Mini-Inflation: Wo Verbraucher ihr begegnen

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Die Eingriffe der Europäischen Zentralbank sind massiv. Gerechtfertigt werden sie mit einer anhaltenden sogenannten Mini-Inflation. Im Klartext bedeutet dies, dass sämtliche Preise rund um den täglichen Bedarf lediglich moderat steigen. Zahlreiche Verbraucher nehmen hingegen spürbar höhere Preissteigerungen wahr. Es stellt sich daher die Frage, wo der Verbraucher der vieldiskutierten Mini-Inflation begegnet.

Infografik: Günstiges Heizöl, teurer Kohl | Statista

Am Ende steht eine Mischkalkulation

Inflation und Deflation stehen mehr denn je im Fokus. In den Medien halten diese Gegenspieler insbesondere im Zusammenhang mit den Maßnahmen und Eingriffen der EZB Einzug.

Für den Monat April wies das Statistische Bundesamt bereits eine Deflation aus. Für Verbraucher verbirgt sich hinter dem Begriff ein fallendes Preisniveau. Anstatt billigerer Waren wird vielerorts jedoch das exakte Gegenteil in Form von steigenden Preisen wahrgenommen. Bis einschließlich Mai wurde bereits wieder eine Inflation von lediglich 0,19 % veröffentlicht. Das bei 2 % gesteckte Ziel ist damit deutlich verfehlt. Unlängst hat sich ein neuer Sprachgebrauch etabliert, der den gegenwärtigen Rahmenbedingungen Tribut zollt. Seit einiger Zeit berichten die Medien mehr und mehr von einer Mini-Inflation. Verbrauchern stellt sich jedoch weiterhin die Frage, wo sie dieser vieldiskutierten Mini-Inflation begegnen.

Verbraucher sollten berücksichtigen, dass es sich sowohl bei der Inflation als auch bei der Deflation um eine Mischkalkulation handelt. Während einzelne Waren oder Dienstleistungen nur moderat im Preis steigen oder sich gar verbilligen, können andere durchaus spürbar im Preis steigen.

Kohl und Salat deutlich teurer

Besonders spürbar wird die Verwerfung am Beispiel von Heizöl gegenüber Blumen- und Weißkohl. Während leichtes Heizöl gegenüber dem Vorjahresmonat um 25 % im Preis gefallen ist, mussten Verbraucher durchschnittlich 28 % mehr für Kohl bezahlen.

Haushalte benötigen Heizöl hingegen in bedeutend höheren Mengen als Kohl. So wird in größerem Maße von dem gesunkenen Energiepreis profitiert. Zusätzlich gilt es zu berücksichtigen, dass Verbrauchern gestiegene Preise insbesondere im Lebensmittelsektor begegnen, wo eine bedeutend höhere Preissensibilität besteht. Günstiges Heizöl, Diesel oder Benzin werden zwar als positiv wahrgenommen, im Hinterkopf jedoch nur selten mit gestiegenen Preisen beim Einkauf verrechnet. So entsteht zwangsläufig eine Fehleinschätzung.

Auch muss betont werden, dass die allgemein ausgewiesene Inflation oder Deflation nicht mit der persönlichen übereinstimmen muss. Wer beispielsweise kein Auto besitzt, profitiert nur in geringerem Maße vom niedrigen Rohölpreis. Besteht der Speiseplan zusätzlich vorwiegend aus Gemüse, kann eine spürbar höhere persönliche Inflation anliegen, als vom Statistischen Bundesamt ausgewiesen.

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