Passives Investieren: Der Fehler liegt im Detail

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Es ist bereits die Rede von einem Megatrend. Passives Investieren mit Hilfe von Indexfonds (auch: ETF) und ausgeklügelten Strategien erfreut sich großer Beliebtheit. Das anhaltende Niedrigzinsniveau lässt zahlreiche Anleger nach Alternativen Ausschau halten – doch ist passives Investieren wirklich die Lösung?

Passives Investieren: Der Fehler liegt im Detail

Was bedeutet passives Investieren eigentlich?

Passives Investieren wird vielerorts als Neuheit gefeiert. Diese Neuheit ist jedoch genau genommen so alt, wie der Wertpapierhandel selbst.

Hinter diesem Begriff versteckt sich im Grunde zweierlei: Ausgesuchte Wertpapiere und narrensichere Strategien. In Kombination sollen auch Laien von attraktiven Renditen profitieren, ohne sich dabei mit großem Zeitaufwand und ausufernden Risiken auseinandersetzen zu müssen.

Strategie #1 – Sparpläne (Durchschnittskurseffekt | Cost-Average-Effekt)

Besonders beliebt ist die Empfehlung, einen Indexfonds monatlich und langfristig zu besparen. Der sogenannte Durchschnittskurseffekt (auch: Cost-Average-Effekt) soll sein Übriges tun. In diesem Beispiel stellt der Indexfonds das ausgesuchte Wertpapier dar, die monatliche und langfristige Besparung die narrensichere Strategie.

Indexfonds: Betrachtet man das empfohlene Wertpapier, findet sich wenig Grund zur Kritik. Indexfonds stehen in direkter Konkurrenz zu klassischen Investmentfonds, jedoch mit drei gewichtigen Unterschieden. Zum einen brillieren Indexfonds mit geringen Kosten. Während klassische Investmentfonds, insbesondere im Erwerb über Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben, Anleger mit sogenannten Ausgabeaufschlägen konfrontieren, zeigen sich Indexfonds im Erwerb vielfach kostenlos. Bei einem Anlagebetrag in Höhe von 10.000,- EUR können die Kosten eines klassischen Investmentfonds so schnell zwischen 300,- und 500,- EUR (Ausgabeaufschlag: zwischen 3 % und 5 %) liegen. Weiterhin spricht für den Indexfonds der direkte Vergleich mit dem Investmentfonds. Im Hinblick auf die Rendite liegen klassische Investmentfonds, die gern mit ihrem aktiven Management argumentieren, zum Großteil hinter vergleichbaren Indexfonds zurück. Das aktive Management stellt daher vielmehr ein Argument gegen, als für einen klassischen Investmentfonds dar. Zuletzt spricht einer der wesentlichsten Punkte für den Indexfonds: Wer beispielsweise einen Indexfonds auf Basis des DAX erwirbt, profitiert von einem Maximum an Transparenz. Das liegt daran, dass sich der Indexfonds parallel zum DAX entwickelt, dessen Entwicklung mit wenig Aufwand und allerorts auch für Laien nachvollziehbar ist. Beispielsweise mit Hilfe von Apps, dem Internet oder selbst der Tagesschau. In diesem Punkt ist der klassische Investmentfonds eindeutiger Verlierer.

Sparplan: Der Durchnittskurseffekt gehört zu den beliebtesten Argumenten beim Vertrieb von Wertpapieren und fondsgebundenen Versicherungen. Die Basis stellt die monatliche und langfristige Besparung dar. Auf diese Weise wird dem Anleger suggeriert, dass während eines hohen Kursniveaus nur wenige Anteile erworben werden (Bsp.: Beitrag 100,- EUR | Kurs 100,- EUR | Anteile 1 Stk.), während in Phasen niedriger Kurse exakt das Gegenteil stattfindet (Bsp.: Beitrag 100,- EUR | Kurs 20,- EUR | Anteile 5 Stk.). Untermauert wird der Vorteil des Durchschnittskurseffekts gern mit konkreten Beispielen.

Sparplan: DWS Vermögensbildungsfonds I (10/2005 - 10/2015)

Fondsportrait: DWS Vermögensbildungsfonds I

Beitrag: 100,- EUR

Summe der Einzahlungen:

12.100,00 EUR

Entwicklung in EUR:

4.199,52 EUR

Entwicklung in %/p.a.:

5,86 %

Betrachtet man das Ergebnis, mutet eine Rendite in Höhe von 5,86 % attraktiv an. Der damit in Verbindung stehende Aufwand beschränkt sich auf die Einrichtung eines Fondssparplans im Jahr 2005.

Dieses Ergebnis basiert jedoch auf zwei mit Bedacht ausgesuchten Zeitpunkten. Wer die Laufzeit um nur zwei Jahre in die Vergangenheit (10/2003 – 10/2013) verschiebt, dessen Ergebnis schrumpft schlagartig auf 2,48 %.

Sparplan: DWS Vermögensbildungsfonds I (10/2003 - 10/2013)

Fondsportrait: DWS Vermögensbildungsfonds I

Beitrag: 100,- EUR

Summe der Einzahlungen:

12.100,00 EUR

Entwicklung in EUR:

1.633,96 EUR

Entwicklung in %/p.a.:

2,48 %

Eine Verschiebung um weitere zwei Jahre (10/2001 – 10/2011) hätte einen Verlust von – 2,46 % erzeugt.

Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe haben in diesem Punkt leichtes Spiel. Schließlich lassen sich zielsicher Zeiträume ausmachen, die das Ergebnis ausweisen, welches den Anleger zum Abschluss bringt.

Der Grund, aus dem ein Sparplan scheitert, liegt exakt in den Punkten, die als Vorteil angeführt werden. Denn die Tatsache, dass überhaupt zu Zeiten eines hohen Kursniveaus (Bsp.: Kurs 100,- EUR) Anteile erworben werden, sorgt dafür, dass nur zu Zeiten eines noch höheren Kursniveaus (Bsp.: Kurs 120,- EUR) Gewinne erzeugt werden. Noch problematischer stellt sich ein fallendes Kursniveau dar. Während nun zu niedrigeren Kursen mehr Anteile erworben werden, sinkt das Vermögen des Anleger zusehends. Mit anderen Worten: Mit einem Beitrag von 100,- EUR gewinnt man und mit einem vier- oder fünfstelligen Vermögen verliert man.

Zum Vergleich: Ein Anleger, der vor 10 Jahren in den Vermögensbildungsfonds I investiert hätte, könnte per heute auf eine Entwicklung um 61,03 % (Entwicklung in %/p.a.: 22,09 %) zurückblicken. Betont werden muss, dass keineswegs zum Zeitpunkt eines attraktiven Kursniveaus ge- oder verkauft wurde und zwischenzeitlich massive Verluste im Raum standen.

Strategie #2 – Portfolio-Mix

Die zweite Strategie erinnert an ein Rezept. Nach dem Motto „ein Prise hiervorn und ein Löffelchen davon“ werden Wertpapiere in einer bestimmten prozentualen Zusammensetzung miteinander kombiniert. Im Ergebnis entsteht ein Portfolio-Mix der spätestens mit der Erfindung der sogenannten „Pantoffel-Portfolios“ (Finanztest) Einzug in zahllose Depots gehalten hat.

Auch hier lockt das Versprechen: Wenig Risiko, wenig Zeitaufwand und dennoch attraktive Renditen.

Betrachtet man die einzelnen Strategien, begegnet man Aktien, Staatsanleihen und Rohstoffen. Abhängig vom Anleger, werden Aktien von Deutschland bis zu den Schwellenländern empfohlen. Für die nötige Sicherheit sollen Staatsanleihen sorgen, die regelmäßig 50 % bis 75 % des Portfolio-Mix ausmachen. Der Aufwand des Anlegers beschränkt sich auf die Wiederherstellung der prozentualen Zusammensetzung, beispielsweise wenn der Anteil der Aktien durch Kursgewinne gestiegen ist.

Ein solcher Portfolio-Mix basiert auf der Theorie, dass Aktien die gewünschte Rendite erwirtschaften und Staatsanleihen für die notwendige Sicherheit sorgen. Die Bezeichnung als Theorie gibt bereits einen ersten Hinweis, an welcher Stelle diese Strategie scheitert. Denn die bloße Kombination von Aktien und Staatsanleihen sorgt keineswegs durch das Einhalten einer prozentualen Zusammensetzung für Rendite bzw. Sicherheit. Vielmehr sind es wirtschaftliche und fiskalpolitische Rahmenbedingungen, die darüber entscheiden, ob Aktien oder Staatsanleihen den Weg in das Depot eines Anlegers finden sollten.

Zum aktuellen Zeitpunkt stehen durch vorgenannte Rahmenbedingungen sowohl Aktien als auch Staatsanleihen unter massivem Druck. Dieser Umstand kann im ungünstigsten Fall zu Verlusten auf beiden Seiten führen und sogar dazu, dass Anleger über lange Jahre gezwungen sind, Verluste auszusitzen.

Mischfonds stellen hier, trotz ihrer erhöhten Kostenstruktur, eine bessere Alternative dar. Sie übernehmen fortlaufend die Beurteilung für den Anleger, in welcher Gewichtung sich ein Engagement in Aktien, Staatsanleihen oder Rohstoffen sinnvoll darstellt.

Passives Investieren bedeutet Hoffen und Bangen

Anleger suchen seit Erfindung des Wertpapiers nach der Strategie, die einerseits Sicherheit und attraktive Renditen verspricht, und ihnen andererseits keinen Zeitaufwand abverlangt.

Passives Investieren hat diese Suche keineswegs beendet! Die Suche ist allerhöchstens für jene beendet, die realisieren, dass es solche Strategien nicht geben wird und geben kann.

Hält man sich die Entwicklung des Sparplans erneut vor Augen, wird offensichtlich, wie sehr passives Investieren mit Hoffen und Bangen in Verbindung steht. Es kommt in viel größerem Maß auf den idealen Einstieg und noch vielmehr den idealen Ausstieg an, als es Anlegern gegenüber suggeriert wird. Der populäre Portfolio-Mix ergänzt diesen Faktor zusätzlich um die Eigenheiten unterschiedlicher Wertpapiere, die in Abhängigkeit von wirtschaftlichen und fiskalpolitischen Rahmenbedingungen stehen und zu bewerten sind.

Damit wird das Versprechen, geringe Risiken mit geringem Zeitaufwand zu realisieren, als Mogelpackung enttarnt. Ob sich schlussendlich Gewinne oder Verluste einstellen, hat damit weiterhin der Anleger und keineswegs eine ultimative Strategie in der Hand.

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