Nullzins: Wie gravierend sind die Folgen für Sparer

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Seit dem 10.03.2016 ist er offiziell, der gefürchtete Nullzins. Die Hoffnungen der Europäischen Zentralbank, in diesen drastischen Schritt, sind groß. Billiges Geld soll Staaten und Unternehmen beflügeln doch auch eine drohende Deflation in Schach halten. Verbraucher hingegen bangen angesichts weiter fallender Zinsen um ihre Ersparnisse und Altersvorsorge. Doch wie gravierend sind die Folgen wirklich?

Nullzins: Wie gravierend sind die Folgen für Sparer
Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main.

Die Risiken einer Deflation überwiegen

Während Verbraucher meist eine exakte Vorstellung von Inflation haben, stellt die Deflation noch eine große Unbekannte dar. Doch für die erneute Senkung des Leitzinses war und ist diese Deflation eines der Hauptargumente. Wichtig ist daher zu verstehen, was eigentlich hinter dem Namensvetter der Inflation steckt.

Eine Inflation lässt bekanntermaßen die Preise für Lebensmittel und Co. stetig steigen. Im Unkehrschluss verliert der Euro im Portemonnaie Stück für Stück an Kaufkraft. Belegen lässt sich die Inflation beispielsweise am Preis für die Kugel Eis. Dieser Stieg innerhalb der vergangenen fünfundzwanzig Jahre durchschnittlich von 50 Pfennig in Richtung von einem Euro und mehr.

Die Deflation geht in die entgegengesetzte Richtung. Sie lässt Preise nach und nach sinken. Den Effekt spürt derzeit beispielsweise der Autofahrer. Bezahlte man vor fünf Jahren noch rund 1,50 EUR pro Liter Benzin, rangiert der Preis heute regelmäßig unter 1,20 EUR pro Liter. Was sich im ersten Moment alles andere als negativ anfühlt, kann langfristig jedoch weitreichende Folgen haben.

Als Schweden im Juli 2015 seinen Leitzins auf -0,35 % senkte, war es die drohende Deflation, die dieser Maßnahme vorausging. Die Europäische Zentralbank verfolgt mit der Einführung des Nullzins das selbe Ziel. Zu Zeiten einer solchen Deflation üben Unternehmen und Verbraucher sich regelmäßig in Verzicht, in Erwartung fallender Preise. Die Folge sind einbrechende Absatzzahlen und eine krankende Wirtschaft. An diesem Faktor hängen Arbeitsplätze, aber auch Steuern, die insbesondere überschuldete Staaten dringend benötigen.

Angst um Ersparnisse und Altersvorsorge

Ob die jüngsten Eingriffe der Europäischen Zentralbank Früchte tragen werden, bleibt abzuwarten. Doch bereits heute sehen Verbraucher ihre Ersparnisse und Altersvorsorge durch das bereits allgegenwärtige Niedrigzinsniveau gefährdet. Es sind jedoch erneut Inflation und Deflation die über Fluch oder Segen entscheiden.

Statistik: Inflationsrate in Deutschland von 1992 bis 2015 (Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber Vorjahr) | Statista

Die Frage lautet nämlich weniger, wie viel Zinsen es für Ersparnisse und Altersvorsorge noch gibt. Sie lautet viel mehr, was die Inflation und Deflation aus ihnen werden lässt. Verbraucher geraten schnell ins Schwärmen, ist die Rede von 3 %, 4 % oder gar 5 %. Zinsen dieser Größtenordnung waren 1992 möglich, konnte man einige Jahre auf sein Geld verzichten. In Anbetracht einer Inflation von 5,1 % blieb jedoch selbst von diesen vergleichsweise hohen Zinsen nicht mehr als ein Verlust.

Für 2015 steht eine Inflation in Höhe von lediglich 0,3 % im Raum. Eine Größtenordnung, die mit gut ausgesuchtem Tages- und Festgeld um ein Vielfaches geschlagen werden konnte.

Trotz Einführung des Nullzins erwartet die Europäische Zentralbank, dass die Inflation ihren Sinkflug vorerst fortsetzt. Damit würde die Hürde, die es vom Sparer zu nehmen gilt, weiter sinken.

Tipp: Werfen Sie einen Blick auf Ihre Finanzen

Wie Sie merken, niedrige Zinsen sind nicht zwingend ein Problem und hohe Zinsen nicht zwingend die Lösung. Zu niedrige Zinsen hingegen sind ein Problem!

Sie sollten daher einen Blick auf Ihre Finanzen werfen. Unabhängig, ob es sich um Tages-, Festgeld oder die Altersvorsorge handelt, die Zinsen sollten marktgerecht sein. Erhalten Sie auf Ihrem Tagesgeld beispielsweise 0,01 %, ist dies ein zu niedriger Zins. Durch den Wechsel, beispielsweise zu einer Direktbank, können und sollten Sie dieses Problem lösen.

Unabhängige Hilfestellung erhalten Sie beispielsweise durch die Verbraucherzentrale.

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