Online-Banking: Bank haftet nach Betrugsfall

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Der Blick in das E-Mail-Postfach bringt zahlreiche Kuriositäten zu Tage. Die meisten bewegen sich ungeöffnet in Richtung Papierkorb, andere hingegen können uns teuer zu stehen kommen. Insbesondere beim Stichwort Online-Banking können sogenannte Phishing-Mails und -Software für erhebliche Schäden sorgen. In einem solchen Fall musste nun das Landgericht Oldenburg entscheiden, wer für den Schaden haftet – der Verbraucher oder die Bank.

Online-Banking: Bank haftet nach Betrugsfall

Banken müssen grobe Fahrlässigkeit nachweisen

Im verhandelten Fall hatte ein Bankkunde eine App heruntergeladen, die eine Phishing-Software mitbrachte. Mit dieser auf dem Smartphone installierten Software konnten Betrüger die Daten ausspähen, mit Hilfe derer man später das Konto des Geschädigten plünderte.

Der Gesamtschaden belief sich schlussendlich auf eine fünfstellige Summe. Bereits kurz nach dem anfänglichen Schock stellte sich die Frage, wer für diesen Schaden aufkommen muss. Während der Bankkunde sein Institut in der Verantwortung sah, entgegnete ihm dies mit einem beliebten Gegenargument. Die Bank betrachtete es nämlich als grob fahrlässig, dass ihr Kunde eine App auf dem Smartphone installierte, die aus keiner gesicherten Quelle stamme. Erst so hätte man es den Betrügern ermöglicht, einen derart erheblichen Schaden zu verursachen.

Beweislast liegt bei der Bank

Der Bankkunde, der bereits seit einigen Jahren seine Geschäfte per Online-Banking abwickelte, sei Opfer einer ausgeklügelten Betrugsmasche geworden, so entgegneten die Richter dem Vorwurf grober Fahrlässigkeit. Weiterhin habe sich nicht der Kunde von diesem Vorwurf zu befreien – vielmehr liege die Beweislast auf Seiten der Bank.

So hätte, laut Auffassung des Gerichts, die Bank prüfen und nachweisen müssen, dass sämtliche Zahlungsvorgänge von Seiten ihres Kunden in Auftrag gegeben wurden. Hierzu reiche die übliche Legitimation mittels Benutzernamen, PIN und TAN nicht aus.

Dieses Urteil des Oldenburger Landgerichts ist bislang nicht rechtskräftig. Es stellt den Bankkunden jedoch unter einen bisher nicht dagewesenen Schutz. Banken hingegen dürfte es schon heute Kopfzerbrechen bereiten, sie müssen insbesondere die bisherigen Legitimationsverfahren überdenken und gegen immer neue Betrugsmaschen sichern.

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