.

Um die Leistungsfähigkeit der Riester-Strategie dieser Familie zu belegen, fehlt jedoch ein Vergleich. In diesem Vergleich zeigte die Riester-Rente bei Normal- und Besserverdienern bislang deutliche Schwächen. So konnten einfache Tages-/Festgeld-Modelle bis zum Erreichen des 90. Lebensjahrs bei Besserverdienern, bei Normalverdienern sogar bis zum 95. Lebensjahr mit der Riester-Rente mithalten. Wie alt Verbraucher innerhalb einer Familie werden müssen, um von der Riester-Rente zu profitieren, zeigt dieser letzte Schritt:

Tages-/Festgeld-Modell: Monatlicher Beitrag 37,17 EUR; durchschnittliche Verzinsung 1,25 %; verfügbarer Sparerfreibetrag 200,- EUR (max. 801,- pro Person)

Im Ergebnis können auf diese Weise 16.224,12 EUR zum Rentenbeginn mit 67 Jahren erwirtschaftet und anschließend verrentet werden.

 

ohne Riester

mit Riester

Kapital zum Rentenbeginn (67 Jahre)

16.224,12 EUR

Netto-Rente

110,76 EUR

110,76 EUR

durchschnittliche Verzinsung

1,25 %

Rentenbezug

bis 80 Jahre 2 Monate

lebenslang

Fazit:

Adrian Englschalk: Eine Familie mit Anspruch auf Kinderzulagen und durchschnittlichem Einkommen ist der eigentliche Profiteur der Riester-Rente. Grund hierfür sind die gewährten Kinderzulagen. Dieses Alleinstellungsmerkmal macht die Riester-Rente damit zur ersten Wahl. Das als Vergleichsmaßstab herangezogene Tages-/Festgeld-Modell stößt bereits bei Erreichen des 80. Lebensjahres an seine Grenzen und taugt somit nicht als Alternative. Verbraucher mit Kindern, die auf die Riester-Rente setzen, müssen somit kein utopisches Alter erreichen.

Eine bedingungslose Empfehlung kann dennoch nicht ausgesprochen werden. Abweichungen in der Einkommenssituation können ebenso wie bereits bestehende Altersvorsorgeprodukte und kurzfristig wegfallende Kinderzulagen zu Verschiebungen führen. Gerade Familien sollten bei der Planung ihrer Altersvorsorge einen unabhängigen Experten zu Rate ziehen. Geeignete Ansprechpartner finden sich beispielsweise bei den Verbraucherzentralen.

Teil 1Lohnt sich die Riester-Rente für: Geringverdiener?
Teil 2Lohnt sich die Riester-Rente für: Normalverdiener?
Teil 3Lohnt sich die Riester-Rente für: Besserverdiener?
Teil 4 – Lohnt sich die Riester-Rente für: Familien?

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