Niedrigzins: Bedrohung für Ersparnisse und Altersvorsorge?

Aktuell, Geldanlagen

Der Niedrigzins ist in aller Munde. Verbraucher fürchten nun Teile ihrer Ersparnisse und Altersvorsorge zu verlieren. Doch wie akut sich diese Bedrohung tatsächlich darstellt, bleibt für viele nicht nachvollziehbar.

Niedrigzins: Bedrohung für Ersparnisse und Altersvorsorge?
Niedrigzins und Inflation werden zum neuen Feindbild. Verbraucher fürchten um ihre Altersvorsorge.

Zwischen Niedrigzins und Inflation

Bereits seit Jahren befindet sich das allgemeine Zinsniveau im freien Fall. Banken- und Schuldenkrisen haben die Europäische Zentralbank, kurz EZB, zu drastischen Maßnahmen veranlasst.

Während sich Finanzierungen für Konsum und Immobilien infolgedessen deutlich verbilligten, fürchten zahlreiche Verbraucher um ihre Ersparnisse und Altersvorsorge. Das anhaltend niedrige Zinsniveau lässt Tages-, Festgeld und Sparverträge kaum mehr spürbar anwachsen. Nach Abzug der Inflation würden viele Geldanlage- und Altersvorsorgeformen zu einem handfesten Verlust führen, lautet die verbreitete Annahme. Doch nur selten können derartige Standpunkte mit handfestem Zahlenwerk unterfüttert werden. Viel häufiger fußen diese auf subjektiver Wahrnehmung.

Offizielle Zahlen stiften Verwirrung

Zur Verunsicherung vieler Verbraucher tragen zudem zahlreiche Veröffentlichungen bei. Vielen von diesen Veröffentlichungen mangelt es dabei nicht an Wahrheitsgehalt, vielmehr hinkt die Übertragbarkeit auf den Otto-Normal-Verbraucher.

Betrachtet man beispielsweise die Senkung des Leitzinses, der seit dem 10.03.2016 bei 0,00 % markiert, waren augenblicklich Zahlreiche Anleger in Aufruhe versetzt. In Furcht, die Kapitalanlagen würden künftig unverzinst bei Banken und Sparkassen geparkt werden, hielten zahllose Verbraucher augenblicklich Ausschau nach Alternativen. Tatsächlich belegt die Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank, dass der letzte und viele der vorausgegangenen Zinsschritte nicht oder nur geringfügig weitergegeben wurden. Der Hintergrund ist jedoch keineswegs in der Nächstenliebe von Banken und Sparkassen zu suchen. Tatsächlich hat der Leitzins nur indirekte Auswirkungen auf die Konditionspolitik bei Geldanlagen. Dies wird unter anderem dadurch belegt, dass Direktbanken im Vergeich mit klassischen Banken auch weiterhin bedeutend attraktivere Angebote vorhalten können.

Nach gleichem Schemata ist die Auflage unverzinster Bundesanleihen zu bewerten. Diese Anlageprodukte stehen jedoch unlängst im Abseits des Verbraucherinteresses, der Einfluss derartiger Zinssenkungen schlägt wenn überhaupt nur in verwässerter Form auf private Anleger durch.

Information schlägt medialen Populismus

Verbraucher sollten jedwede Veröffentlichung stets kritisch hinterfragen. Um dies zu können, gilt es sich ein standfestes Fundament an Wissen anzueignen. Rund um Kapitalanlagen und Altersvorsorge sind es nicht mehr als drei Fragen, die sich ein Verbraucher ad hoc beantworten können sollte:

1. Welcher Zinssatz wird mir angebote?
Wer Festgeld zu 1,5 % anlegt, erhält eine jährliche Zinsgutschrift in ebendieser Höhe. Was auf Anhieb selbstverständlich anmutet, gilt jedoch nicht für Versicherungsprodukte. Bei den ausgewiesenen Garantiezinsen und Überschüssen handelt es sich nämlich um Vor-Kosten-Zinssätze. So wird aus dem momentanen Garantiezins von 1,25 % (Vor-Kosten-Zinssatz), nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten, schnell eine Verzinsung von nur noch 0,4 %. Um Angebote untereinander vergleichen zu können, gilt es daher die Kosten herauszurechnen. Internetseiten wie zinsen-berechnen.de ermöglichen es, aus einem Vor-Kosten-Zinssatz einen Nach-Kosten-Zinssatz werden zu lassen. Dieser ist dann vergleichbar mit klassischen Geldanlagen.

2. Welchen Zinssatz kann ich realisieren?
Angestellte von Banken und Versicherungen haben sich unlängst ein Niedrigzins-Vokabular angeeignet. Von der Aussage, es gäbe halt nicht mehr Zinsen, sollten Verbraucher sich jedoch nicht beeindrucken lassen. Hinter ihr versteckt sich meist die Tatsache, dass kein besseres Angebot im eigenen Portfolio existiert. Verbraucher sollten sich daher einen groben Marktüberblick verschaffen, bevor es zum Abschluss einer Geldanlage oder Altersvorsorge kommt. Hilfreich hierbei sind Zins- und Angebotsvergleiche.

3. Wie viel Inflation arbeitet gegen mich?

Verbraucher wünschen sich die 1990er Jahre zurück. Während Tagesgeld 1992 noch 3,75 % bot, rangieren heute selbst Direktbanken nur noch bei rund 0,40 %. Augenscheinlich war es 1992 also erheblich attraktiver, seine Ersparnisse anzulegen. Zieht man allerdings die Tatsache hinzu, dass 1992 ein Inflationsniveau von 5,10 % vorherrschte, blieb von den offerierten 3,75 % nicht mehr als ein Kaufkraftverlust.

3,75 % (Tagesgeld) – 5,10 % (Inflation) = -1,35 % (Kaufkraftverlust)

Demgegenüber sind Verbraucher heute mit einer Inflation von lediglich 0,28 % konfrontiert. Dies bedeutet einen kleinen Kaufkraftgewinn.

0,40 % (Tagesgeld) – 0,28 % (Inflation) = +0,12 % (Kaufkraftgewinn)

Es lohnt sich daher die Inflation, die derzeit vorherrscht, zu kennen. Auf diese Weise können Verbraucher schnell erkennen, dass das momentane Niedrigzinsumfeld, vor dem Hintergrund einer ebenso niedrigen Inflation, sich als akzeptabel darstellt. Während die augenscheinlich attraktiven Zinsen in 1992 nicht zum erwarteten Ergebnis führten.

Bereits die Antworten auf die vorgenannten Fragen, ermöglicht Verbrauchern ein besseres Verständnis ihrer Finanzen und die Bewertung vorliegender Angebote.

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