Ölpreis: Steigende Preise und ihre Folgen

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Die Einigung der OPEC, der Organisation ölexportierender Länder, wird bereits als historisch gefeiert. Erstmals seit rund 15 Jahren werden die Ölfördermengen gedrosselt. Dieser Schritt dürfte den Ölpreis kurz- bis mittelfristig beflügeln. Verbraucher sollten sich jedoch nicht nur auf steigende Benzin- und Heizölpreise einstellen, die Tragweite ist erheblich weitreichender.

Ölpreis: Steigende Preise und ihre Folgen
Die Folgen eines steigenden Ölpreises sind weitreichender als die meisten Verbraucher erahnen.

Anstieg von Zins- und Inflationsniveau

Am deutlichsten drückt sich ein Anstieg des Ölpreises auch dort aus, wo er am ehesten zu erwarten ist, an der Zapfsäule und auf der Heizölrechnung. Doch die Tragweite zieht erheblich größere Kreise.

Nur wenigen ist bekannt, dass der Ölpreis nicht unerheblichen Einfluss auf die vorherrschende Inflation nimmt. Die Höhe der Verbraucherinflation orientiert sich am sogenannten Warenkorb. Er enthält, stellvertretend für den deutschen Durchschnittshaushalt, zahlreiche Kostenpositionen. Die Verteuerung des Warenkorbs, infolge von Preissteigerungen, wäre dann ein Indikator für eine Inflation. Ein steigender Ölpreis zieht demnach regelmäßig, mittels höherer Energie- und Transportkosten, einen empfindlichen Anstieg der Inflation nach sich.

Auf diesem Weg stiege, vor dem Hintergrund des vorherrschenden Niedrigzinsumfelds, insbesondere die Gefahr für Sparer und jene die für ihr Alter vorsorgen. Denn liegt das Zinsniveau unterhalb der Inflation, steigen die Preise schneller als die Zinserträge. Ein handfester Verlust zeichnet sich ab. Doch eine steigende Inflation begünstigt gleichzeitig auch einen Zinsanstieg, der die vorgenannte Theorie Lügen strafen könnte.

Ziele der EZB rücken näher

Bis zu diesem Punkt wird klar, dass ein steigender Ölpreis gleichermaßen eine steigende Inflation nach sich ziehen kann. Der Punkt, an dem aus dieser Tatsache ein Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus wird, ist in der Politik der EZB zu suchen.

Die Europäische Zentralbank verfolgt, wie sämtliche internationale Notenbanken auch, ein Kernziel. Dieses sieht die sogenannte Geldwertstabilität vor. Anders als erwartet bedeutet Geldwertstabilität keineswegs die schwarze Null, vielmehr verbirgt sich hinter ihr eine Inflation.

Im Gegenteil gilt es eine Deflation, den Verfall des Preisniveaus, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abzuwenden. Zu Zeiten einer Deflation ist die Wirtschaft einer erheblichen Gefahr ausgesetzt, die Kaufzurückhaltung in Erwartung weiter fallender Preise von Verbrauchern und der Wirtschaft selbst. Geheilt wird dieses Problem mittels einer Inflation. Die Tatsache, dass Ende 2015 bis Anfang 2016 die gefürchtete Deflation große Teile des Euroraums ergriff, zwang die EZB die umstrittene Geldpolitik weiterzuführen. Auf diese Weise wurde ebenfalls das Niedrigzinsumfeld manifestiert.

Doch die Maßnahmen scheinen bereits erste Früchte zu tragen. Musste im Februar diesen Jahres für Deutschland noch eine Deflation ausgewiesen werden, konnte bis Ende Oktober bereits eine Inflation von 0,8 % erzielt werden. Die EZB konnte in Folge dieser Tatsache das monatliche Anleihenkaufprogramm von 80 Milliarden pro Monat auf 60 Milliarden drosseln. Sollte die Inflation, durch steigende Energie- und Transportkosten, weiter steigen, könnte dies mittel- bis langfristig zu weiteren Eindämmungen von Seiten der EZB führen. Ein dezent steigendes Zinsniveau und somit die Erfüllung des EZB-Kernziels wäre dann die Schlussfolgerung. Erhebliche Zinsanstiege dürften jedoch selbst langfristig weitenteils ausgeschlossen werden. Industriestaaten ächzen weltweit unter einer erheblichen Schuldenlast, die mit Hilfe niedriger Zinsen in Schach gehalten werden. Somit sollten Zinsanstiege lediglich in überschaubarem Maße erwartet werden.

Anleger und Immobilienfinanzierer sind gefordert

Aus diesen Umständen ergibt sich jedoch bereits heute Handlungsbedarf. Insbesondere konservative Sparer sollten bestehende Anlagen kritisch prüfen. Im Umfeld einer steigenden Inflation sollte die Verzinsung von Tages- und Festgeld zeitnah auf den Prüfstand gestellt werden. Insbesondere sogenannte Vor-Ort-Banken, zu denen beispielsweise Sparkassen und Volksbanken zählen, rangieren zinsseitig teils erheblich hinter ausgesuchten Direktbankangeboten. Umschichtungen sind, um nicht gegenüber der Inflation zu verlieren, gegebenenfalls ratsam. Konservative Anleger sollten jedoch zwingend an konservativen Geldanlagen festhalten und im Zuge einer Umschichtung keine zusätzlichen Risiken aufbauen, diese sollten lediglich eingegangen und getragen werden, wenn die Anlagementalität dies zulässt.

Anleger die auf Wertpapiere setzen sind jedoch ebenso zur Aufmerksamkeit aufgefordert. Die Zinspolitik der Notenbanken hat zu mitunter erheblichen Verwerfungen an den Börsen geführt. Veränderungen der Geldpolitik können daher bereits kurzfristig in Verluste übersetzt werden. Neuanlagen sollten vor diesem Hintergrund wohlüberlegt stattfinden, bestehende Wertpapierpositionen sind eng zu begleiten.

Neben diesen Personengruppen sollte jedoch auch der Baufinanzierung Aufmerksamkeit geschenkt werden. Diese könnte sich, wie es bereits in den vergangenen Monaten zu erkennen war, weiter verteuern. Auch wenn die Zinsschritte bislang moderat ausfallen, sind in Anbetracht der durchschnittlichen Finanzierungssummen bereits kleinere Veränderungen deutlich spürbar. Verbraucher mit laufenden oder anstehenden Baufinanzierungen sollten sich daher unabhängig zu Absicherungsoptionen beraten lassen.

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