Moderner Kuhhandel: Fonds für attraktive Zinsen

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Es gleicht einer Traumvorstellung, Banken bieten Tages- und Festgeld mit attraktiven Zinsen. 2 %, 3 %, mancherorts werden sogar 4 % offeriert. Doch wer in den Genuss dieser Zinsen kommen möchte, muss zusätzlich in einen Fonds investieren. Ein fairer Deal oder moderner Kuhhandel?

Moderner Kuhhandel: Fonds für attraktive Zinsen

Der Köder hat bereits zahlreichen Verbrauchern geschmeckt

Lebewohl! Dies sagen zahlreiche Verbraucher in den vergangenen Wochen und Monaten. Sie müssen sich von ihren Geldanlagen verabschieden. Noch vor einigen Jahren abgeschlossen, sorgten sie für ansehnliche Rendite. Wer diese Ersparnisse heute erneut anlegen möchte, sieht sich hingegen mit homöopathischen Zinsen konfrontiert.

Die Frage nach gutverzinstem Tages- und Festgeld wurde lange Zeit von Banken belächelt. Doch diese Zeiten sind vorbei! Wer mit dem Geld seiner Kunden verdienen möchte, muss sie halten. Hierfür müssen Vor-Ort-Banken, zu denen beispielsweise Sparkassen und Volksbanken gehören, jedoch mit Direktbanken konkurrieren. Hohe Zinsen sind die Lösung. Angebote mit bis zu 4 % Zinsen sollen Verbraucher überzeugen. An dieser Stelle könnte man das Buch schließen, denn in Anbetracht derartiger Konditionen müssten selbst effiziente Direktbanken ihre Waffen strecken. Doch das Kapitel ist noch nicht zu Ende, es fängt an diesem Punkt erst an.

Möchte man in den Genuss derart astronomischer Zinsen kommen, führt an einem Zusatzgeschäft kein Weg vorbei. Attraktive Zinsen gegen den Abschluss eines Fonds, so lautet die Devise der Banken. Ist der Köder erst einmal ausgeworfen, können einige Verbraucher nicht mehr widerstehen. Solche und ähnliche Geschäfte sind in jüngster Zeit massenhaft zum Abschluss gekommen.

Eine Milchmädchenrechnung entlarvt die Banken

Wer glaubt, dass eine Bank uneigennützig hohe Zinsen feilbietet, der irrt gewaltig. Zieht man Bilanz, stolpert man über einen plumpen Taschenspielertrick.

Ein bei Banken beliebtes Modell ist es, ein Tagesgeld mit einer Sonderkondition zu spicken. Im Gegenzug muss der Verbraucher bei einem Aktien- oder Mischfonds zugreifen. Es wird vorausgesetzt, dass der Anlagebetrag hälftig zwischen den beiden Geldanlagen aufgeteilt werden.

Tagesgeld
Sonderkondition: 3 % (6 Monate)
Normalkondition: 0,25 %

Fonds
Ausgabeaufschlag: 5 %

Wer im Begriff ist, 20.000,- EUR anzulegen, würde demnach je 10.000,- EUR auf Tagesgeld und Fonds aufteilen.

Tagesgeld
Anlagebetrag: 10.000,- EUR
Sonderkondition: 3 % (6 Monate)
Normalkondition: 0,25 %

Als Anleger hat man binnen eines Jahres einen Vorteil in Höhe von 137,50 EUR durch dieses Angebot. Da man ohnehin 0,25 % bekommen hätte, liegt der Vorteil bei 2,75 %. Die Sonderkondition wird allerdings nicht für ein volles Jahr, sondern lediglich für ein halbes Jahr gewährt. Somit halbiert sich der Vorteil durch diese Sonderkondition.

Fonds
Anlagebetrag: 10.000,- EUR
Ausgabeaufschlag: 5 %

Durch den Abschluss des Fonds wird ein sogenannter Ausgabeaufschlag fällig. Er ist eine Art Eintrittskarte und wird direkt vom Anlagebetrag abgezogen. Für den Anlagebetrag von 10.000,- EUR entstehen damit saftige 500,- EUR. Diese 500,- EUR sind gleichzeitig die Kosten des Anlegers und die Provision der Bank.

Ein gutes Geschäft, wenn man auf Seiten der Bank steht. Während diese 137,50 EUR auf die Kondition des Tagesgeld drauflegt, erwirtschaftet sie im selben Moment eine Provision in Höhe von 500,- EUR. Unumstrittener Verlierer: Der Verbraucher/Anleger.

Meine Tipps:

  • Möchten Sie ein Tagesgeld, schließen Sie ein Tagesgeld ab – ohne Zusatzprodukte
  • Möchten Sie ein Festgeld, schließen Sie ein Festgeld ab – ohne Zusatzprodukte
  • Möchte Sie einen Fonds, schließen Sie einen Fonds ab – ohne Ausgabeaufschlag

Wissen Sie nicht, ob Sie ein Tagesgeld, Festgeld oder Fonds brauchen? Dann lassen Sie sich unabhängig beraten, beispielsweise bei der Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe.

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